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Berlin. Die Bundeswehr feierte am heutigen Mittwoch (11. November) ihr 60-jähriges Bestehen und das Jubiläum „25 Jahre Armee der Einheit“ mit einem Großen Zapfenstreich. Die Veranstaltung fand vor dem Berliner Reichstagsgebäude statt. Dieser Ort wurde bewusst gewählt, denn der Bundeswehr fällt – 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung – eine besondere Rolle zu. Nach dem 3. Oktober 1990 war die Bundeswehr Vorreiter des Zusammenwachsens der beiden deutschen Staaten. Sie übernahm das Material der Nationalen Volksarmee und integrierte Teile des Personals. Wehrpflichtige aus Ost und West leisteten oft ihren Grundwehrdienst in dem für sie unbekannten Teil Deutschlands. Für die nachwachsende Generation wurde so die gesamtdeutsche Bundeswehr schnell zur Normalität. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, hat jetzt einmal mehr aus Anlass des 60. Geburtstags der Truppe die Notwendigkeit einer Europäischen Armee betont.

In einem Interview für die Mittwochausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Bartels, er wünsche sich „die Überwindung der verteidigungspolitischen Kleinstaaterei in Europa“. Und er wolle Streitkräfte, die gleichermaßen attraktiv seien für Männer wie für Frauen. Die Bundeswehr bleibe dann am erfolgreichsten, wenn ihre pure Präsenz und Stärke verhindere, dass Konflikte heiß würden, so Bartels.

In Politik und Gesellschaft hätten die deutschen Streitkräfte wachsende Unterstützung erfahren, erklärte der Wehrbeauftragte weiter. Die Zurückhaltung bei Militärinterventionen sei aus guten Gründen erhalten geblieben, aber zugleich wachse das Gefühl, in einer bedrohten Welt zu leben. „Und das stärkt auch unser Bewusstsein: Gut, dass wir die Bundeswehr haben“, meinte Bartels abschließend.

Eine klare Traditionslinie der Streitkräfte bis hin zum heutigen Tag

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen begrüßte am Mittwochabend kurz nach 18 Uhr die rund 2500 geladenen Gäste zum Großen Zapfenstreich. Rund ein Viertel davon repräsentierten die Truppenteile der Bundeswehr. Nach der Ministerin sprach Bundestagspräsident Norbert Lammert. Danach begann das eigentliche militärische Zeremoniell.

Vor 60 Jahren, am 12. November 1955, hatte der damalige Verteidigungsminister Theodor Blank den ersten 101 Freiwilligen in der Bonner Ermekeilkaserne ihre Ernennungsurkunden überreicht. Dieses Datum war bewusst für die offizielle Geburtsstunde der Bundeswehr ausgewählt worden, denn an diesem Samstag hatte sich der Geburtstag des preußischen Heeresreformers General Gerhard von Scharnhorst (geboren am 12. November 1755 in Bordenau bei Hannover) zum 200. Mal gejährt. Entstanden war dadurch eine klare Traditionslinie.

Am 20. Januar 1956, beim ersten offiziellen Appell der Bundeswehr, hatte dann der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Krahnenberg-Kaserne in Andernach die angetretenen Männer noch mit „Soldaten der neuen Streitkräfte“ begrüßt. Der Deutsche Bundestag sollte erst acht Wochen später, am 20. März 1956, den Namen „Bundeswehr“ beschließen.

Am 21. Juli 1956 trat das Wehrpflichtgesetz in Kraft. Damit konnte die Bundesrepublik ihre Bündnisverpflichtung gegenüber der NATO von 495.000 Soldaten erfüllen.

Anfangs betrug der Grundwehrdienst zwölf Monate. Nach einer kurzen Phase von 15 Monaten wurde die Dauer des Wehrdiensts auf 18 Monate verlängert. Ab den 1970er-Jahren verkürzte sich die Wehrpflicht von 15 Monaten bis zuletzt auf sechs Monate. Die letzten Grundwehrdienstleistenden wurden zum 1. Januar 2011 einberufen. Ein halbes Jahr später wurde die Allgemeine Wehrpflicht in Friedenszeiten ausgesetzt. Bis dahin hatten rund acht Millionen Deutsche Wehrdienst geleistet.

