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München/Hamburg. Die beiden Universitäten der Bundeswehr – die Universität der Bundeswehr München im oberbayerischen Neubiberg und die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg – sollen künftig in einer gemeinsamen Einrichtung Digitalisierungs- und Technologieforschung betreiben. Finanziert werden soll das ehrgeizige Projekt aus dem milliardenschweren Konjunkturpaket der Bundesregierung „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“, auf das sich der Koalitionsausschuss am 3. Juni geeinigt hatte.

Unter der Kapitelüberschrift „Zukunftspaket“ (Punkt 49) erklärt die Bundesregierung in ihrem 15 Seiten starken Papier: „Die Fähigkeit zu souveränem Handeln im Cyber- und Informationsraum ist untrennbar mit digitaler Souveränität verbunden. Daher wollen wir ein ,Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr‘ aufbauen, um die nationale Verfügbarkeit digitaler und technologischer Innovationen für öffentliche und private Bereiche zu verbessern und innovative und interdisziplinäre Forschung in einem sicheren Umfeld zu betreiben.“

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die am 10. Juni in Neubiberg an der Beförderung von 545 Studierenden zum Leutnant und Leutnant zur See teilnahm, informierte dort die Universitätsleitung – an der Spitze Professorin Merith Niehuss, Präsidentin der Universität München – über das Vorhaben. Das Zentrum, für das rund 500 Millionen Euro vorgesehen sind, soll von beiden Bundeswehr-Hochschulen gemeinsam betrieben werden. Zentrumsstandort soll Neubiberg sein.

Bundestagsabgeordnete der Linken hakte nach

Weitere Informationen über das neue Zentrum verdanken wir einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler (Die Linke). Sie wollte von der Bundesregierung wissen: „Welche zusätzliche Expertise soll das ,Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr‘ für den zivilen Bereich generieren, die nicht bereits von bestehenden Institutionen – wie etwa dem Cyber-Forschungszentrum München, der geplanten Cyberagentur der Bundeswehr, Institutionen der Digitalisierungsforschung auf Landesebene sowie den ohnehin bestehenden Einrichtungen im Hochschulbereich – abgedeckt wird, und mit welchen konkreten Beiträgen will die Bundeswehr die nationale Verfügbarkeit digitaler und technologischer Innovationen für öffentliche und private Bereiche verbessern?“

Der Abgeordneten antwortete der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung Peter Tauber. Nach dessen Auskunft wird das „Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr“ als ein vom Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung getragenes, nichtselbständiges Element der Universität der Bundeswehr München eingerichtet. Zur Zielsetzung dieses Regierungsprojekts teilte der Staatsekretär mit: „Ziel ist es, die universitäre Forschung der beiden Bundeswehr-Universitäten in den Bereichen Digitalisierung, nationaler Schlüssel- und weiterer Zukunftstechnologien stärker zu verknüpfen und strategisch auf Innovationsbereiche auszurichten, um im Rahmen der grundgesetzlich garantierten Freiheit der Forschung innovative und interdisziplinäre, universitäre Spitzenforschung zu betreiben sowie exzellente Nachwuchsforscher […] für Bundeswehr, Wissenschaft und Wirtschaft zu gewinnen.“

Von Anfang an enge Zusammenarbeit mit Existenzgründern

Das Zentrum soll laut Tauber außerdem „als Motor für die universitäre Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr fungieren und zugleich durch die interdisziplinäre Vernetzung mit weiteren […] Institutionen aus Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft Wegbereiter für die Erhöhung der nationalen Verfügbarkeit digitaler und technologischer Innovationen für öffentliche und private Bereiche sein“.

Nach den Plänen der Bundesregierung soll das neue Zentrum der beiden Universitäten im Hinblick auf einen „notwendigen Technologietransfer“ von Beginn an auch einen Gründungsinkubator etablieren. Dazu der Staatssekretär: „Ziel dieses Inkubators ist es, Gründern […] ein lebendiges, von innen und außen wahrnehmbares und aktivierendes Umfeld zu bieten, das die Überführung von Forschungsergebnissen und Geschäftsideen in innovative Gründungsvorhaben in Kooperation mit Wirtschaft und Industrie fördert.“


Hintergrund                           

Mit dem Begriff „Inkubator“ werden Institutionen oder Einrichtungen bezeichnet, die Existenzgründer beim Aufbau ihres Unternehmens helfen. Der Gründer erhält in der Regel neben dem Zugriff auf fachliche Beratung, Qualifikation oder Coaching auch Unterstützung durch die notwendige Infrastruktur wie Büroräume und Kommunikationstechnologie. Zudem wird ein Zugang zu Netzwerken gefördert.

Inkubatorenzentren sind häufig öffentliche Institutionen wie Technologiezentren zur Förderung von Existenzgründungen oder mit Venture-Capital-Gesellschaften beziehungsweise Business Angels (Personen, die sich sowohl mit Kapital als auch mit Know-how an innovativen Start-ups beteiligten) verknüpft. Der Begriff „Inkubator“ stammt ursprünglich aus dem Bereich der Medizin, wo er für die Bezeichnung von Brutkästen verwendet wird.


Zu unserem Bild mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer: Die CDU-Politikerin nahm am 10. Juni 2020 an der Universität der Bundeswehr München an der Beförderung von Studierenden zum Leutnant und Leutnant zur See teil. Bei ihrem Besuch informierte die Ministerin auch Universitätspräsidentin Merith Niehuss persönlich über das neue Projekt „Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr“.
(Foto: Christian Siebold/Universität der Bundeswehr München)

Kleines Beitragsbild: Eingangsbereich der Bundeswehr-Universität in Neubiberg. Die Aufnahme stammt vom 9. Juni 2017.
(Foto: Universität der Bundeswehr München)


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