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Stuttgart. Nicht mehr Menschen, sondern Algorithmen und Softwarepakete könnten eines Tages bei militärischen Auseinandersetzungen über Leben und Tod entscheiden. Der Beitrag „Killer-Roboter – dürfen Maschinen töten?“ des deutsch-israelischen Filmautors Uri Schneider fängt Stimmen leidenschaftlicher Gegner und kritischer Befürworter ein und zeigt uns ein moralisches Dilemma mit zahlreichen Facetten. Zu sehen ist die Dokumentation am morgigen Montagabend (25. September) im Ersten.

Beiden Seiten geht es um den Schutz von Zivilisten. Schneider konfrontiert in seinem Film unter anderem die Waffenschmieden der israelischen Rüstungsindustrie, ein Robotiklabor in den USA sowie Anhänger der südkoreanischen Friedensbewegung mit einer ganzen Reihe ethischer Fragen.

Diese hatte auch schon Peter W. Singer gestellt. Der amerikanische Politikwissenschaftler, der für die bekannte Denkfabrik „New America“ (vormals „New America Foundation“) arbeitet, veröffentlichte 2009 das Buch „Wired For War: The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century“. Darin beschreibt und hinterfragt er kritisch den Einsatz und die Weiterentwicklung von unbemannten Militärsystemen. Singer glaubt, dass Killer-Roboter unvermeidlich sind. „Wissenschaft, Kapitalismus und Krieg selbst“ würden dafür sorgen, dass diese Roboter eines Tages auf den Schlachtfeldern stehen.

Uri Schneiders Film „Killer-Roboter – dürfen Maschinen töten?“ wurde übrigens vom Südwestrundfunk (SWR) produziert.

Internationale Ächtung und weltweites Verbot

Frank Sauer, Politikwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in München, warnt seit mehr als zehn Jahren vor Killer-Robotern. „Das grundlegende ethische Problem“, so Sauer, „ist die Frage, ob es nicht die Würde des Menschen verletzt, wenn wir die Tötungsentscheidungen an anonyme Maschinen, an Algorithmen delegieren, und das Töten den Maschinen überlassen.“

Als Sicherheitsexperte berät Sauer die Kampagne „Killer-Roboter stoppen!“ („Campaign to Stop Killer Robots“), die 2013 von Wissenschaftlern, Kirchenvertretern und Menschenrechtsaktivisten ins Leben gerufen wurde. Zu den Unterstützern gehören mittlerweile zahlreiche Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch, das International Committee for Robot Arms Control, Pax Christi (heute PAX) oder die Womens International League for Peace and Freedom. Sie alle fordern von den Vereinten Nationen eine internationale Ächtung und ein Verbot autonomer Waffen, noch ehe die Systeme entwickelt sind und in den Streitkräften eingesetzt werden können.

Roboter-Einsatz zur Vermeidung von Kollateralschäden?

Doch es gibt auch andere Stimmen wie die des Friedensethikers Bernhard Koch. Er arbeitet am Hamburger Institut für Theologie und Frieden (ITHF), einer wissenschaftlichen Forschungseinrichtung der Katholischen Kirche in Trägerschaft der Katholischen Militärseelsorge.

Koch meint, Killer-Roboter könnten sogar Menschenleben schützen, weil sie nahe an ihre Ziele herangingen und somit größere Schäden oder gar Verluste unter der Zivilbevölkerung vermieden. Allerdings sei auch er kein Befürworter autonomer Waffen, erklärte der stellvertretende Direktor des ITHF gegenüber Filmemacher Schneider. Ein dauerhafter Frieden ließe sich nur zwischen Menschen schließen – … „und wenn man die Technik vorschickt, dann entzieht sich der Mensch.“


Randnotiz                                  

„Killer-Roboter – dürfen Maschinen töten?“, ein Film von Uri Schneider. Sendetermine:
– Montag, 25. September 2017, 23:30 Uhr im Ersten.
– Dienstag, 26. September 2017, 3:25 Uhr im Ersten.
Alle Angaben ohne Gewähr.


Zu unseren beiden Aufnahmen:
1. Das autonome Kampf- und Unterstützungssystem RoBattle, entwickelt von Israel Aerospace Industries, IAI. Der RoBattle wurde der Fachpresse erstmals im Juni 2016 bei der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory präsentiert.
(Foto: obs/SWR)

2. Das Legged Squad Support System, auch LS3 oder AlphaDog genannt, soll Soldaten im Feld unterstützen und ihnen bei längeren Märschen Lasten abnehmen. Das System, entwickelt vom Unternehmen Boston Dynamics in enger Zusammenarbeit mit dem U.S. Marine Corps und der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), kostete amerikanischen Quellen zufolge bislang zwischen 30 und 40 Millionen US-Dollar.
(Foto: Sarah Dietz/U.S. Marine Corps)


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