menu +

Nachrichten


Berlin. Hat die Bundeswehr genügend Munition? Diese Frage ist und bleibt aktuell. Schon vor einigen Jahren hatte das Magazin Focus gewarnt, der Bundeswehr gehe die Munition für Handfeuerwaffen aus und Lieferengpässe könnten – auch wenn der Haushaltsausschuss für die Beschaffung mehr Geld bewillige – das Problem nicht über Nacht beheben. Erst im Herbst vergangenen Jahres hatte die Süddeutsche Zeitung den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zitiert, der eine bessere Ausstattung der Streitkräfte forderte und in diesem Zusammenhang behauptete, die Truppe „habe nach Schätzung vieler Experten nur für einen Tag Munition“, sollte aber „eine Reserve von mindestens einen Monat haben“. Jetzt erkundigte sich die AfD bei der Bundesregierung nach den Munitionsreserven. Die Beantwortung dieser Kleinen Anfrage fällt allerding mit Hinweis auf die „Geheimhaltungsbedürftigkeit“ der Angaben „zu Kampfbeladungen der Waffensysteme“ überschaubar aus. Dennoch enthält die Regierungsantwort einige aufschlussreiche Informationen …

Rüdiger Lucassen, Jan Nolte und Gerold Otten wiesen in ihrer Kleinen Anfrage vom 18. Dezember vergangenen Jahres eingangs darauf hin, dass die Munitionsreserven der Bundeswehr „seit Jahren als unzureichend bewertet“ werden. In diesem Zusammenhang wollten die Abgeordneten wissen, wie beispielsweise die Bemerkung von Ministerpräsident Söder hinsichtlich der „Durchhaltefähigkeit von lediglich einem Tag“ zu werten sei.

Die Bundesregierung erklärte dazu am 7. Februar: „Die Berechnung nach ,Kampftagen‘ und das Anlegen eines, wie durch Ministerpräsident Dr. Söder geforderten 30-Tage-Vorrates wird bei der Berechnung von Bevorratungshöhen grundsätzlich nicht mehr angewandt.“ Die Berechnung der Bevorratungshöhe erfolge auf Ebene der Streitkräfte und im Wesentlichen nach NATO-Standards, so die Regierung weiter. Für jedes Waffensystem sei dabei eine generisch festgelegte Bevorratungshöhe ermittelt worden – zusätzlich der Munitionsmengen für Dauereinsatzaufgaben, Ausbildung und Übungen, Einsätze, Missionen und einsatzgleiche Verpflichtungen.

Trendwende „Material“ gilt auch den Bereich der Munitionsbevorratung

Mit Verweis auf die im Grundlagendokument „Weißbuch 2016“ festgeschriebene Gleichrangigkeit von Landes- und Bündnisverteidigung und die damit verbundenen Einsatzvorbereitungen schreibt die Bundesregierung danach: „Die hierzu eingeleitete Trendwende ,Material‘ umfasst auch den Bereich der Munitionsbevorratung. Hierzu wurde ein entsprechendes Konzept ,Munitionsbevorratung Streitkräfte‘ erarbeitet. Ziel ist es, die Munitionsbevorratung schrittweise an den Aufgaben der Bundeswehr sowie an den an sie gestellten Anforderungen auszurichten und die Bevorratung für alle Munitionsarten/-sorten stufenweise an die von der NATO vorgegebene Mindestbevorratung für [die Landes- und für die Bündnisverteidigung] anzugleichen.“

