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Berlin/Mazar-e Sharif. Das Verteidigungsministerium arbeitet an einem Szenario für einen Komplettabzug der Bundeswehr aus Afghanistan binnen weniger Monate. Dies bestätigte der sicherheitspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Tobias Lindner. Der Parlamentarier sagte der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post und dem Bonner General-Anzeiger (Freitagsausgaben), es würden nach dem angekündigten US-Truppenabzug vom Hindukusch im Hause von Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer derzeit mehrere Szenarien für einen Abzug durchgespielt.

Die beiden Tageszeitungen zitieren Lindner mit den Worten: „Dass das deutsche Verteidigungsministerium nun verschiedene Szenarien für einen Abzug der Bundeswehr ausplant – darunter auch einen Abzug in weniger als vier Monaten – ist nun zwingend notwendig, auch und gerade zum Schutz der deutschen Kräfte.“

Ein Ministeriumssprecher bestätigte beiden Zeitungen, dass man an einem solchen Plan – auch für einen vollständigen Abzug binnen vier Monaten – arbeite. Dafür habe man allerdings auch schon vor der Ankündigung von Präsident Donald Trump, das US-Kontingent deutlich zu verkleinern, geplant. Am Ende folge die Bundeswehr aber der politischen Entscheidung.

Rund einhundert deutsche Logistiker bereits vor Ort

Nach Angaben des Sprechers sollen bis zu 150 Logistiker der Rückverlege- und Verwertungsorganisation der Bundeswehr im nordafghanischen Mazar-e Sharif den Abzug vorbereiten, organisieren und begleiten. 100 Logistiker seien dazu bereits im Land. Dabei gehe es auch darum, welches Material zurück nach Deutschland geflogen, welches Gerät eventuell den Afghanen überlassen und welche eigenen Waffen oder Fahrzeuge im Einsatzland womöglich „unbrauchbar“ gemacht werden müssten.

Der Sicherheitsexperte der Grünen sagte der Rheinischen Post und dem General-Anzeiger: „Dass der Afghanistaneinsatz sich dem Ende zuneigt, ist schon seit Monaten kein Geheimnis. Die Frage ist nicht, ob der Einsatz endet, sondern wann und unter welchen Rahmenbedingungen.“ Dies betreffe sowohl die Bedingungen, unter denen die Bundeswehr abziehe, als auch die politische Perspektive für Afghanistan selbst, so Lindner.


Unser Bild vom 29. Mai 2010: Kettenfahrzeug der Bundeswehr im Camp Marmal, dem Feldlager nahe Mazar-e Sharif in Nordafghanistan.
(Foto: Daniel Stevenson/damaliges ISAF Regional Command North)

Kleines Beitragsbild: Unsere Symbolaufnahme, entstanden am 4. Juli 2011 zur Zeit des ISAF-Einsatzes (ISAF = International Security Assistance Force), zeigt eine deutsche Patrouille in der Nähe des Stützpunktes Camp Marmal.
(Foto: Jonathan David Chandler/damaliges ISAF Regional Command North)


Kommentare

  1. Dr.-Ing. U.Hensgen | 23. November 2020 um 14:43

    Egal, wie man zu dem Abzug steht – Afghanistan hatte 20 Jahre lang Zeit, ein funktionierendes Gemeinwesen zu errichten.

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