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Berlin/Holzdorf/Niederstetten. Es ist ein extremer Sommer – eine Hitzewelle und Trockenheit, wie sie Deutschland und seine Nachbarn nur selten erlebt haben. In vielen Teilen Europas wüteten bereits verheerende Wald- und Flächenbrände. In Schweden standen Ende Juli Zehntausende Hektar Waldes in Flammen, inzwischen ist die Lage dank internationaler Hilfe unter Kontrolle. Bei Bränden in der Umgebung der griechischen Hauptstadt Athen, zusätzlich angefacht durch starke Winde, starben zum gleichen Zeitpunkt mindesten 90 Menschen. Für dieses Wochenende werden in Spanien und Portugal neue Hitzerekorde erwartet, es soll dort bis zu 47 Grad heiß werden. Auch in Deutschland mussten bereits erste Feuer bekämpft werden. In Brandenburg und Bayern wurden außerdem „aufgrund der anhaltenden Waldbrandgefahr“ die Landeskommandos der Bundeswehr in erhöhte Führungsbereitschaft versetzt, „notwendiges Personal befindet sich über das Wochenende in Rufbereitschaft“. Ein US-Bericht macht die Dramatik der weltweiten Klimakrise deutlich …

Während der amerikanische Präsident Donald Trump den globalen Klimawandel offenbar unter „Fake News“ einordnet und im August vergangenen Jahres den Rückzug seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen ankündigte, offenbart ein Bericht aus den Vereinigten Staaten schonungslos den aktuellen Zustand unserer Erde. Ihr geht es derzeit wirklich nicht gut – weltweite Erwärmung lässt die Polkappen schmelzen, Ozeane heizen sich auf, der Meeresspiegel steigt an, dies wiederum begünstigt Extremwetter.

In ihrem aktuellen Bericht „State of the Climate“ für das Jahr 2017 bestätigt die amerikanische Klimabehörde NOAA (National Oceanic Atmospheric Administration) einen fatalen Trend: Die vergangenen drei Jahre waren die heißesten seit Beginn meteorologischer Aufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert – Spitzenreiter war 2016, gefolgt von 2015 und 2017. Das Jahr 2018 mit seinen Hundstagen dürfte sich hier nahtlos einreihen.

Weltweit immer wieder alarmierende Negativrekorde

Für den 332 Seiten starken Klimareport haben rund 500 Forscher aus 65 Ländern Daten gesammelt und ausgewertet. Die Fakten zu Temperaturen, Meeresspiegel und Wetterereignissen eines sich immer mehr aufwärmenden Planeten sind beunruhigend. So hat die mittlere Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre, die der wichtigste Faktor für die Erwärmung ist, den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 38 Jahren erreicht. Auch die Konzentration von Methan und Stickstoffoxid in der Erdatmosphäre war 2017 auf einem Rekordhoch.

Neuer Höchststand auch beim globalen Meeresspiegel: Der kletterte 2017 auf einen neuen Maximalwert und lag damit 7,7 Zentimeter über dem Durchschnitt von 1993. In diesem Jahr begann die Satellitenmessung durch die US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft NASA und die französische Raumfahrtagentur CNES (Centre National d’Etudes Spatiales/Nationales Zentrum für Weltraumforschung). Die durchschnittliche Temperatur an der Meeresoberfläche lag 2017 über der von 2016 und war damit Teil des langfristigen Aufwärtstrends.

Zwischen Wassermangel und sintflutartigen Regenfällen

Beklemmende Erkenntnisse haben die Autoren des NOAA-Berichtes auch diesmal wieder über die beiden geografischen Pole der Erde gesammelt. Die zunehmende Erwärmung am Nord- und Südpol hat zur Folge, dass sich die Eisfläche immer schneller verringert. Das Eis werde immer dünner, die Gefahr des Abbrechens immer größer, warnen die Experten. Besorgniserregend sei zudem die weltweite Gletscherschmelze, die rasant zugenommen habe.

