menu +

Nachrichten



Rostock/Adenes (Norwegen). Die deutsche Marine führt seit dem 18. April im Bereich des Andøya Test Centers in Norwegen ein Flugkörperschießen durch. An der zwölftägigen Gefechtsübung im Seegebiet vor Andenes, der nördlichsten Ortschaft auf der Inselgruppe der Vesterålen, beteiligen sich drei Schiffe. Teilnehmende Einheiten sind die Fregatte „Sachsen“ (Klasse F124), die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ (Klasse F123) und die Korvette „Oldenburg“ (Klasse K130). Hinzu kommen ein Seefernaufklärer P3C-Orion und zwei Hubschrauber des Typs Sea Lynx Mk.88A von der „Sachsen“. Der Einsatz endet am kommenden Freitag (29. April).

Das Andøya Test Center (ATC) bietet mit einer Gesamtfläche von rund 4000 Quadratkilometern (inklusive einer geraden Flugbahn-Teststrecke von 100 Kilometern) und ausgestattet mit den neusten Mess-, Telemetrie- und Trackingsystemen auch die ideale Umgebung für das Training eines Waffeneinsatzes.

Das ATC unterstützt mit seiner modernen Infrastruktur und Testausstattung die Erprobung von und die Übungsvorhaben mit luft- und seegestützten Waffensystemen. Die geografischen Gegebenheiten – taghelle Sommernächte und arktisch-kalte Wintermonate – erlauben Versuchsreihen und Trainingsszenarien, die so nur hier in Nordnorwegen abgebildet werden können. Andøya, die nördlichste Insel der Vesterålen, liegt mit ihrem Testzentrum etwa 350 Kilometer über dem Polarkreis.

Intensive militärische Zusammenarbeit beider Länder seit dem Jahr 2011

Unsere Marine und die Seestreitkräfte der Partnernationen unterstützen sich nicht nur auf Booten und Schiffen, bei fliegenden Waffensystemen und durch die Integration nationaler Fähigkeiten in gemeinsame Marineverbände. Zur Kooperation gehört auch die Bereitstellung beziehungsweise Gastnutzung spezieller militärischer Einrichtungen für besondere Übungsvorhaben.

Norwegen und Deutschland pflegen bereits seit Jahren eine intensive Zusammenarbeit in unterschiedlichen Streitkräfte-Bereichen. Am 12. September 2011 hatten die damaligen Verteidigungsminister beider Länder, Grete Faremo und Thomas de Maizière, bei einem gemeinsamen Besuch der Militäreinrichtungen auf Andøya die Rahmenbedingungen für ein späteres Abkommen („Declaration of Intent“) erörtert.

Kein Einsatz des Lenkflugkörpers RBS15 Mk3 bei Gefechtsübung vor Andøya

Die Korvette „Oldenburg“ schießt beim norwegischen ATC übrigens mit RIM-116 Rolling Airframe Missile (RAM) und nicht mit ihrer eigentlichen Hauptbewaffnung, dem Flugkörper RBS15 Mk3. Dies bestätigte am heutigen Dienstag (26. April) das Presse- und Informationszentrum im Rostocker Marinekommando.

Grund unserer Anfrage waren die am 20. April veröffentlichten „Bemerkungen zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes“ des Bundesrechnungshofes (wir berichteten). Die Prüfer hatten darin unter anderem kritisiert, dass die insgesamt 30 Lenkflugkörper RBS15 Mk3 für die fünf Korvetten der deutschen Marine inzwischen zwar komplett bezahlt worden seien, man ihre Einsatzfähigkeit vorher jedoch nicht ausreichend geprüft habe. Der Bundesrechnungshof fordert nun das Verteidigungsministerium auf dafür zu sorgen, dass „die Lenkflugkörper schnellstmöglich auch für den Einsatz gegen Ziele an Land einsetzbar sind“.

Die deutsche Marine spricht in einem ihrer Onlinetexte über die Korvetten der „Braunschweig“-Klasse bei der Auflistung der Schiffsbewaffnung bereits von „landzielfähigen“ Flugkörpern RBS15 Mk3.


Zu unseren Bildern:
1. Abschuss eines Flugkörpers vom Gelände des norwegischen Andøya Test Centers.
(Foto: ATC)

2. Die Fregatte „Sachsen“ verschießt einen Flugkörper des Typs Standard Missile-2.
(Foto: Falk Plankenhorn/PrInfoZ Marine)

3. Die Andøya Rocket Range, Teil des Testgeländes auf der Insel Andøya, im Dezember 2010.
(Foto: Kolbjørn Dahle)


Kommentare

  1. Franz rottinger | 2. Mai 2016 um 18:04

    Die haben sich wohl nicht getraut. Sie haben mit der ersten Beschaffung fünf Testflugkörper ohne Gefechtskopf gekauft, von denen drei verschossen wurden mit den bekannten zwei Versagern, also haben wir bis heute eine Zuverlässigkeitsrate von 33 Prozent.

    Zwei sind also noch übrig, aber vielleicht arbeitet der Hersteller noch daran, diese landzielfähig zu machen, was 2002 Vertragsbestandteil war. Man will ja wohl ein weiteres Los beschaffen (50 EA ), da würde es nicht gut aussehen, einen weiteren Versager zu erleben.

Kommentieren

Bitte beantworten Sie die Frage. Dies ist ein Schutz der Seite vor ungewollten Spam-Beiträgen. Vielen Dank *

OBEN