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Alamogordo (New Mexico, USA)/Jagel. Die Schulung der Besatzungen des zweisitzigen Kampfflugzeugs Tornado im schleswig-holsteinischen Jagel läuft nicht nach Plan. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung am heutigen Montag (1. Oktober) berichtete, hätten drei Piloten und vier Waffensystemoffiziere ihre Ausbildung bereits im März dieses Jahres abschließen sollen. Nun hat man bereits ein halbes Jahr Rückstand. Nach Auskunft des in Jagel beheimateten Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ sei vor allem schlechtes Wetter für die enorme Verzögerung verantwortlich. Im Winter seien die Start- und Landebahnen tagelang vereist gewesen, auch hätten Nebel und Zugvögel-Schwärme die Übungsflüge beeinträchtigt, so eine Sprecherin des Verbandes.

Unsere Luftwaffe nutzte zuvor seit 1996 die Holloman Air Force Base, die nahe bei Alamogordo im US-Bundesstaat New Mexico liegt, für ihre Tornado-Ausbildung. Das Gesamtpaket „Fliegerische Grundausbildung, Fluglehrerausbildung und Waffenlehrerausbildung“ wurde im vergangenen Jahr vor allem aus Kostengründen nach Jagel zurückverlegt (wir berichteten). Der erste Lehrgang in Jagel für Tornado-Personal startete am 24. April 2017.

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) schreibt weiter, dass derzeit beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 die „Flugschüler nach 17 Monaten Training nur zu 50 Prozent ausgebildet“ seien.

Zu wenig Ausbilder und kaum Simulator-Kapazitäten

In Jagel fehle es aber auch an Ausbildern, berichtet die NOZ weiter. Viele Fluglehrer seien nach Angaben der Luftwaffe derzeit selbst im Einsatz, da sich das Geschwader mit Aufklärern von Jordanien aus an der internationalen Mission gegen die Reste des sogenannten „Islamischen Staates“ beteilige.

Eine Entspannung der Personalsituation sei so schnell nicht zu erwarten, da das Geschwader im kommenden Jahr in die Bereitschaft der Schnellen Eingreiftruppe des Bündnisses (NATO Response Force, NRF) eingebunden würde. Auch Einsätze wie jüngst beim Moorbrand in Meppen hätten Kapazitäten gebunden.

Darüber hinaus seien nach Informationen der Luftwaffe – so schreibt die NOZ – Materialprobleme ein weiterer Grund für die massiven Verzögerungen bei der Ausbildung der Tornado-Crews. So fehlten speziell umgerüstete Flugzeuge mit Doppelsteuerung, sogenannte Trainerversionen, für die Ausbildung. Auch hätten die Schüler einen Flugsimulator nur eingeschränkt nutzen können, da dieser „drei Monate lang nicht verfügbar“ gewesen sei. Ein zweiter Simulator kann laut Sprecherin des Geschwaders „Immelmann“ erst in zwei Jahren in Betrieb genommen werden.

Die Luftwaffe steht übrigens nach wie vor zu ihrer Entscheidung, den Ausbildungsbetrieb von Holloman zurück nach Deutschland verlagert zu haben. Trotz der momentanen Probleme sei dies „aufgrund der begrenzten materiellen und personellen Ressourcen der Luftwaffe absolut folgerichtig“ gewesen, zitiert die NOZ. Durch die Rückverlegung in die Heimat spare man allein bei der Miete jährlich rund 15 Millionen Euro ein, so die Luftwaffe.


Unser Bild aus dem Cockpit einer Tornado-Maschine entstand am 17. Juni 1998 bei einem Formationsflug.
(Foto: Marcus Rott/Bundeswehr)

Kleines Beitragsbild: Ein besonderer Tag für die „Immelmänner“ in Jagel – am 30. November 2010 kehrten sechs Aufklärer des Geschwaders aus dem Afghanistaneinsatz zurück. Die Aufnahme zeigt zwei der Maschinen unmittelbar nach ihrer Landung in Jagel.
(Foto: Sebastian Wilke/Bundeswehr)

 


Kommentare

  1. Dr. U. Hensgen | 2. Oktober 2018 um 08:35

    Schlechtes Wetter in Norddeutschland? Unglaublich! Vielleicht hätte man sich doch für Decimomannu auf Sardinien entscheiden sollen. Aber wer kann schon voraussehen, dass das Wetter in Norddeutschland so schlecht sein kann? …

  2. T. Böhlendorf | 2. Oktober 2018 um 13:57

    Manches ist so erschütternd und traurig, dass man es gar nicht kommentieren kann. Muss es erst wieder Tote, Unfälle oder eine unmittelbare Bedrohung geben, damit man endlich aufwacht?

  3. Dr. Henneberger | 4. Oktober 2018 um 07:36

    Neben den in Relation zu den Gesamtkosten der fliegerischen Ausbildung lächerlichen 15 Millionen Euro geht die Verlagerung nach Jagel mit einem erheblichem Attraktivitätsverlust für die Bundeswehr einher. Die Möglichkeit, als Soldat oder Zivilbeschäftigter (im Unterstützungsteil der Ausbildung) im Ausland Dienst zu leisten, ist beziehungsweise war ein guter Werbefaktor.
    Daneben sollten man auch die Kontakte zu den US-Streitkräften pflegen, was vor Ort besser möglich ist als aus Deutschland.

  4. Martin Habermann | 16. Oktober 2018 um 01:27

    Die Flugausbildung aus den USA nach Deutschland zu verlegen, war eine klare FEHLENTSCHEIDUNG!

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