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München. Im August 1945 detonierten über Japans Hafenstädten Hiroshima und Nagasaki die beiden bislang einzigen Atombomben der Kriegsgeschichte. Die erste Bombe, so hieß es damals, habe Japan beeindruckt, doch erst die zweite habe es kapitulieren lassen. Beide Abwürfe seien nötig gewesen, um den Krieg zu beenden, so die amerikanische Darstellung. Der Journalist Klaus Scherer hatte immer schon starke Zweifel an dieser offiziellen Rechtfertigung des Einsatzes der zwei Massenvernichtungswaffen. Mit seiner Filmdokumentation „Der Mythos der entscheidenden Bombe“ und seinem gleichnamigen Buch versucht er, die Frage nach dem Sinn des Massakers von Nagasaki zu beantworten. Am 20. Oktober stellt Scherer seine Arbeit auch im Amerikahaus in München vor.

Der Sonderreporter des NDR hatte für seinen Film und sein Buch amerikanische und japanische Historiker kontaktiert und mit den letzten noch lebenden Zeitzeugen gesprochen. Zu Scherers Interviewpartnern zählten unter anderem damalige Schulkinder, die am Boden in Nagasaki die Hölle erlitten, und ein Mitglied der US-Bomberbesatzung, die vor dem Heimflug noch den Atompilz vom Bordfenster aus fotografiert hatte.

Der frühere ARD-Korrespondent, der längere Zeit auch in Japan und in den USA gearbeitet hat, kann in seinem Buch „Nagasaki – der Mythos der entscheidenden Bombe“ eindrucksvoll belegen, dass es von Beginn an darum ging, die Bomben zu testen. Japan, militärisch längst geschlagen, lieferte dazu eine willkommene Gelegenheit.

Licht auf ein dunkles Kapitel der Geschichte geworfen

Die Kritiken, die Klaus Scherer für seine Film- und Buchdokumentation erhielt, sind durchweg voll des Lobes. Patrick Illinger beispielsweise bezeichnete das Werk in der Süddeutschen Zeitung „Anschaulicher als mancher Oscar-gekrönte Spielfilm“. Barbara Geschwinde sprach in ihrem WDR-Beitrag von „ergreifenden Zeugnissen“. Scherer habe mit seiner Dokumentation „Licht in ein düsteres und zu wenig beachtetes Kapitel der Geschichte geworfen“, meinte Volker Behrens vom Hamburger Abendblatt. Und René Mertens schrieb in seiner Rezension für ZEIT online: „Scherer findet die richtige Balance zwischen emotionalen Passagen und harten, um nicht zu sagen: brutalen Fakten.“

Die Buchpräsentation und Diskussion zum Thema „Nagasaki – der Mythos der entscheidenden Bombe“ findet am 20. Oktober 2015 im Amerikahaus (Karolinenplatz 3, 80333 München) statt. Die Veranstaltung mit Klaus Scherer beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Weitere Auskünfte erteilt die Stiftung Bayerisches Amerikahaus/Bavarian Center for Transatlantic Relations unter der Rufnummer (089) 552537-0. Eine Anmeldung zu diesem Event, so schreibt die Stiftung, „wäre wünschenswert“.

Moderator dieses Abends im Münchner Amerikahaus ist übrigens Dr. Andreas Etges. Er ist Historiker am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu den Schwerpunkten von Etges gehören die Jahre der Kennedy-Präsidentschaft, die amerikanische Außenpolitik und die Erinnerungspolitik der USA.

Hinweis: Alle Angaben zu dieser Veranstaltung ohne Gewähr.


Zu unseren Bildern:
1. Das Amerikahaus am Karolinenplatz in München.
(Foto: Rufus46)

2. Journalist und Buchautor Klaus Scherer.
(Porträtfoto: Marie Mayumi)

Kleines Beitragsbild: Nagasaki am 24. September 1945, rund sechs Wochen nach dem Abwurf der amerikanischen Atombombe.
(Bild: Lynn P. Walker/U.S. Marine Corps)


Kommentare

  1. Jean Pierre Hintze | 15. Oktober 2015 um 09:26

    Interessant, dass das „bundeswehr-journal“ sich dem politischen Mainstream des Antiamerikanismus angleicht. Gehört diese populistische Komponente zum neuen deutschen Selbstbewusstsein?

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