Ausführlich befasst sich die Untersuchung „State of the Climate 2017“ auch mit dem Extremwetter. So mussten im vergangenen Jahr Städte auf allen Kontinenten Hitzerekorde mit Temperaturen von mehr als 43 Grad Celsius verkraften. In manchen Regionen kam es zu Dürreperioden und lebensbedrohlichem Wassermangel. Auf der anderen Seite nahmen weltweit auch die Niederschlagshäufigkeit und -mengen zu. Russland verzeichnete 2017 sein „regenintensivstes Jahr“ seit 2013. In Indien starben durch starken Regen und anschließende Überschwemmungen Hunderte, Tausende wurden in Nigeria durch die Wassermassen vertrieben.

Millionen Menschen bereits vom Klimawandel betroffen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Hitzewelle meldete sich jetzt auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zu Wort. Ann-Kathrin Schneider, Expertin der Organisation für internationalen Klimaschutz: „Dieser Hitzesommer gibt einen Eindruck, wie bedrohlich die Klimakrise ist. Der Mensch hat den CO2-Gehalt der Atmosphäre schon um mehr als 40 Prozent erhöht, die hohe Konzentration erhitzt das Klima. Millionen von Menschen sind betroffen, denn weltweit werden Böden zerstört, Ernten gehen verloren, Wüsten breiten sich aus, Gletscher schmelzen und Stürme verursachen große Schäden.“

BUND-Experte Ralf Straußberger ergänzte die Warnung und erinnerte an die Waldbrandgefahr in Deutschland: „Satellitenbilder zeigen, dass hierzulande innerhalb weniger Wochen große Teile der Wälder trocken gefallen sind, dort steigt auch das Risiko von Waldbränden und Baumsterben. Verschärft sich die Klimakrise weiter wie bisher, wird der Wald auch in Deutschland häufiger unter den Folgen leiden.“

Besonders stark gefährdet sind die reinen Nadelwälder

Dass es mitunter nur des berühmten Funkens bedarf, um jetzt in freier Natur eine Brandkatastrophe auszulösen, ist allgemein bekannt. Matthias Habel, Meteorologe beim Bonner Dienstleister WetterOnline, erklärt uns aber noch einmal die aktuelle Gemengelage in Deutschland: „Die seit April dieses Jahres fehlenden Niederschläge und die hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen haben die Waldböden stark austrocknen lassen. Kommen noch trockene Winde hinzu, kann sich ein Feuer rasant ausbreiten.“ Und: „Stark gefährdet sind reine Nadelwälder, denn die harzigen Nadeln sind nach längerer Trockenheit extrem brennbar. Altes Reisig und trockene Grasflächen vergrößern die Brandgefahr außerordentlich.“

Natürliche Auslöser für einen Waldbrand seien Blitzeinschläge, so Habel weiter. Diese spielten jedoch im Vergleich zur Brandursache „Mensch“ eine geringe Rolle. Der weitaus größte Teil der Waldbrände in Deutschland entstehe durch Brandstiftung und Unachtsamkeit – achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, Glasscherben, heiße Fahrzeugmotoren, offenes Feuer.

Deutschland durch spezielle Strukturen gut auf größere Brände vorbereitet

Deutsche Feuerwehren bereiten sich schon jetzt auf mehr Waldbrände in den kommenden Jahren vor. Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (Ausgabe vom 28. Juli) sagte der stellvertretende Bundesgeschäftsführer des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Rudolf Römer: „Wir müssen die Zeichen des Klimawandels frühzeitig erkennen und gerüstet sein, wenn es mit den Trockenperioden so bleibt.“ Man denke bereits über mehr Feuerwehrfahrzeuge mit größeren Wassertanks sowie den Einsatz von Löschdrohnen nach.

