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Hannover/Berlin. Die Bundeswehr wird zum 1. Oktober 2020 einen neuen Bischof für die evangelische Seelsorge unter Soldaten erhalten. Nachfolger des jetzigen Amtsinhabers Sigurd Rink soll der 54-jährige Bernhard Felmberg werden. Der Theologe ist Abteilungsleiter im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Wie es in einer Presseerklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom Donnerstag (26. März) heißt, haben „Rat und Kirchenkonferenz der EKD im Einvernehmen mit der Bundesregierung“ Felmberg zum Nachfolger Rinks ernannt. Die Berufung erfolgt zunächst für sechs Jahre.

Anlässlich dieser Personalentscheidung sagte der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: „Ich freue mich, dass wir mit Bernhard Felmberg einen Theologen für das Amt des Bischofs für die Seelsorge in der Bundeswehr gewinnen konnten, der in der Spur der friedensethischen Äußerungen der EKD bleibt, biblisch gegründete Positionen vertritt und zudem reiche theologische Leitungserfahrungen mitbringt. Die Entscheidung für Bernhard Felmberg haben wir in dem Bewusstsein darüber getroffen, dass es auch Brüche in seiner Biografie gegeben hat.“

Felmberg war vor seiner Zeit im Entwicklungsministerium lange Jahre Oberkonsistorialrat in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und Prälat der Evangelischen Kirche in Berlin und Brüssel gewesen. (Anm.: In manchen evangelischen Landeskirchen Deutschlands bezeichnet „Konsistorium“ die kirchliche Verwaltungsbehörde. Konsistorien bestehen aus Theologen und Juristen. Das Konsistorium bereitet beispielsweise Beschlüsse der Kirchenleitung vor, führt die laufenden Geschäfte der Landeskirche, ist für die Rechtsaufsicht über Gemeinden und Kirchenkreise zuständig und unterstützt alle kirchlichen Bereiche bei der Aufgabenerfüllung. Die Beschlüsse des Konsistoriums werden von einem Kollegium gefällt. Die Kollegiumsmitglieder tragen den Titel „Konsistorialrat“ beziehungsweise „Oberkonsistorialrat“.)

Amtsvorgänger wechselt ins Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung

Ratsvorsitzender Bedford-Strohm wird in der Presseerklärung weiter zitiert: „Ich wünsche Bernhard Felmberg persönlich und im Namen des Rates der EKD von Herzen Gottes Segen für sein neues Amt und freue mich auf die Zusammenarbeit!“

Dem aktuellen Amtsinhaber Sigurd Rink dankte der Ratsvorsitzende „für seine intensive Arbeit in der Seelsorge“. Bedford-Strohm wies in seinem Pressestatement darauf hin, dass Rink „unmittelbar nach seinem turnusgemäßen Ausscheiden eine interessante Aufgabe im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE) übernehmen“ werde.

Positionen der evangelischen Friedensethik in die Gesellschaft tragen

Mit Felmberg wird das Bischofsamt in der Bundeswehr zum zweiten Mal hauptamtlich versehen. Dazu der EKD-Ratsvorsitzende: „In den vergangenen Jahren ist deutlich geworden, dass die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr eine klare Leitungsstruktur und eine gute Kooperation mit dem Bundesministerium der Verteidigung braucht. Es gilt, notwendige Klärungen herbeizuführen und Zuständigkeiten einvernehmlich zu definieren.“

Die Evangelische Militärseelsorge findet auf der Grundlage des im Jahr 1957 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der EKD geschlossenen Militärseelsorgevertrages statt. Das deutsche Modell zeichnet sich dadurch aus, dass die Seelsorge als Teil der kirchlichen Arbeit und unter Aufsicht der Kirche ausgeübt wird und der Staat für den organisatorischen Aufbau sorgt und die Kosten trägt.

Die bisherigen Evangelischen Militärbischöfe für die Bundeswehr waren: Hermann Kunst (1956 bis 1972), Sigo Lehming (1972 bis 1985), Heinz-Georg Binder (1985 bis 1994), Hartmut Löwe (1994 bis 2003), Peter Krug (2003 bis 2008), Martin Dutzmann (2008 bis 2014) und Sigurd Rink (2014 bis 2020).

Der neu ernannte Seelsorgebischof sagte anlässlich seiner Berufung: „Das mir anvertraute Amt verstehe ich als Dienst an Soldaten und Soldatinnen mit ihren Familien, die ethisch und situativ höchste Verantwortung tragen.“ Er wolle zuerst seelsorgerlich wirken und gleichzeitig den größer gewordenen Anforderungen an die Seelsorge gerecht werden, so Felmberg. Es gelte, die Positionen der evangelischen Friedensethik in die Gesellschaft einzutragen. „Wir wollen unseren Teil zum gerechten Frieden beitragen“, versprach der künftige Evangelische Militärbischof der Bundeswehr.

Kritiker erinnert an eine „Amtspflichtverletzung“ aus dem Jahr 2013

Dass Bernhard Felmbergs Wirken im neuen Amt – in der „Kirche unter Soldaten“ – besonders kritisch gesehen werden könnte, deutete bereits ein am Mittwoch (25. März) in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienener Beitrag von Wolfgang Thielmann an. Denn wo die Pressemitteilung der EKD fast beiläufig nur von „Brüchen in der Biografie von Felmberg“ spricht, kartete Thielmann jetzt erbarmungslos nach und machte bereits in der Überschrift deutlich, wie sein Gesamturteil zu dieser Wahl am Ende ausfallen würde. Die Berufung Felmbergs zum neuen Evangelischen Militärbischof bezeichnete er als „Fragwürdige Personalie“.

