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Washington/Providence (Rhode Island, USA). Nach einem Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums haben die Kriege, die die USA in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 führten beziehungsweise immer noch führen, bis jetzt etwa 1,463 Billionen US-Dollar verschlungen. Zum Vergleich: Der Amerikanische Bürgerkrieg kostete das Land nach heutigen Maßstäben rund 2,4 Milliarden Dollar, die Beteiligung am Zweiten Weltkrieg insgesamt etwa 4 Billionen Dollar. Das Watson Institute der Brown University in Providence hat jetzt im November ebenfalls Zahlen veröffentlicht – sie fallen noch dramatischer aus …

Die Bilanzen zum Sezessionskrieg und zum Zweiten Weltkrieg stammen vom Congressional Research Service (CRS), einer Agentur des amerikanischen Kongresses, die mit dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages vergleichbar ist. Der 74 Seiten starke Bericht „Cost of War“ zu den Militärausgaben der USA nach den 9/11-Terroranschlägen wurde vom U.S. Department of Defense, dem amerikanischen Verteidigungsministerium, verfasst.

Der Bericht beinhaltet die seit dem 11. September 2001 entstandenen Kriegskosten für den „Global War on Terror“ und meint vor allem den Afghanistaneinsatz und die Einsätze im Irak. Hinzu kommen die Kosten für die Operation „Noble Eagle“, die die Erhöhung der Sicherheit von US-Militärbasen sowie potenziellen Terrorzielen wie Flughäfen oder Brücken zum Ziel hat. Die in „Cost of War“ aufgeführten amerikanischen Haushaltsjahre beziehen sich stets auf den Zeitraum 1. Oktober eines Vorjahres bis 30. September des genannten Jahres. Stichtag des aktuellen Reports ist der 30. Juni 2017.

Bislang rund 17 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen den IS

Seit Nine Eleven hat das Verteidigungsministerium in Washington für die militärischen Unternehmungen des Landes im Zusammenhang mit dem globalen Anti-Terror-Krieg 1,4633 Billionen Dollar ausgegeben. Die Bilanz beinhaltet auch die Kosten der „Operation Inherent Resolve“ (OIR), die militärische Intervention der Vereinigten Staaten gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak und in Syrien. Die Kosten für OIR betrugen demnach bislang 17,1 Milliarden Dollar.

Der Bericht des Ministeriums listet zu Beginn auf, für was das Geld genau ausgegeben wurde. Da sind zum einen die „kriegsbedingten Betriebskosten“ (hierzu zählen beispielsweise die militärische Ausbildung und das Training der Soldaten, die Basisunterstützung sowie Überseeeinrichtungen, die Wartung der Ausrüstung, die Pflege der Kommunikationssysteme oder schließlich der Ausgleich von Verlusten).

Ein zweiter Punkt betrifft die Unterstützung der kämpfenden Truppe (Nahrungsmittel, Kleidung, die medizinische Versorgung durch den Sanitätsdienst, Sonder- und Ausgleichszahlungen, sonstige weitere Leistungen für die Einheiten im Feld).

Der dritte große Bilanzpunkt umfasst den Transport von Personal und Ausrüstung, (einschließlich der Luftbrücken und Seetransporte in das beziehungsweise aus dem Einsatzgebiet). Verbucht werden hier auch die Unterstützungszahlungen für die afghanischen Sicherheitskräfte und für Koalitionspartner.

Langzeitprojekt „Costs of War“ des Watson Instituts

Indirekte Kosten oder Folgekosten wie Wiederaufbau- und Stabilisierungsprogramme nach Ende eines Konflikts, Unterstützung von Veteranen sowie die Versorgung und Langzeitbetreuung von Verletzten gehören nicht zur ministeriellen Bilanz „Cost of War Update as of June 30, 2017“. Nicht enthalten sind ebenfalls die regulären Gehaltszahlungen für das Militärpersonal. Auch indirekte Kosten wie Zinsen für Kredite, die für die Kriege aufgenommen werden mussten, fehlen in dem Bericht.

Eine andere Herangehensweise an das Thema der „9/11-Kriegskosten“ pflegt das Watson Institute for International Studies der Brown University in Providence (US-Bundesstaat Rhode Island). In seinem Langzeitprojekt „Costs of War“ berücksichtigt das Institut nicht nur direkte Kosten der militärischen Auseinandersetzungen, sondern beispielsweise auch die geschätzten kommenden Ausgaben für die amerikanischen Veteranen. Neben den Ausgaben des US-Verteidigungsministeriums listet das Universitätsprojekt demnach auch die des Kriegsveteranenministeriums (U.S. Department of Veterans Affairs) auf; hinzuaddiert werden außerdem kriegsrelevante Ausgaben des Außenministeriums (U.S. Department of State) sowie des Ministeriums für Innere Sicherheit (U.S. Department of Homeland Security).

Horrende Schlussrechnung für den amerikanischen Steuerzahler

Ein neuer Bericht des Instituts erschien jetzt vor wenigen Tagen. Neta Crawford, Professorin für Politikwissenschaft an der Bostoner Universität und Leiterin des Projekts, fasst zusammen: „Die US-Kriege im Irak, in Syrien, Afghanistan und Pakistan sowie die erhöhten Ausgaben für den Staat beziehungsweise für die Ministerien für Verteidigung, Innere Sicherheit und Kriegsveteranentum haben seit den Anschlägen vom 11. September 2001 bis hin zum Fiskaljahr 2017 mehr als 4,3 Billionen Dollar gekostet.“ Damit nicht genug. Die Wissenschaftlerin ergänzt: „Addiert man die wahrscheinlichen Kosten für das Fiskaljahr 2018 und die geschätzten zukünftigen Verpflichtungen für die Veteranenpflege hinzu, werden die ,Kosten des Krieges‘ die wohl exorbitante Höhe von mehr als 5,6 Billionen Dollar erreichen.“

Der „durchschnittliche amerikanische Steuerzahler“ habe seit 2001 insgesamt 23.386 Dollar für die Kriege der Vereinigten Staaten aufgebracht, veranschaulicht Crawford. Sie warnte vor einer verengten Sichtweise: „Kriegskosten sind weit mehr als das, was wir in einem Jahr für das sogenannte ,spitze Ende des Speers‘ ausgeben. Hinter der Speerspitze lauern noch eine Menge anderer Kosten – wenn wir den Speer benutzen, müssen wir also mit massiven Konsequenzen rechnen.“


Das Hintergrundbild unserer Infografik entstand am 17. Februar 2010 in der Wardak-Provinz und zeigt eine afghanisch-amerikanische Patrouille in einer kleinen Ortschaft.
(Foto: Russell Gilchrest/U.S. Army)
Kleines Beitragsbild: 15. Oktober 2009 in der Provinz Helmand – eine US-Kampfeinheit unterstützt afghanische Sicherheitskräfte bei der Bekämpfung von Aufständischen.
(Foto: Artur Shvartsberg/U.S. Marine Corps)


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