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Bonn. Der Name ist lang, die Abkürzung monströs, Aufgabenkatalog und Erwartungen wiegen schwer. Am 30. Juni nahm in der Bonner Ermekeilkaserne im Rahmen der Streitkräfte-Neuausrichtung das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr – kurz BAIUDBw – seine Arbeit auf. Ein Festakt im Haus der Geschichte am 6. September mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière würdigte dieses Ereignis im Nachklang. Das neue Bundesamt übernimmt zentrale Aufgaben für die Bundeswehr, die bislang im Verteidigungsministerium und in nachgeordneten Bereichen wahrgenommen wurden. weiterlesen…  

Es ist ein Abschied von alten Strukturen – vom Treibriemen der Neuausrichtung der gesamten Bundeswehr in Schwung gebracht und in Schwung gehalten. Die bisherige Wehrverwaltung wird umgebaut, militärische Nutzer und zivile Bedarfsdecker sollen künftig gemeinsam ihren Auftrag erfüllen, Schreibtisch an Schreibtisch, Schulter an Schulter. Künftig wird es drei Wehrverwaltungsbereiche geben:

  • den Bereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen unter Führung des Bundesamtes in Bonn;
  • den Bereich Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung mit dem neuen Bundesamt in Koblenz;
  • den Bereich Personal mit dem neuen Bundesamt in Köln und St. Augustin.

Im BAIUDBw sollen nun Beamte, Arbeitnehmer und Soldaten gemeinsam an einem Strang ziehen. 198 der ausgeplanten 2332 Dienstposten werden militärisch besetzt sein, die Soldaten kommen zum Großteil aus den Infrastrukturdezernaten des Streitkräfteamtes und des Streitkräfteunterstützungskommandos. Im Bereich „Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen“ werden insgesamt einmal 21.381 Menschen arbeiten, das Militär hat 830 Dienstposten und bringt einen Brigadegeneral als Leiter der Infrastruktur-Abteilung mit. Geführt wird der gesamte Geschäftsbereich von Präsident Matthias Leckel, der schon dem Bundesamt für Wehrverwaltung in Bonn vorstand.

„Nur gemeinsam sind wir die Bundeswehr“

Verteidigungsminister de Maizière ging in seiner Festrede am 6. September noch einmal auf die völlig veränderten Rahmenbedingungen für die Bundeswehr – von der Landesverteidigung zur Armee im Einsatz – ein. „Die Bundeswehr braucht schnell verfügbare, hochprofessionelle durchhaltefähige Einheiten für Einsätze, die wir heute noch nicht kennen können, auf deren Profile wir uns aber vorbereiten können und müssen. Diese Einheiten müssen schnell und flexibel auf veränderte Situationen reagieren können und mit den Streitkräften unserer Verbündeten interoperabel sein. Dies stellt Streitkräfte und Verwaltung vor große gemeinsame Herausforderungen. Nur gemeinsam sind wir die Bundeswehr.“ Die Wehrverwaltung befinde sich damit in einem Spannungsfeld, so der Minister weiter. Für sie gelte es, das richtige Maß zu finden zwischen Schnelligkeit und Sorgfalt, zwischen Wirtschaftlichkeit und Auftragserfüllung. „Der Erfolg eines Einsatzes liegt nicht nur in den Händen unserer Frauen und Männer ,vor Ort‘. Der Erfolg liegt ebenso in den Händen derer, die ,zu Hause‘ für die Unterstützung und Versorgung und für den jeweiligen Transport verantwortlich sind. Gelingen kann der Einsatz nur dann, wenn beide Seiten den Auftrag als gemeinsamen Auftrag begreifen und ihn als gemeinsamen Auftrag wahrnehmen.“

