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München. Von 7 auf 100 – das Unternehmen MTU Aero Engines lieferte im Oktober das letzte der 166 leistungsgesteigerten Triebwerke T64-7 für die Flotte der Sikorsky-Transporthubschrauber (CH-53) der Bundeswehr aus. Die Luftwaffe holte das Triebwerk, das jetzt die Bezeichnung T64-100 trägt, mit einem Helikopter direkt am Firmensitz in München-Allach ab. Damit ging ein gut 15 Jahre dauerndes Modernisierungsprogramm zu Ende. Der Auftragnehmer und die Bundeswehr arbeiteten dabei eng zusammen. Das Auftragsvolumen betrug rund 85 Millionen Euro. Die Aufrüstung der CH-53-Triebwerke von T64-7 auf die Version T64-100 muss im Zusammenhang mit der Anpassung und Weiterentwicklung des mittleren Transporthubschraubers (MTH) gesehen werden.

Der CH-53 war Anfang der 1960er-Jahre von dem amerikanischen Unternehmen Sikorsky Aircraft Corporation (Sitz: Stratford im US-Bundesstaat Connecticut) als allwetterflugtauglicher schweren Transporthubschrauber für das U.S. Marine Corps entwickelt worden. Der Prototyp der Sikorsky S-65 flog in den USA erstmals am 14. Oktober 1964.

Die ursprünglich in die Bundeswehr eingeführte Variante trägt die Bezeichnung CH-53G und basiert auf dem CH-53D. Bis auf die ersten beiden Exemplare wurden alle weiteren Hubschrauber in Deutschland in Lizenz gebaut. Am 26. Juli 1972 erhielt das deutsche Heer offiziell seinen ersten CH-53G. Insgesamt beschaffte die Bundeswehr 112 MTH.

Im Zuge der Strukturreform der Bundeswehr vereinbarten die damaligen Inspekteure Werner Freers (Heer) und Aarne Kreuzinger-Janik (Luftwaffe) auch einen „Fähigkeitstransfer Hubschrauber“. Das Heer erhielt dabei mit Wirkung zum 1. Januar 2013 den leichten Transporthubschrauber Bell UH-1D (einschließlich des SAR-Dienstes) und den bislang in der Luftwaffe vorhandenen Anteil des leichten Transporthubschraubers NH90. Die Luftwaffe übernahm im Gegenzug die Verantwortung für den mittleren Transporthubschrauber CH-53 von den Heeresfliegern. Der Appell anlässlich des „Fähigkeitstransfers Hubschrauber“ fand am 13. Dezember 2012 in Laupheim statt (siehe auch hier).

Anpassung an unterschiedliche nationale und internationale Missionsprofile

Die Geschichte der CH-53 in der Bundeswehr ist gekennzeichnet von ständigen Anpassungen und Modernisierungen. So waren beispielsweise 20 Maschinen aufgrund der Erfahrungen der Bundeswehr aus ersten Auslandseinsätzen bis zum Jahr 2002 zur Variante CH-53GS weiterentwickelt worden (geschützter Hubschrauber, mit Instrumentenflugausstattung, Außenzusatztanks zur Reichweitenerhöhung, kompatibler Beleuchtung zum Nachttiefflug mit Bildverstärkerbrille und EK–Selbstschutzausstattung).

Seit 2006 wird mit dem Projekt „Produktverbesserung CH-53G“ und der daraus resultierenden neuen Variante CH-53GA (40 Luftfahrzeuge) bis 2015 ein weiterer Schritt unternommen, um das Waffensystem für unterschiedliche nationale und internationale Missionsprofile anzupassen (siehe auch hier).

