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Berlin. Derzeit dienen in der Bundeswehr 178.198 aktive Soldaten. Rund 3080 Männer und Frauen beteiligen sich momentan an Auslandseinsätzen (Stand: 21. Dezember 2015). Aktuell sind durchschnittlich 6000 Bundeswehrangehörige, teilweise im Schichtbetrieb, in der Flüchtlingshilfe gebunden. Hinzu kommen NATO-Verpflichtungen wie die Schnelle Eingreiftruppe der Allianz oder die ständigen Marineverbände, für die Deutschland im Jahr 2015 rund 4500 Kräfte stellte. Die Rufe nach einer personellen Aufstockung der Truppe werden lauter. Fast fünf Jahre nach Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht wird auch die Frage, ob eine Rückkehr zum alten Wehrpflichtmodell Sinn machen könnte, wieder diskutiert. Das forsa-Meinungsforschungsinstitut legt dazu jetzt Umfrageergebnisse vor. Mehr als eine Momentaufnahme …

Am 24. März 2011 – rund 55 Jahre nach ihrer Einführung – hatte der Deutsche Bundestag die Allgemeine Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 ausgesetzt. Für das entsprechende Wehrrechtsänderungsgesetz der Bundesregierung hatten damals gemäß der Beschlussempfehlung des Verteidigungsausschusses die Fraktionen von CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen gestimmt. Mit dem Gesetz war zugleich ein freiwilliger Wehrdienst von sechs bis 23 Monaten geschaffen worden, der Männer und Frauen heute gleichermaßen offensteht.

Am 28. und 29. Dezember 2015 nun befragte forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen, Berlin) im Auftrag des Magazins stern rund 1000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt worden waren: „Soll die Wehrpflicht wieder eingeführt werden?“

Vor allem Grüne gegen Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht

Der forsa-Umfrage zufolge sprechen sich etwas mehr als die Hälfte der Befragten – 52 Prozent – gegen eine Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht aus. 42 Prozent möchten die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht in Deutschland wiederhaben.

Gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht für Männer ab dem vollendeten 18. Lebensjahr sind vor allem die Anhänger der Grünen (72 Prozent). Eine Wiedereinführung befürworten vergleichsweise häufig die Anhänger der AfD (60 Prozent).

Auch im politischen Lager der Linken gibt es Wehrpflicht-Befürworter (49 Prozent). Die Anhänger der Union, die sich für eine Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht aussprechen, liegt laut dieser forsa-Umfrage bei 48 Prozent.

Ähnliche Umfrageergebnisse bereits vor rund zehn Jahren

Der Trend „Contra Wehrpflicht“ kommt nicht überraschend. Bereits vor mehr als zehn Jahren, im Oktober 2006, hatte forsa unter anderem eine Wehrpflichtumfrage für das Politikmagazin Cicero durchgeführt und dabei folgende Positionen ausmachen können: 53 Prozent der Befragten hatten sich damals für eine Umwandlung der Bundeswehr in eine Berufsarmee ausgesprochen, nur 41 Prozent der Bundesbürger hatten – angesichts der steigenden Zahl von Auslandseinsätzen – für die Beibehaltung der Allgemeinen Wehrpflicht plädiert.

Die meisten Anhänger der Wehrpflicht hatten sich im Jahr 2006 mit 54 Prozent unter den Ostdeutschen und unter den Unionsanhängern (51 Prozent) befunden. Dagegen hatten damals 55 Prozent der Westdeutschen die Einführung der Berufsarmee gefordert. Dafür hatten sich 2006 auch die meisten Anhänger von FDP (66 Prozent), SPD (57 Prozent) und Grünen (53 Prozent) ausgesprochen.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Wehrpflichtige des Gebirgspionierbataillons 8 aus Ingolstadt am 14. Mai 2010 während der Grundausbildung im Gelände – Befehlsausgabe durch den Zugführer an die Gruppenführer.
(Foto: Martin Stollberg/Bundeswehr)

2. Das Hintergrundbild unserer Infografik entstand am 6. Januar 2011 in der Barnim-Kaserne in Strausberg bei Berlin. Angetreten ist ein Zug der letzten Wehrpflichtigen, Rekruten der 13. Kompanie des Luftwaffenausbildungsregiments.
(Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr)


Kommentare

  1. K. Raumer | 7. Januar 2016 um 13:09

    …wen wundert dieses Umfrageergebnis? Liegt es doch voll im „Trend der Zeit“: nichts dazu beitragen, aber alles fordern!

    Wenn schon eine starke und gut ausgerüstete Berufsarmee die Auslandseinsätze abdeckt, dann könnten Wehrpflichtige sich um Flüchtlinge kümmern und damit die echte Truppe entlasten.

    Ich habe immer mehr das Gefühl, dass solche Umfragen ausschließlich der Meinungsmacher dienen, der Entschuldigung für die Politik sich um Verantwortung und Entscheidungen zu drücken, sowie Klientelpolitik zu betreiben (siehe FDP-Ergebnis).

    Friede und Innere Sicherheit kosten Geld und sind keine Dinge, die man bei Bedarf bei Amazon kaufen kann.

  2. K.Rieger | 12. Januar 2016 um 21:10

    Die Wehrpflicht abzuschaffen war einer der größten Fehler der bundesrepublikanischen Geschichte – spätestens wenn sich niemand der Jungen mehr „verpflichtet“ fühlt, etwas für sein Land zu leisten, wird auch der letzte Befürworter der Abschaffung merken, dass Geld allein kein Anreiz zum Dienst beim Bund ist! Sondern allein der Erhalt der Demokratie.

  3. A. Roth | 1. Juli 2016 um 18:17

    Die Bundeswehr wurde als reine Verteidigungsarmee gegründet. Es war ein historischer Moment, als die Wehrpflicht vor ein paar Jahren abgeschafft wurde. Denn sie gab es in Deutschland seit Jahrhunderten. Es ist kein Wunder, dass uns immer Militarismus vorgeworfen wurde. Nie wieder Krieg, hieß es in den Nachkriegsjahren, dabei sollte es auch bleiben. Es sollte deshalb endgültig bei Abschaffung der Wehrpflicht bleiben.

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