Der Theologe und freie Journalist, der unter anderem von 1999 bis 2010 Leiter des Ressorts „Christ und Welt“ beim Rheinischen Merkur und danach bis 2016 Redakteur für Kirchenthemen bei der ZEIT war, fragte in seinem Beitrag: „Kann ein Kirchenmann, der ein Disziplinarverfahren auf sich gezogen hat, Bischof werden? Soll ein vorbelasteter Geistlicher eins der wichtigsten Bischofsämter bekommen, das die Evangelische Kirche zu vergeben hat?“ Dem Leser präsentiert der Journalist dann als Antwort einen mittlerweile sieben Jahren alten Fall, den die BILD-Zeitung im Frühjahr 2013 als „Schmutz“ bezeichnet und – mit Verweis auf das sechste Gebot („Du sollst nicht ehebrechen!“) – einige Tage lang genüsslich ausschlachtet hatte. Die Kombination „Seelsorger und pikante Affäre“ war schon immer gut für die Auflage …

ZEIT-Mitarbeiter Thielmann zweifelt seit dieser Zeit an gewissen Charaktereigenschaften des designierten Militärbischofs. Das liest sich dann so: „2013 […] musste [Felmberg] einen Karriereknick in Kauf nehmen, der ihn sein kirchliches Amt kostete. Die evangelische Kirche strengte ein Disziplinarverfahren gegen ihren Berliner Repräsentanten wegen ,Fragen der Lebensführung‘ an. Der Prälat, der von seiner Frau getrennt lebte, stand im Verdacht, Liebesbeziehungen zu mindestens zwei Mitarbeiterinnen gleichzeitig zu haben. Es war eine Frage der Zeit, bis die Affären auch an die Öffentlichkeit gedrungen wären. In der Führung der Kirche, unter Journalisten, im politischen Berlin waren sie ein offenes Geheimnis.“

Der Theologe Thielmann über den Theologen Felmberg weiter: „Das persönliche Liebesleben einer Pfarrperson ist keine bloß moralische Frage. ,Pfarrerinnen und Pfarrer haben – wie alle Christinnen und Christen – ihre private Lebensführung so zu gestalten, dass ihr Zeugnis des Evangeliums nicht unglaubwürdig wird‘, heißt es in Paragraf 39 des Pfarrdienstgesetzes der evangelischen Kirche. Verstöße gegen die ,Dienstpflicht zu einem Zusammenleben in Verbindlichkeit, insbesondere außereheliche Beziehungen, können daher auch eine Amtspflichtverletzung darstellen.‘“

Über Ansehen des Amtes, Glaubwürdigkeit der Person und die Vergebung

Dass Thielmann hier falsch zitiert (die Passage über die private Lebensführung steht so nicht im Paragrafen 39 des EKD-Pfarrdienstgesetzes, sondern in der nichtamtlichen ergänzenden Begründung), ist unerheblich. Unangenehm fällt auf, mit welcher Verbissenheit der Autor des Beitrags „Fragwürdige Personalie“ der Reputation Felmbergs zusetzt. Verdient nicht jeder eine ehrliche zweite Chance?

Wer Thielmanns ZEIT-Beitrag liest, der lernt ein Stück über gnadenlose Vorverurteilung kennen. Wie nur kann man den Kritiker beschwichtigen, der insistiert: „Soll Felmberg wieder in kirchliche Dienste zurückkommen? Ist es klug, ihn an die Spitze der Kirche zu berufen? Kann er ein guter evangelischer Seelsorger der mehr als 260.000 Bundeswehrangehörige werden? Bei ihnen stehen Beziehungsprobleme wegen der oft langen Abwesenheiten an vorderster Stelle ihrer persönlichen Fragen. Was kann er ihnen antworten?“

Wolfgang Thielmann versichert am Schluss seines Plädoyers, ihm gehe es nicht darum, einem Kirchenmann einen Fehltritt nachzutragen. Nein! Ihm gehe es um eines der politisch wichtigsten Bischofsämter in Deutschland – und um Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit! Wünschen wir diese auch dem „Publizisten und Pastor“ Thielmann (so dessen Selbstdarstellung auf Twitter). Denn: „Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben.“ (Evangelium nach Lukas, Kapitel 6, Vers 37).


Das Bild zeigt Bernhard Felmberg, der am 1. Oktober 2020 sein Amt als neuer Bischof für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr antreten wird.
(Foto: Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland)


Kommentare

  1. Dr.- Ing. U. Hensgen | 31. März 2020 um 06:05

    „Der Prälat, der von seiner Frau getrennt lebte, stand im Verdacht, Liebesbeziehungen …“. Er stand im Verdacht!
    Moralapostel auf diesem Gebiet stehen für mich oft im Verdacht, Heuchler und Neider zu sein.

  2. Markus Lackamp | 1. April 2020 um 11:28

    Bernhard Felmberg kenne ich seit vielen Jahren und schätze ihn als klugen Kopf, tollen Menschen und engagierten Geistlichen. Ja, es gibt da einen Makel in seinem Lebenslauf – aber gerade Christen sollten verzeihen können und nicht nur den Fehler der anderen sehen. Ich bin überzeugt: Bernhard Felmberg wird einen tollen Job machen. Die Soldatinnen und Soldaten können sich auf ihn freuen.

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