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Berlin. Die Stellenanzeige fällt auf, weil viel geboten und zugleich viel verlangt wird. Da werden Menschen gesucht, die am Ausbau des Unternehmens mitwirken wollen, in einer zukunftsorientierten Branche. Neue Geschäftsfelder sollen besetzt werden – dem Bewerber eröffne sich so eine große Chance, heißt es. Mitbringen muss der ideale Kandidat folgende „Extras“: Berufserfahrung, entsprechende Zertifikate, tadelloses Auftreten, gepflegtes Äußeres, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, möglichst Englischkenntnisse, sehr gute Ortskenntnisse in Berlin und natürlich Bereitschaft zur Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit. Ach ja, die Entlohnung! „Auf 450 Euro-Basis“! So lautet das Angebot der BwFuhrparkService GmbH an seine neuen „engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, die ab 1. Juli 2017 als Chauffeure in der Bundeshauptstadt für den Bundestag unterwegs sein sollen. Über den Hungerlohn-Job berichtete am gestrigen Dienstag (20. Juni) das ZDF in seinem politischen Magazin „Frontal21“ …

Ein Großteil der Chauffeure des Bundestags-Fahrdienstes wird in Zukunft als Minijobber arbeiten müssen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Die Regierungsantwort war Gegenstand der „Frontal 21“-Sendung vom gestrigen Dienstagabend.

Der Ältestenrat des Bundestages hatte im vergangenen Jahr beschlossen, den Vertrag mit dem Berliner Fahrdienstunternehmen ROCVIN Dienste GmbH zu beenden und den Auftrag an die Bundeswehr-Tochter BwFuhrparkService GmbH zu vergeben. Für die 200 ROCVIN-Fahrer sollen beim neuen Chauffeur-Dienst von BWFuhrparkService lediglich 26 Vollzeitstellen geschaffen werden, weitere 74 Beschäftigte sollen Teilzeit arbeiten, der Großteil – 100 Fahrer – als Minijobber.

„Diese Arbeitsbedingungen sind eines Bundestages einfach unwürdig“

Klaus Ernst, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, befürchtet, dass viele Fahrer unter diesen Bedingungen große wirtschaftliche Probleme bekommen werden. „Es kann nicht sein, dass die Fahrer am Ende des Tages nicht überleben können von dem Geld und dann aufstocken und der Steuerzahler über die Aufstockerei die miesen Arbeitsbedingungen im Bundestag zahlt. Das sind keine vernünftigen Arbeitsbedingungen, und die sind eines Bundestages einfach unwürdig“, so Klaus Ernst gegenüber „Frontal 21“. Außerdem würden den Chauffeuren nur noch auf ein Jahr befristete Arbeitsverträge angeboten. „Es gibt keinen sachlichen Grund, dass man Fahrer nur befristet einstellt. Das ist ein Unding. So kann das nicht bleiben“, empört sich der Parlamentarier.

Wie „Frontal21“ in seinem Magazinbeitrag auch berichtete, habe das Verteidigungsministerium auf Nachfrage mitgeteilt, dass sich die berufliche Situation der Fahrer bei der Bundeswehr-Tochter „nicht verschlechtern“ werde. Allerdings müsse man „wirtschaftlich“ arbeiten. Klingt zwar nicht logisch, doch irgendwie weltfremd …

Am 18. Januar hatten Mitarbeiter der ROCVIN Dienste GmbH in Kooperation mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bereits vor dem Bundestag „gegen die Vernichtung von 200 unbefristeten Arbeitsplätzen“ demonstriert.


Das Symbolbild zeigt Fahrzeuge der Bundestags-Fahrbereitschaft am Paul-Löbe-Haus im Berliner Regierungsviertel.
(Foto: Blunt/unter Lizenz CC-BY SA 3.0 – vollständiger Lizenztext:
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Unser zweites Bild zeigt einen Teil des Jobangebotes der Bundeswehr-Tochter BwFuhrparkService.
(Bildschirmfoto: Quelle Stellenanzeige BwFuhrparkService GmbH)


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