Angetrieben werden alle Varianten des CH-53 von zwei Triebwerken des Typs General Electric T64-7 beziehungsweise jetzt von der Weiterentwicklung T64-100. Die ersten T64-Triebwerke waren bereits im Jahr 1971 ausgeliefert worden. Die Triebwerke für die CH-53 der Bundeswehr produzierte General Electric später in enger Kooperation mit dem deutschen Motorenhersteller Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD). Bei MTU in München wurden hauptsächlich die Montage und Abnahmeläufe durchgeführt. Insgesamt lieferten diese Firmen 247 T64-Triebwerke aus.

Von der Kraftstoffpumpe bis hin zum Turbinengehäuse

MTU Aero Engines hatte bereits 1999 damit begonnen, die ersten drei Triebwerke testweise zu erneuern. Im Jahr 2003 folgte dann ein erster Großauftrag, der 46 hochzurüstende T64-Antriebe umfasste. Nun haben die MTU-Fachkräfte die Arbeit an den letzten der insgesamt 166 Triebwerke beendet.

Von der Umrüstung waren fast ein Dutzend Bauteile betroffen – von der Kraftstoffpumpe über die beiden Turbinenleitschaufeln bis hin zum Turbinengehäuse. Das knapp zwei Meter lange Wellenleistungstriebwerk hat jetzt eine maximale Leistung von 3229 kW. Es kann von der Bundeswehr auch unter geografisch und klimatisch schwierigen Bedingungen eingesetzt werden, ohne dass es zu Leistungseinbußen kommt. Wolfgang Gärtner, Leiter „Hubschraubertriebwerksprogramme“ bei der MTU, sagte am Tag der Auslieferung des letzten T64-100: „Wir freuen uns, dass wir diesen Auftrag erfolgreich beenden konnten. Die Planungen der Luftwaffe sehen vor, dass die CH-53-Flotte noch bis 2030 im Einsatz bleibt. Unsere Mitarbeiter haben dafür gesorgt, dass diese Triebwerke auch in den kommenden Jahrzehnten ihre Aufgaben effizient und zuverlässig erledigen können.“

Geringerer logistischer Aufwand und deutliche Kostenreduzierung

Die Triebwerke der CH-53 wurden in enger Zusammenarbeit zwischen MTU und Bundeswehrspezialisten optimiert. Oberstleutnant Stefan Walter nannte dazu in München ein Beispiel: „Erst durch diese Umrüstmaßnahme und den damit verbundenen Leistungsgewinn war der Betrieb des CH-53 mit Staubfiltern – sogenannten EAPS (Engine Air Particle Separator) – im ISAF-Einsatz überhaupt möglich.“

Bei den zahlreichen Einsatzflügen in Afghanistan durch sandhaltige Luft sei so insgesamt die „Stehzeit“ der CH-53-Triebwerke deutlich verlängert worden, erklärte der Offizier weiter. Dies habe zu einer Verringerung des logistischen Aufwandes und letztendlich auch zu einer deutlichen Kostenreduzierung geführt.


Zu unseren drei Aufnahmen:
1. Die Luftwaffe holte mit einer CH-53 das letzte hochgerüstete Triebwerk T64-100 bei MTU in München-Allach selbst ab.

2. Das Triebwerk wird vorsichtig in den Transporthubschrauber verladen.

3. Oberstleutnant Stefan Walter und Wolfgang Gärtner, Leiter „Hubschraubertriebwerksprogramme“ bei MTU.
(Fotos: MTU Aero Engines)


Kommentare

  1. Redaktion | 16. November 2014 um 22:18

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    Vor Kurzem wurde nun erstmals auch ein Beitrag aus unserem Onlineangebot „gescoopt“.

    Hauptmann Christian Albrecht vom Hubschraubergeschwader 64 in Holzdorf kuratierte:
    http://www.scoop.it/t/ch53/p/4031778401/2014/11/15/166-t-64-triebwerke-fur-ch-53-flotte-hochgerustet-mtu-aero-engines

    Wer sich für die interessante Themensammlung „Sikorsky“ von Hauptmann Albrecht interessiert, wird hier fündig:
    http://www.scoop.it/t/ch53

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