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Berlin/Kiel. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat entschieden, das Segelschulschiff „Gorch Fock“ reparieren und sanieren zu lassen. Sie informierte darüber am Mittwoch vergangener Woche (20. März) die Minister der Großen Koalition. Dies meldete kurz darauf der NDR. Die Kosten für das Projekt belaufen sich dem Sender zufolge „auf bis zu 135 Millionen Euro“. Schon Anfang des Jahres hatten Medien berichtet, dass sich die zunächst auf zehn und im Oktober 2016 dann auf 35 Millionen Euro veranschlagten Sanierungskosten für die „Gorch Fock“ mittlerweile vervielfacht hätten. Der Großsegler liegt seit dem Jahreswechsel 2015/2016 in der Elsflether Werft im niedersächsischen Landkreis Wesermarsch. Dort waren auch bei einer Überprüfung die gravierenden Schäden am Schiff entdeckt worden.

Das Verteidigungsministerium hatte die Arbeiten an der „Gorch Fock“ zunächst im Januar stoppen lassen und mit der Werft über die Instandsetzung verhandelt (siehe auch hier). Dabei sei auch in Erwägung gezogen worden, ein neues Schiff bauen zu lassen, so der NDR. Dies wäre jedoch nicht ohne Verluste möglich gewesen. Dazu der Sender: „Am 60 Jahre alten Segelschulschiff der deutschen Marine waren bereits Arbeiten vorgenommen worden, weitere Leistungen sind vertraglich vereinbart. Ein Abbruch der Arbeiten hätte rund 70 Millionen Euro gekostet.“

Bereits Ende 2016 hatte das Ministerium Grundsatzbetrachtungen zur „Gorch Fock“ angestellt und – vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten – zwei Optionen gegeneinander abgewogen. Erstens: Instandsetzung des am 17. Dezember 1958 in Dienst gestellten Segelschulschiffs und weiterer Betrieb über die ursprüngliche Nutzungsdauer hinaus. Zweitens: Neubau eines Schiffes und Realisierung einer erforderlichen Zwischenlösung.

Eine „vollständige Befundung“ durch die Elsflether Werft AG

Wie das Presse- und Informationszentrum Marine am 20. März in einem Beitrag für den Onlineauftritt der Teilstreitkraft schreibt, hätte zunächst die Werft in Elsfleth nach einer „vollständigen Befundung“ Anfang des Jahres dem zuständigen Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz „einen finanziellen Mehrbedarf für die weitere, zeitgerechte Instandsetzung“ angezeigt.

Im Marinetext wird erklärt: „Die Gesamtheit der notwendigen Reparaturen konnten die Werft und die Verantwortlichen der Bundeswehr erst erkennen, nachdem alle Teile des Schiffes für detaillierte Untersuchungen zugänglich waren. Um etwa die Innenseite des Rumpfes vollständig prüfen zu können, musste ein Großteil der Einbauten des Schiffes ausgebaut werden. Der Zustand der ,Gorch Fock‘ erwies sich dabei leider noch einmal als wesentlich schlechter als angenommen, wodurch nun die Mehrkosten entstanden sind.“

Viele der Schäden wurden erst während der grundlegenden Untersuchung im Trockendock in Bremerhaven festgestellt.

Nach Auskunft der Marine sind inzwischen „rund 80 Prozent der Außenhaut des Schiffes ausgetauscht“ worden. Dank dieser umfassenden schiffbaulichen Untersuchung habe man nun „auch wirklich alle verdeckten Schäden“ erkennen können. Diese würden jetzt im Rahmen einer Generalüberholung beseitigt.

„Nach langer Zeit der Flaute ist wieder Wind zu spüren“

Zu den Sanierungsarbeiten erklärt das Pressezentrum: „So muss unter anderem das gesamte Ober- und Zwischendeck aus Stahl erneuert werden. Dazu entfernt die Werft zunächst den Teakholzbelag des Oberdecks. Anschließend wird neues Teakholz beschafft und an Oberdeck verlegt. Allein dies ist ein erheblicher Zeit- und Kostenfaktor. Zudem erhält die ,Gorch Fock‘ ein völlig neues Kartenhaus sowie neue Rahen und Masten.“

Der Marineinspekteur, Vizeadmiral Andreas Krause, kommentierte die Entscheidung von Verteidigungsministerin von der Leyen vergangene Woche mit den Worten: „Jetzt haben wir die Kontinuität in der Ausbildung des Offiziersnachwuchses, den wir für den personellen Aufwuchs unserer Marine brauchen.“ Kapitän zur See Nils Brandt, Kommandant des Segelschulschiffes, sagte der Presse: „Die Entscheidung, die ‚Gorch Fock‘ zu erhalten, hat bei meiner Besatzung und mir große Freude und Erleichterung ausgelöst – nach langer Zeit der Flaute ist wieder Wind zu spüren und das tut gut, denn das Schiff erfüllt einen ganz wesentlichen Auftrag zur Ausbildung unseres Nachwuchses.“

Der Steuerzahler darf hoffen, dass das Vorhaben „Generalüberholung Gorch Fock“ innerhalb der veranschlagten Zeit abgeschlossen sein wird. Wie die Kieler Nachrichten am 21. März meldeten, sollen alleine die Liegekosten im Dock „100.000 Euro pro Woche“ betragen.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Luftbildaufnahme der Elsflether Werft mit der „Gorch Fock“ vom 8. August 2012.
(Foto: Fotoflug Bremen/unter Lizenz CC BY-SA 3.0 – vollständiger Lizenztext:
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode)

2. Unsere Infografik befasst sich mit den enormen Kostensteigerungen für Reparatur und Sanierung der „Gorch Fock“ im Laufe der letzten Jahre. Das Hintergrundbild, entstanden am 5. Oktober 2008 im Hafen von Dublin, zeigt die Tiefgangsmarkierungen am Heck der „Gorch Fock“.
(Foto: William Murphy/unter Lizenz CC BY-SA 2.0 – vollständiger Lizenztext:
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode)

Kleines Beitragsbild: Die „Gorch Fock“ in der kanadischen Hafenstadt Halifax, Hauptstadt der Provinz Nova Scotia. Die Aufnahme entstand beim „Tall Ships Nova Scotia Festival 2007“.
(Foto: Terry Waterfield, Robert Alfers/Public Domain)


Kommentare

  1. Dr.-Ing. U. Hensgen | 27. März 2018 um 16:07

    Oh, wenn mir eine Werkstatt die Reparatur meines Autos für 1000 Euro anbietet, dann auf 3500 Euro erhöht und letztendlich 13.500 Euro haben will, so kommen mir zwei Dinge in den Sinn: Die Leute haben keine Ahnung von ihrer Arbeit oder sie bieten billig an, um den Zuschlag zu erhalten und um mich – wenn ich die Werkstatt vielleicht nicht mehr wechseln kann – über den Tisch zu ziehen.

    Auf jeden Fall würde ich die Werkstatt wechseln. Aber vielleicht ist das bei Booten und Schiffen ja anders.
    Honi soit qui mal y pense …

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