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Berlin. Durchschnittlich durch alle militärischen Dienstgradgruppen sind derzeit 80,5 Prozent aller Dienstposten in der Bundeswehr besetzt. Dies teilte die Bundesregierung am 30. Juli in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion mit. Die Abgeordneten Berengar Elsner von Gronow, Rüdiger Lucassen und Gerold Otten hatten sich detailliert nach der „Personalsituation in den Organisationsbereichen der Bundeswehr, im Bundesministerium der Verteidigung sowie im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr“ erkundigt. Aus der Regierungsantwort geht hervor, dass der höchste Besetzungsgrad bei den Generälen mit 96,4 Prozent erreicht ist, der niedrigste bei den Unteroffizieren mit 78 Prozent. Bei den Mannschaftsdienstgraden seien die Dienstposten nur zu 82,5 Prozent besetzt, so die Bundesregierung.

Der Bundeswehr fehlen vor allem Unteroffiziere in den Organisationsbereichen Cyber- und Informationsraum, beim Heer, bei der Luftwaffe und beim Zentralen Sanitätsdienst. Während im Bereich „Oberstabsfeldwebel/Oberstabsbootsmann“ (A9MZ) der Gesamtbesetzungsgrad in den Organisationsbereichen für 2018 mit 92,8 Prozent als zufriedenstellend bewertet werden kann, gelten die Sorgen der Personalplaner vor allem den Personalebenen bei den Unteroffizieren darunter.

Die Ebene „Feldwebel/Bootsmann bis Stabsfeldwebel/Stabsbootsmann“ (A7 bis A9M) weist lediglich einen Dienstposten-Gesamtbesetzungsgrad im Bereich aller Organisationsbereiche für 2018 von 79,2 Prozent auf. Noch dünner sieht es auf der Ebene „Unteroffizier/Maat bis Stabsunteroffizier/Obermaat“ (A5 bis A7) aus – hier sind gerade einmal 71,8 Prozent aller hier zur Verfügung stehenden Dienstposten in den Bundeswehr-Organisationsbereichen für 2018 besetzt. Händeringend wird Personal gesucht.

Für die Summe aller militärischen Dienstposten „Unteroffiziere“ in den Organisationsbereich der Truppe ergibt sich für das Jahr 2018 folgendes Bild: BMVg 94,5 Prozent besetzt (nachgeordneter Bereich des Ministeriums 83,2 Prozent); Heer 76,2 Prozent; Luftwaffe 78,1 Prozent; Marine 82,0 Prozent; Streitkräftebasis 82,8 Prozent; Cyber- und Informationsraum 68,2 Prozent; Zentraler Sanitätsdienst 78,2 Prozent; Bundesamt für das Personalwesen der Bundeswehr 91,7 Prozent.

Nach 25 Jahren des Schrumpfens nun wieder ein personeller Zuwachs

Die Bundesregierung sieht die aktuelle Personalentwicklung der deutschen Streitkräfte positiv. Seit der Einleitung der sogenannten „Trendwende Personal“ Mitte 2016 wachse die Bundeswehr nach einem 25-jährigen Zeitraum des Abbaus nunmehr wieder auf, heißt es in der Regierungsantwort. Der Bestand an Berufssoldaten (Anm.: siehe auch unseren Text unter RANDNOTIZ) sowie Soldaten auf Zeit sei bis Ende 2017 bereits um rund 4000 Kräfte gewachsen.

Zudem habe ein Paradigmenwechsel stattgefunden, schreibt die Bundesregierung, bei dem es zu einer Abkehr von den in der Vergangenheit geltenden starren personellen Obergrenzen gekommen sei. Nun gehe es um einen „atmenden“ und kontinuierlich anpassungsfähigen Personalkörper, der zukünftig für die Erfüllung der Aufgaben“ zur Verfügung stehe.

Bis zum Jahr 2024 werden insgesamt 13.000 zusätzliche Soldaten gesucht

Wie die Regierung in ihrer Antwort weiter darlegt, ist „die Realisierung der beschlossenen Maßnahmen derzeit bis in das Jahr 2024 ausgeplant und wird durch den Prozess der Mittelfristigen Personalplanung (MPP) jährlich überprüft und den aktuellen Anforderungen angepasst“. Und: „Bis 2024 wird ein Aufwuchs gegenüber der alten personellen Zielstruktur um 13.000 Soldaten von ehemals 185.000 auf insgesamt 198.000 (inklusive 12.500 Freiwilligen Wehrdienst Leistende und 3500 Reservedienst Leistende) angestrebt.“

Nach Regierungsangaben hat die zur Beantwortung der Kleinen Anfrage durchgeführte Erhebung des militärischen Personalbestands der Bundeswehr ergeben, dass in unseren Streitkräften (zum Stichtag 30. Juni) insgesamt 170.394 Berufs- und Zeitsoldaten dienen. Hinzu kommen zum gleichen Stichtag 8510 Freiwilligen Wehrdienst Leistende. Dies bedeutet letztendlich einen Bundeswehr-Gesamtumfang von aktuell 178.904 Soldaten, darunter 21.310 Frauen. Strukturell wurden zudem die Möglichkeiten für eine Heranziehung von bis zu 3500 Reservisten jährlich geschaffen.