Laut Regierung ist eine Mindestbevorratung bei der Munitionsreserve der deutschen Streitkräfte durch NATO-Vorgaben definiert. Auf die Frage der Abgeordneten, um welche konkreten NATO-Vorgaben es sich in Bezug auf die Bevorratung von Munition handele, führte die Regierung (auch an die Adresse der Experten unter unseren Lesern) aus: „Vorgaben beziehungsweise Empfehlungen der NATO sind für ,Battle Decisive Munition‘ (BDM) in den NATO Minimum Capability Requirements 2016 (MCR 2016) –Einstufung: NATO-Confidential –, der NATO Logistics Readiness and Sustainability Policy sowie den munitionsrelevanten NATO-Planungszielen geregelt.“ Und weiter: „Die Vorgaben der NATO MCR 2016 für BDM sind szenarbasiert mathematisch abgeleitet. Im Ergebnis werden mit der MCR 2016 plattformspezifische Koeffizienten vorgegeben. Im Verhältnis zur Anzahl der geforderten Waffensysteme werden damit einheitlich zu verwendende Berechnungsparameter für die Ermittlung der Quantitäten einzelner Systeme vorgegeben.“

Im Einzelfall könnten außerdem munitionsrelevante NATO-Planungsziele qualitative Vorgaben enthalten, so die Bundesregierung ergänzend. Bei Munitionssorten, die nicht als BDM kategorisiert seien, gebe die NATO logistische Reichweiten auf Basis zu bevorratender Tagesverbräuche vor. Die Höhe dabei ergebe sich aus berechneten Standardgefechtstagen durch die Verwendung eines waffen- oder plattformspezifischen Munitionssatzes, der Anzahl der geforderten Waffen(-systeme) und eines festgelegten Intensitätsfaktors.

Bevorratungsbedarfe Munition bis 2023 „im Wesentlichen“ sichergestellt

Die Bundesregierung machte in ihrer Antwort auch darauf aufmerksam, dass neben den waffensystembezogenen Vorgaben auch die Vorgaben zum stufenweisen Aufwuchs des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr (ein Aufwuchs, der mit Zwischenzielen in den Jahren 2023 und 2027 schließlich im Jahr 2031 im Wesentlichen abgeschlossen sein soll) und die im Rahmen des NATO Defense Planning Process (NDDP) durch Deutschland akzeptierten Planungsziele zu berücksichtigen seien. Die sich daraus ergebenden Bevorratungsbedarfe Munition für den Zeitraum bis 2023 seien im Wesentlichen sichergestellt und der weitere Aufwuchs der erforderlichen Bevorratungshöhen bis 2031 planerisch festgehalten.

Nach Haushaltsmitteln verteilen sich die Munitionsbeschaffungen der Bundeswehr laut Bundesregierung im Jahr 2019 wertmäßig zu etwa 45,3 Prozent auf Hersteller aus Deutschland, zu 6,5 Prozent auf Hersteller aus anderen europäischen Staaten sowie zu 48,2 Prozent auf Hersteller aus außereuropäischen Staaten.

2018 bezog die Bundeswehr vor allem Munition aus heimischer Produktion, aus Großbritannien, Norwegen, Österreich, der Schweiz, Kanada und den USA. Für das Jahr 2018 liegt uns auch eine interessante Zahl aus einer früheren Befragung vor. Auf die Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zum Thema „Bundeswehr-Munition“ hatte die Regierung am 4. September 2018 mitgeteilt, dass die deutschen Streitkräfte „nach dem aktuellen Versorgungsartikelkatalog ,Munition‘ (Stand Juli 2018) insgesamt 1565 unterschiedliche Munitionsartikel“ bewirtschaften.


Unsere Produktbilder von Diehl Defence zeigen die von dem Rüstungsunternehmen entwickelte Munition vom Kaliber 40 mm zur Bekämpfung infanteristischer Ziele. Die Gefechtspatronen sind gedacht für den Einsatz in Handfeuerwaffen und automatischen Granatwerfern.
(Bilder: Diehl Defence)


Kommentare

  1. Edgar Lefgrün | 1. März 2020 um 11:03

    Keine Strategie, kein Plan, kein Vorrat übersteht den ersten Kampftag …

Kommentieren

Bitte beantworten Sie die Frage. Dies ist ein Schutz der Seite vor ungewollten Spam-Beiträgen. Vielen Dank *

OBEN