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Mazar-e Sharif (Afghanistan)/Potsdam/Berlin. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr am gestrigen Samstag (20. Januar) mitteilte, wurden am Donnerstag (18. Januar) zwei deutsche Transporthubschrauber vom Typ CH-53GS auf einem Einsatzflug in Nordafghanistan beschossen. Der Beschuss, vermutlich mit Handwaffen, erfolgte gegen 4:40 Uhr Mitteleuropäischer Zeit.

Der Vorfall ereignete sich laut Potsdamer Kommando etwa 30 Kilometer nordöstlich der Stadt Maimanah, Hauptstadt der Provinz Faryab. Die Piloten reagierten mit Ausweichmanövern und konnten ihren Auftrag im Rahmen der „Resolut Support Mission“ anschließend problemlos fortsetzen.

Dem Einsatzführungskommando zufolge erwiderten die deutschen Soldaten an Bord der Maschinen den Beschuss nicht. Es kam zu keinen Personen- oder Sachschäden.

Nachfolgeentscheidung für die betagte CH-53 rückt näher

Bleiben wir beim Thema „Transporthubschrauber CH-53 in Afghanistan“. Die Lage der schon so lange am Hindukusch eingesetzten Maschinen der Bundeswehr bereitet dem Deutschen Bundeswehr-Verband große Sorgen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Bundesvorsitzende der Interessenvertretung, Oberstleutnant André Wüstner, das Hubschraubergeschwader 64 in Laupheim besucht, wo die betagten, aber grundsätzlich zuverlässigen CH-53 beheimatet sind. Wüstner sprach sich dafür aus, die Hubschrauber aus dem Afghanistaneinsatz herauszunehmen, die Industrie zur zeitgerechten Erfüllung ihrer Wartungsarbeiten zu drängen und umgehend eine Nachfolgeentscheidung für die CH-53 zu treffen (wir hatten uns in der Vergangenheit schon des Öfteren mit der CH-53 befasst – beispielsweise hier oder hier).

Der Bundeswehr-Verband geht davon aus, dass in Folge der zwischen Union und SPD getroffenen Sondierungsvereinbarung und im Falle einer erneuten Großen Koalition künftig in Afghanistan der Bedarf an Lufttransportmittel eher noch zunehmen wird. Denn im Ergebnispapier der Sondierer heißt es auf Seite 26: „Unsere Beteiligung am Mandat [für die „Resolute Support Mission“] in Afghanistan wollen wir bei unverändertem Auftrag fortsetzen. Im Rahmen des multilateral vereinbarten Schutzkonzepts für Nordafghanistan werden wir die Zahl der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten zum Schutz der Ausbilder erhöhen.“ Mehr Personal heißt auch „mehr Lufttransport von A nach B“.

Der Deutsche Bundeswehr-Verband erinnert daran, dass die deutschen CH-53 in der Variante GA nicht einsatztauglich sind. Die Variante CH-53GS sei zwar grundsätzlich einsatztauglich, gehen aber in die Obsoleszenzbeseitigung (bei der Obsoleszenzbeseitigung geht es um den Austausch von Teilen, die zu stark veraltet sind oder für die es keinen Ersatz mehr gibt). Die CH-53GE sei ebenfalls nicht für den Einsatz vorgesehen. Außerdem fehlten Piloten, warnt der Verband.

Bundeswehr will private Transportkapazitäten anmieten

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kennt die Problematik. Sie forciert nun eine Überbrückungslösung, bei der Hubschrauber beziehungsweise entsprechende Transportleistungen angemietet werden sollen. Am 11. Januar hat dazu das Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) die entsprechende Bekanntmachung eines Auftrages veröffentlicht. Beschrieben wird darin die zu erbringende Dienstleistung als „Material- und Personentransport mittels Drehflügler im Einsatzgebiet Afghanistan“.

Der zu vergebende Rahmenvertrag ist laut Bekanntmachung des BAAINBw für die Dauer von zunächst sechs Monaten ausgelegt, mit „eventueller Optionsziehung für eine Gesamtdauer von drei Jahren“. Die zu erbringende Leistung soll auf zwei Lose aufgeteilt werden: Los 1 wird Transportdienstleistungen für die Streitkräfte im Einsatzland Afghanistan umfassen, Los 2 Transportdienstleistungen in Afghanistan für Spezialkräfte.


Das Hintergrundfoto unserer Infografik entstand am 15. April 2010 bei einem Erkundungsflug über Nordafghanistan an Bord eines deutschen Transporthubschraubers CH-53.
(Foto: Jacqueline Faller/Bundeswehr; Infografik © mediakompakt 01.18)

Kleines Beitragsbild: Flug einer deutschen CH-53 über Afghanistan am 4. September 2008.
(Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr)


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