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Augsburg. Rechtsherum – zu! Linksherum – auf! Mehr muss man über Schrauben nicht wissen! Selbst erfahrene Facharbeiter, Techniker und Konstrukteure verharren oftmals in diesem riskanten Irrglauben und kostentreibenden Unwissen. Weiterbildung tut not. Das verlangt auch die Richtlinie VDI/VDE-MT 2637. Qualifizierungsmaßnahmen gemäß dieser Richtlinie beziehungsweise der europäischen Norm DIN EN 1591-4 („Qualifizierung der Befähigung von Personal zur Montage von Schraubenverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen im kritischen Einsatz“) bietet die Augsburger „Akademie der Schraubverbindung“, kurz AdSV. Die Einrichtung – eine Marke der Barbarino & Kilp GmbH – hat praxisbezogene und individuelle Seminare im Bildungsangebot.

Zu den Seminar- und Schulungsteilnehmern der Augsburger Akademie gehören immer wieder auch Fachkräfte der Bundeswehr oder deren Partnerbetriebe – wie etwa die HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH mit ihren drei Instandsetzungswerken in Darmstadt, Doberlug-Kirchhain und St. Wendel.

Wie weit verbreitet die potenziell gefährlichen Mythen der Verschraubungstechnik in der Arbeitswelt sind, veranschaulicht die komprimierte Gegenüberstellung populärer Dichtung und wissenschaftlich fundierter Wahrheit über Schraubverbindungen. Ein Beitrag der AdSV …


Der Mythos: Je größer die Schraube, desto fester und besser die Verbindung

Die Realität: Viele Standard-Schraubverbindungen werden teilweise mit nur 50 Prozent oder weniger ihrer Streckgrenze montiert. Montageverfahren – wie beispielsweise das Drehmoment-Drehwinkelverfahren oder das streckgrenzgesteuerte Verfahren – ermöglichen hohe Vorspannkräfte mit sehr guter Präzision. Die Auslastung der Schraube erreicht fast optimale 100 Prozent. Der große Vorteil: Schraubverbindungen können kleiner dimensioniert werden. Das spart Platz, Geld, Energie und schont die Umwelt, denn weniger Material bedeutet auch weniger Gewicht. Zusätzlich erhöht eine korrekt dimensionierte Schraubverbindung die Sicherheit.


Der Mythos: Gleiches Drehmoment garantiert gleich feste Schraubverbindungen

Die Realität: Schrauben werden auf Vorspannkraft berechnet. Für die Berechnung sind beispielsweise Schraubenwerkstoff, Durchmesser, Steigung und Reibung wichtig. Das Drehmoment ist hier nur das Mittel zum Zweck. Die ausschlaggebende Bedingung ist in der Praxis die Reibung. Weicht die Reibung in der Realität etwa durch Rost oder Schmierstoffe vom berechneten Reibungskoeffizienten ab, resultieren große Unterschiede der Vorspannkraft in der Schraube trotz gleichen Drehmoments beim Anziehen.


Der Mythos: Schrauben und Muttern können immer mehrmals verwendet werden

Die Realität: Ausgebaute Schraubverbindungen kann der Monteur nur optisch oder mechanisch (Mutter auf den Schraubenbolzen drehen) überprüfen. Ob diese bereits im überelastischen Bereich waren, lässt sich auf diese Weise nicht beurteilen. Auch Oberflächenrauigkeiten in den Gewindeflanken, feine Risse oder Materialermüdung sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Vor der Überprüfung einer Schraubverbindung muss sie penibel gereinigt werden. Alle Rückstände des alten Schmierstoffes, Farbe oder Korrosion müssen professionell entfernt werden und das nicht nur beim Schraubenbolzen, sondern auch in der Mutter. Dies gelingt in der Praxis oftmals nicht, da Reinigungswerkzeuge meist nicht vorhanden sind oder nur aus einer Drahtbürste, Reinigungstüchern und Lösungsmitteln bestehen.


Der Mythos: Gut geölt schraubt es sich besser als trocken

Die Realität: Öl ist als Schraubenschmierstoff bei großen Schrauben oder geringer Montagedrehzahl oftmals ungeeignet. Der Grund dafür liegt in der Mechanik. Die hohen Flächenlasten beim Verschraubungsprozess verdrängen das Öl aus der Schmierstelle. Durch die fehlende Relativgeschwindigkeit können die Reibpartner nicht auf dem Ölfilm aufgleiten und die Schmierleistung ist nicht gegeben. Eine Erhöhung der Reibung und die punktuelle Überlastung des Schraubenwerkstoffes sind die Folge von fehlerhaften Schmiersystemen. Das Versagen der Verbindung – speziell bei Edelstahl oder höher vergüteten Werkstoffen – ist oft das Endresultat. Heutzutage stehen leistungsfähige Festschmierstoffsysteme zur Verfügung, die in Form von Pasten oder Gleitlackierungen an der Schmierstelle appliziert werden. Sie gewährleisten eine zuverlässige Trennung der beiden Reibpartner in jedem Belastungsbereich von Schraubprozessen. Sie sind für den Mischreibungsbereich konzipiert und sind bis zur Fließgrenze von Stahl belastbar.


Der Mythos: Das Lösen von Schraubverbindungen ist simpel – oft hilft mehr Drehmoment

Die Realität: Das fachgerechte Lösen von Schrauben ist nicht einfach, das richtige Werkzeug muss vorhanden sein. Auch die Demontagereihenfolge ist entscheidend, gerade wenn Schrauben wiederverwendet werden sollen. Löst der Monteur beispielsweise an einer Flanschverbindung die Schrauben im Uhrzeigersinn komplett, so bewirkt die elastische Rückstellung der beiden Flanschhälften, dass die letzten Schrauben nicht mehr gelöst werden können. Das belastet die Schraube unnötig und zerstört die Gewinde sowie die Auflageflächen. Ein Aufrauen der Gewindegänge bis hin zum Festfressen ist die Folge. Diese Beschädigungen führen dann wiederum zu fehlerhaften Ergebnissen bei der Montage.

Alle AdSV-Zertifikate sind international anerkannt

Die „Akademie der Schraubverbindungen“ – Zentrum für Know-how in digitaler Verschraubungstechnik – liegt günstig in Augsburg, mitten im geschäftigen Herzen der Maschinenbau-Metropolregion München-Augsburg-Ingolstadt. Träger der Akademie ist die Barbarino & Kilp GmbH, deren Unternehmensbereich „HYTORC“ innerhalb der Bundeswehr keine Unbekannte ist: Die HYTORC-Werkzeuge für drehmomentgesteuerte, vorspannkraftgenaue Verschraubungstechnik werden beispielsweise bei der HIL eingesetzt.

Die AdSV bietet Qualifizierungsmaßnahmen gemäß VDI/VDE-MT 2637 und DIN EN 1591-4 sowie ein breites Angebot an individuellen, praxisbezogenen Seminaren in digitaler Verschraubungstechnik. Als zertifizierter Lerndienstleister nach DIN ISO 29990 („Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung – grundlegende Anforderungen an Dienstleister“) besitzen alle Zertifikate der Akademie international anerkannte Gültigkeit.


Zu unserem Bild: Symbolaufnahme „Schrauben und Schraubverbindungen“ – in der „Akademie der Schraubverbindungen“ in Augsburg dreht sich alles nur um dieses Technik-Thema.
(Fotos: Brand+Image)

Kleines Beitragsbild: Logo und Schriftzug der „Akademie der Schraubverbindungen“.
(Foto: Brand+Image)

 


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