Ob Afghanistan oder Flüchtlingshilfe – auf die Truppe ist Verlass

Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Henning Otte, würdigte am heutigen Tag die Truppe als „Garant für Sicherheit“. Die Bundeswehr verdiene Rückendeckung und angemessene finanzielle Mittel, sagte der Politiker der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Otte wies auf die ständig wachsenden Anforderungen und zunehmend anspruchsvolleren Aufgaben der Bundeswehr hin. „Daran müssen wir uns immer wieder erinnern, wenn wir über Sinn und Zweck, oder die Ausstattung unserer Streitkräfte diskutieren“, forderte er. Egal ob Einsatz in Afghanistan oder Flüchtlingshilfe in Deutschland – auf die Truppe sei stets Verlass, gab der Christdemokrat zu bedenken. „Also warum sagen wir nicht einfach mal ,Danke‘ zu unseren Soldaten und deren Angehörigen?“

„Im Einsatz mit Leib und Leben für unsere Werte eintreten“

In einer Presseerklärung zum 60-jährigen Bestehen der Bundeswehr, die Henning Otte am heutigen Mittwoch gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Franz Josef Jung, herausgab, wird auch an die Toten der deutschen Streitkräfte erinnert.

Dazu Otte: „Die Bundeswehr ist unser Garant für Sicherheit. ,Wir.Dienen.Deutschland.‘ ist mehr als ein Slogan. Das Motto verdeutlicht das Selbstverständnis der Bundeswehr. Für Deutschland zu dienen heißt, Verantwortung für unser Land zu übernehmen. Dafür gebührt allen Soldaten unser ausdrücklicher Dank. An einem solchen Jahrestag gilt es aber auch, der rund 3200 militärischen und zivilen Angehörigen der Bundeswehr zu gedenken, die während der Ausübung ihres Dienstes ihr Leben verloren. 106 von ihnen starben in einem Auslandseinsatz der Bundeswehr.“

Der frühere Verteidigungsminister Jung äußerte: „Die Bundeswehr schützt seit 60 Jahren Frieden, Freiheit und unsere Demokratie. Dafür danken wir allen Soldatinnen und Soldaten, die in der Bundeswehr dienen und gedient haben, sowie ihren Familien und den Zivilbeschäftigten. Ihnen allen gebührt unsere Wertschätzung und Anerkennung. Das gilt gerade für die Bundeswehrangehörigen, die im Einsatz für den Frieden mit Leib und Leben für unsere Werte eintreten. Das Ehrenmal für die Gefallenen sowie das Ehrenkreuz für Tapferkeit, aber auch das Recht auf Weiterverwendung nach einer schweren Verwundung im Einsatz sind Ausdruck der staatlichen Anerkennung und Fürsorge.“


Zu unserem Bildmaterial:
1. Das Symbolbild entstand am 8. Januar 2014 beim Großen Zapfenstreich für den ehemaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Ehrenhof des Verteidigungsministeriums in Berlin.
(Foto: Michael Gottschalk/Photothek/Bundeswehr)

2. Am 12. November 1955, dem offiziellen Gründungstag der Bundeswehr, überreichte der erste Verteidigungsminister der neuen bundesdeutschen Streitkräfte, Theodor Blank (Bildmitte), 101 Freiwilligen ihre Ernennungsurkunde. Links neben Blank ist Adolf Heusinger zu sehen (von 1957 bis 1961 erster Generalinspekteur der Bundeswehr), rechts von Blank Hans Speidel (unter anderem von 1957 bis 1963 NATO-Oberbefehlshaber der alliierten Landstreitkräfte Mitteleuropa).
(Bildrechte: Bundespresseamt)

3. Bundestagspräsident Norbert Lammert am 11. Oktober 2015 bei seiner Festansprache vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Die Veranstaltung mit dem Großen Zapfenstreich wurde vom Ereignis- und Dokumentationskanal phoenix live übertragen.
(Videostandbild: Quelle phoenix)

Kleines Beitragsbild: Auch dieses Symbolbild entstand beim Großen Zapfenstreich für Ex-Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Januar vergangenen Jahres.
(Foto: Michael Gottschalk/Photothek/Bundeswehr)


Kommentare

  1. Peter Roth | 12. November 2015 um 00:03

    Vielen Dank für Treue und Standhaftigkeit trotz der vielfachen psychischen Misshandlungen durch den „obersten Souverän“, die Bundesbürger in ihrer vegan pazifistischen Ausprägung, dem neuen „Homo Superior“

  2. Ulrich Bensel | 12. November 2015 um 10:52

    Habt Ihr kein offizielles Video? Habe nur ein Amateur-Video gefunden. Da kommt doch heute sicher noch etwas, oder?
    Mfg
    U. Bensel, Bad Soden

    • Redaktion | 14. November 2015 um 03:05

      … ja, eigentlich hätte heute (am Samstag, 14. Oktober) noch ein „Nachklapp“ vom Großen Zapfenstreich kommen sollen. Mit aktuellen Bildern. Leider haben die grausamen Ereignisse in Paris auch die redaktionelle Arbeit schlichtweg erstarren lassen …
      Bitte um Verständnis, wir reichen da später was nach.

      Christian Dewitz

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