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Berlin. Nach der Einsatzbereitschaft der Fahrräder der Bundeswehr erkundigte sich vor Kurzem der FDP-Bundestagsabgeordnete Marcus Faber. Er wollte auch wissen, wie hoch „der Erfüllungsgrad der funktionalen Forderung für das letzte Fahrrad-Beschaffungsprogramm“ der Truppe war. Diese „funktionalen Forderungen“ – ein Forderungskatalog des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) – hatten in der Vergangenheit bereits zu kritischen Pressebeiträgen geführt.

In seiner Antwort an Faber nannte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung Thomas Silberhorn am 16. März folgende Zahlen: „Mit Stand vom 4. März 2021 verfügt die Bundeswehr in Materialverantwortung des BAAINBw über 3240 Fahrräder. 2892 Fahrräder davon wurden im Regelbeschaffungsverfahren beschafft. Die übrigen 348 Fahrräder wurden durch unterschiedliche Dienststellen dezentral beschafft.“

Von den im Regelverfahren beschafften 2892 Fahrrädern seien 2683 einsatzbereit. Dies entspreche einer Einsatzbereitschaft von rund 93 Prozent (mit dem Thema „Dienstfahrräder der Bundeswehr“ hatten wir uns schon einmal befasst – siehe hier).

Forderungskatalog mit 60 akribischen Punkten

Im Mai 2019 befassten sich die Tageszeitung DIE WELT, das Magazin FOCUS und andere Medien mit einer Fahrrad-Bestellung des Koblenzer Beschaffungsamtes. So berichtete FOCUS über die Anforderungen, die das BAAINBw an die Lieferung von 500 neuen Dienstfahrrädern stellte: „Insgesamt umfasst der Forderungskatalog 60 Punkte – einer akribischer als der andere: So muss der Klingelton ,helltönend sein‘, die Farbe matt-schwarz und außerdem ,ofengetrocknet‘, die ,Lenkergriffe Gummi schwarz mit ausgeprägten Fingernoppen‘.“ Firmen, die sich damals um den Auftrag bewarben, mussten im Ausschreibungsverfahren bestätigen, dass „die 28-Zoll-Fahrräder mit mindestens 3-Gang-Nabenschaltung 120 Kilo Nutzlast (Fahrer und Gepäck) transportieren können“.

In seinem Beitrag „Die Bundeswehr ist bei ihren Fahrrädern im Regulierungswahn“ schrieb Wirtschaftsredakteur Gerhard Hegmann vor gut zwei Jahren in der WELT: „Die Truppe bekommt Hunderte weitere Fahrräder. Ins Gefecht sollen die Soldaten damit zwar nicht ziehen, trotzdem schreibt der Bund zum Teil irrsinnige Anforderungen vor – bis zum Geräusch der Fahrradklingel.“ Auf sieben Seiten sei „alles haarklein“ aufgelistet, so Hegmann. Vom Klingelton über die Speichenstärke („mindestens 2 Millimeter“) bis hin zum Tourensattel („gefedert“). Auch er erfuhr damals von der Bundeswehr, dass man „seit mehr als zehn Jahren“ keine Herrenfahrräder mehr bestellen würde – sondern nur noch Unisex-Fahrräder, also für Soldaten und Soldatinnen.

„Alle funktionalen Forderungen der Leistungsbeschreibung erfüllt“

Wie Bundestagsabgeordneter Faber nun in Erfahrung bringen konnte, wurden „bei der letzten Beschaffung alle funktionalen Forderungen der Leistungsbeschreibung erfüllt“.

Staatssekretär Silberhorn teilte ihm außerdem mit: „Zusätzlich werden im Organisationsbereich ,Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen‘ derzeit 3053 Fahrräder als Liegenschaftsmaterial bewirtschaftet. Die Beschaffung erfolgte direkt durch das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw). Alle Fahrräder sind einsatzbereit. Bei notwendigem Bedarf werden sie ersetzt.“


Unser Bild zeigt die Auslieferung der Feldpost mit dem Bundeswehr-Dienstfahrrad. Der Schnappschuss entstand auf der Inçirlik Air Base in der Türkei. Dort war bis zum Umzug nach Jordanien im Sommer 2017 das deutsche Einsatzkontingent „Operation Inherent Resolve“ stationiert, das sich mit Tornado-Aufklärern und dem A310 MRTT für die Luftbetankung am Kampf der internationalen Koalition gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ beteiligte.
(Foto: Falk Bärwald/Bundeswehr)


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