Prinzipiell sei Deutschland durch andere Strukturen gut auf größere Brände vorbereitet, diese gebe es so in Ländern wie Schweden oder Griechenland nicht. Der DFV-Vertreter erläuterte dies näher: „Unser flächendeckendes Netz von rund 23.000 Feuerwehren und 32.000 Feuerwachen ermöglicht es, Entstehungsbrände rasch zu löschen.“ Der Einsatz von Löschflugzeugen sei in Deutschland jedoch nicht möglich. Es fehlten ausreichend große Wasserflächen, über die die Flugzeuge im Landeanflug Wasser aufnehmen können. Die Feuerwehr verfüge aber über Außenlastbehälter, die an Hubschraubern angebracht werden und über kleineren Seen befüllt werden könnten. Die Hubschrauber müssten allerdings von der Bundeswehr oder Polizei geliehen werden, schränkte Römer ein.

Für Waldbrandexperte Johann Goldammer vom Zentrum für Globale Feuerüberwachung in Freiburg liegt aber genau darin ein Problem, wie er der Neuen Osnabrücker sagte. Denn viele der Bundeswehrhubschrauber befinden sich in Einsätzen außerhalb Deutschlands (Anm.: Das Freiburger Zentrum – Global Fire Monitoring Center, GFMC – arbeitet im Auftrag der Vereinten Nationen und wird durch die Max-Planck-Gesellschaft und das Auswärtige Amt finanziert).

Goldhammer empfiehlt deshalb, kleinere Löschflugzeuge, wie sie bereits weltweit eingesetzt werden, auf Bundesebene anzuschaffen. „Das muss aber gemeinsam im Verbund mit den Ländern passieren und miteinander finanziert werden.“ Die Flugzeuge könnten von der Feuerwehr am Boden betankt werden, bräuchten nur kurze Start- und Landepisten und seien sehr wendig. Darüber hinaus müssten auch die Feuerwehren speziell ausgerüstet werden mit leichterer Kleidung, kleineren geländegängigen Fahrzeugen und tragbaren Rucksack-Spritzen.

In Teilen Deutschlands weiterhin „hohe Waldbrandgefahr“

Meteorologen sprechen inzwischen von der ausgeprägtesten Hitzewelle in Deutschland seit dem Jahr 2003 (Anm.: Am 8. August 2003 wurde mit 40,3 Grad Celsius im saarländischen Moselstädtchen Perl-Nennig der deutsche Hitzerekord gebrochen). Thomas Endrulat vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam geht davon aus, dass uns die Hitze noch bis mindestens Mitte August zu schaffen machen wird. „Es ist noch kein Ende zu erkennen“, lautet seine Prognose.

Wie der Waldbrandgefahrenindex zeigt, herrscht in Teilen Deutschlands weiterhin akute Waldbrandgefahr. In Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern besteht in den nächsten Tagen eine „hohe“ bis „sehr hohe Gefahr“. Gleiches gilt für den Nordwesten Bayerns und Teile Baden-Württembergs. Am Mittwoch sollen dann Regenfälle zwischenzeitliche Abkühlung bringen. Besonders im Nordosten und Osten reduziere sich dadurch der Gefahrenlevel auf „sehr gering“. Im Südwesten der Bundesrepublik bleibe jedoch konstant eine „hohe Gefahr“ bestehen.

CH-53 aus Holzdorf bringt 185.000 Liter Wasser zum Brandort

Amtshilfe bei einem Waldbrand leistete die Bundeswehr bereits vor wenigen Tagen in Fichtenwalde nahe der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Dort war am 26. Juli in einem Waldgebiet Feuer ausgebrochen. Das Amtshilfeersuchen war bei der Bundeswehr um kurz vor 21 Uhr eingegangen. Wenig später konnte auf dem Fliegerhorst Holzdorf eine CH-53 der dort stationierten Lufttransportgruppe des Hubschraubergeschwaders 64 zum Löscheinsatz starten. Innerhalb von gut zwei Stunden flog die Besatzung mit einem Außenlastbehälter für Wasser – „Smokey“ genannt – 16 Mal das Brandgebiet an. Pro Löschanflug wurden rund 5000 Liter aus dem nahe gelegenen Schwielowsee in das Feuergebiet gebracht.