In der Antwort findet sich auch die Information: „In der militärischen Soll-Organisation (SollOrg) der Bundeswehr – ohne die Organisationsbereiche „Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung“ (AIN), „Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen“ (IUD) sowie Teilen des Organisationsbereiches „Personal“ (Pers) – sind zum Stichtag 30. Juni 2018 insgesamt rund 153.300 Dienstposten ausgebracht. […] Auch in den zivilen Organisationsbereichen (AIN, IUD und Pers) sind rund 3500 militärische Dienstposten strukturell ausgebracht.“


Randnotiz                                  

Die meisten Leser unserer Beiträge werden es längst gemerkt haben: Wir verweigern uns dem Genderunsinn und bleiben bei altbewährten Schreibweisen. Wir meinen Männer und Frauen, wenn wir – es lebe das generische Maskulinum! – beispielsweise von „Berufssoldat“ oder „Soldat auf Zeit“ oder „Reservist“ sprechen. Denn wie zürnte einmal Professor Ulrich Kutschera, der bekannte Kasseler Evolutionsbiologe und Physiologe („Es gibt nur zwei Geschlechter!“): „Selbsternannte Gut-Frauen, die mit ihrer Femininität psychologische Probleme haben, bemühen sich, der Menschheit ihre Gendersprech-Heilslehre zu verabreichen – und das führt zu heftigen Konflikten.“

Leider „gendert“ auch die Bundesregierung mittlerweile fast regelmäßig vor sich hin, wie uns auch die vorliegende Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD zeigt. Da heißt es dann etwa: „Der Bestand an Berufssoldatinnen und Berufssoldaten sowie Soldatinnen und Soldaten auf Zeit …“. Das wollen wir so nicht übernehmen.

Neue Schreibweisen wie das Binnen-I („UnteroffizierInnen“) oder das Gender-Sternchen („Feldwebel*innen“) werden in unseren Beiträgen gewiss nicht vorkommen. Auch einem Gender-Gap („ein_e Pilot_in“ oder „ein*e Kompanieführer*in“), der signalisieren soll, dass das Wort alle Menschen meint – also auch Personen, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zuordnen – werden Sie bei uns nicht begegnen. Es soll ja nicht so enden wie etwa auf ze.tt, dem Onlineangebot der ZEIT-Verlagsgruppe für Jugendliche. Dort war vor Kurzem zu lesen: „Jede*r, der*die schon länger bei uns arbeitet, bemerkt beim Lesen anderer Texte eine Veränderung seines*ihres Leseverhaltens. Nun sind wir keine Wissenschaftler*innen, die das empirisch erforscht hätten, aber Redakteur*innen, die jeden Tag ihr * setzen.“ Eine Realsatire …


Unsere ersten drei Bilder zeigen Unteroffiziersdienstgrade bei Heer, Luftwaffe und Marine. Im Einzelnen:
1. Soldaten des Fallschirmjägerregiments 26 üben gemeinsam mit französischen Fallschirmjägern bei der Übung „Colibri“ den Häuserkampf; die Aufnahme stammt vom 25. September 2016.
(Foto: Gerrit Burow/Bundeswehr)

2. Schießen mit dem Lenkflugkörper AMRAAM am 21. Juni 2018 im schottischen Lossiemouth – Mechaniker vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 Neuburg an der Donau platzieren den Lenkflugkörper am Eurofighter.
(Foto: Jane Schmidt/Bundeswehr)

3. NATO-Übung „Northern Coasts“: Besatzungsmitglieder des Unterseebootes „U34“ im Messevorraum; das Bild wurde am 31. August 2016 gemacht.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr)

4. Das Hintergrundbild unserer Infografik zeigt eine Ausstellungswand im Bundesministerium der Verteidigung zum damaligen „Tag der offenen Tür der Bundesregierung“ am 20. und 21. August 2011.
(Foto: Sebastian Wilke/Bundeswehr; Infografik © Christian Dewitz/mediakompakt 08.18)

Kleines Beitragsbild: Symboldarstellung „Unteroffiziere“ mit einem Produktbild (T-Shirt) des Heidelberger Online-Versandhandels „Feldschmiede“.
(Foto: feldschmiede_shop; Gestaltung: mediakompakt)


Kommentare

  1. Judith Mohn | 16. August 2018 um 18:49

    Zu der Randnotiz kann ich als Frau nur sagen: Gut so! Auch meine Tochter stimmt dem vollumfänglich zu. Sie ist Hauptgefreiter!

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