Der Hilfseinsatz der Bundeswehr endete am frühen Abend des 27. Juli. Bereits am Morgen, um kurz nach sieben Uhr, war eine neue Besatzung mit dem Hubschrauber in das bedrohte Waldgebiet aufgebrochen. Obwohl kaum noch offenes Feuer zu sehen war, schwelten doch zahlreiche im Waldboden verborgene Glutnester weiter, Wind fachte diese Brandherde immer wieder an. Bis zum Nachmittag holte die Crew des CH-53 mit dem „Smokey“ weitere 21 Mal Wasser aus dem Schwielowsee, insgesamt etwa 105.000 Liter.

Aus einem Ausbildungsflug wurde plötzlich ein realer Löscheinsatz

Lassen Sie uns zum Schluss auch noch das Transporthubschrauberregiment 30 im baden-württembergischen Niederstetten besuchen. Der zur Division Schnelle Kräfte gehörende Heeresverband mit seinen sieben Staffeln nimmt seit Januar vergangenen Jahres auch den Auftrag „SAR“ (Search and Rescue/Suchen und Retten) über Land wahr.

Am 31. Juli half der pure Zufall örtlichen Feuerwehrkräften in der Nähe der baden-württembergischen Gemeinde Braunsbach bei ihren Löscharbeiten. Ein SAR-Hubschrauber des Typs Bell UH-1D aus Niederstetten befand sich an diesem Dienstag auf einem Ausbildungsflug, bei dem ein Besatzungsmitglied in den Umgang mit einem Feuerlöschbehälter eingewiesen wurde. Auf der Höhe von Langenburg bemerkte die Besatzung plötzlich eine deutliche Rauchsäule, die in der Ferne von einem Feld aufstieg.

Am Brandort signalisierten die dort bereits eingetroffenen Feuerwehrkräfte den Soldaten vom Transporthubschrauberregiment 30, dass sie am Boden bei der Brandbekämpfung Unterstützung gebrauchen könnten. In Flammen stand ein Traktor, der eine Gefahr für das staubtrockene Feld und die angrenzenden Flächen darstellte. In mehreren Anflügen konnte die Hubschrauberbesatzung mit ihrem Feuerlöschbehälter und in Zusammenarbeit mit den zivilen Einsatzkräften schließlich den Brand löschen.


Zu unserem Bildmaterial:
1. Transporthubschrauber CH-53 der Bundeswehr aus Holzdorf bei einem Löscheinsatz nahe Fichtenwalde. Die Hubschrauberbesatzungen holten an zwei Tagen bei 37 Flügen mit dem Außenlastbehälter „Smokey“ rund 185.000 Liter Wasser aus dem Schwielowsee und konnten so den Waldbrand unter Kontrolle bringen.
(Foto: Marc Tessensohn/Bundeswehr)

2. Die Folgen der extremen Sommerhitze in Deutschland und seinen Nachbarländern sind bis ins All zu sehen. Die Europäische Weltraumorganisation (European Space Agency, ESA) hat den Medien Satellitenbilder des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zur Verfügung gestellt. Die Bilder zeigen die Situation auf der Erde zeitversetzt – beispielsweise in Berlin am 26. Juli und einige Tage später am 31. Juli. Die tropischen Temperaturen haben aus grünen Bereichen am Boden vertrocknete Braunflächen gemacht. Auf Wiesen und Weiden wächst kein Gras mehr nach, es fehlt der Regen. Entstanden sind die Aufnahmen mithilfe der Sentinel-Satelliten, die in rund 800 Kilometern Höhe in der äußersten Schicht der Atmosphäre um die Erde fliegen.
(Bildquelle: ESA; Bildmontage: mediakompakt)

3. Höchste Waldbrandgefahr: Extreme Hitze und ausbleibender Regen haben inzwischen auch in Deutschland die Waldböden stark austrocknen lassen.
(Foto: WetterOnline)

4. Bundeswehrhubschrauber Bell UH-1D löscht mit dem Spezialbehälter einer zivilen Feuerwehr.
(Foto: Bundeswehr)

Kleines Beitragsbild: Der Sommer des Jahres 2018 wird auch in negativer Erinnerung bleiben als Sommer der verheerenden Waldbrände in vielen Teilen Europas.
(Foto: Copernicus Communication)


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