Qualifiziert, erfahren und spezialisiert

Der künftigen zivil-militärischen Zusammenarbeit im BAIUDBw sieht de Maizière im Grundton optimistisch gestimmt entgegen. Trotz, wie er sagte, des Spannungsverhältnisses zwischen Truppe und Verwaltung, die sich im Laufe der Jahre systematisch aufgebaut habe. Blick nach vorne, statt zurück. Der Minister: „Nur wenn Kommandoebene und Verwaltungsebene von der Notwendigkeit zutiefst überzeugt und innerlich durchdrungen sind, einer gemeinsamen Aufgabe zu dienen, diese gemeinsame Aufgabe erfüllen zu müssen, ist die Voraussetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit gegeben.“ Und: „Wir wollen das große Potenzial nutzen, das es zusammen so nur in der Bundeswehr gibt: die Qualifikation unseres militärischen Personals ist durch häufige Verwendungs- und Standortwechsel geprägt, unsere zivilen Mitarbeiter weisen in ihren Verwendungen einen hohen Grad an Erfahrung und Spezialisierung auf.“ Mit der strukturellen Verankerung in Form des neuen Bundesamtes werde übergreifendes Denken möglich, ja unausweichlich, sagte de Maizière im Haus der Geschichte. Gemeinsame Verantwortung bringe die Bereiche in konstruktiv größere Abhängigkeit zueinander. Bei Problemen und Fehlern dürften nicht die Schuldzuweisungen beginnen, sondern die Problemlösungen.

Ein zentraler Ansprechpartner

Das Bundesamt ist nun verantwortlich für alle nichtministeriellen, zentralen Aufgaben aus den Bereichen Infrastruktur, gesetzliche Schutzaufgaben, Finanzen und Controlling sowie Dienstleistungen und Recht. Es werden Aufgaben aus dem Verteidigungsministerium, aus dem bisherigen Bundesamt für Wehrverwaltung, dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, den Wehrbereichsverwaltungen, dem Streitkräfteunterstützungskommando sowie dem Streitkräfteamt und den diesem nachgeordneten militärischen Infrastrukturstäben übernommen.

Der gesamte Organisationsbereich „IUD“ unterliegt der Dienst- und Fachaufsicht des neuen Bundesamtes. Hierzu gehören in der Zielstruktur das Zentrum für Brandschutz der Bundeswehr in Sonthofen, das neue Verpflegungsamt der Bundeswehr in Oldenburg, 41 Bundeswehr-Dienstleistungszentren sowie sieben Bundeswehrverwaltungsstellen im Ausland. Das Amt stellt auch die Einsatzunterstützung sicher. Es wird über Schnittstellen zu den Bereichen, Personal, Ausrüstung, Haushalt und Recht verfügen und im Rahmen seiner Zuständigkeit die Interessen der Bundeswehr gegenüber anderen Nationen, Bundesländern, Verbänden und der Wirtschaft vertreten.

Nach der Indienststellung des BAIUDBw sieht der ministerielle Fahrplan nun folgende weitere Amtsanteile vor: In Bonn wird es bald ein Kompetenzzentrum „Travel Management“ geben, ein neu aufzustellenden Kompetenzzentren für Baumanagement mit sieben Kompetenzzentren an den Standorten Düsseldorf, Hannover, Kiel, München, Strausberg, Stuttgart und Wiesbaden nimmt Gestalt an. Zum 1. Oktober 2012 wird das neue Zentrum für Brandschutz der Bundeswehr aufgestellt, mit der Aufstellung des Verpflegungsamtes der Bundeswehr wird in Kürze begonnen. Bis zum 30. Juni 2013 sollen die Wehrbereichsverwaltungen aufgelöst werden, damit gehen auch Dienst- und Fachaufsicht über die Bundeswehr-Dienstleistungszentren in die Verantwortung des neuen Bundesamtes über. Die Dienstleistungszentren werden ebenfalls Teil des BAIUDBw.

Wenn Medienvertreter nach der feierlichen Indienststellung in Bonn von einem „neuen Amt für eine Mammutaufgabe“ sprachen, so schwingt in dieser Beschreibung durchaus auch Skepsis mit. Denn das Aufgabenfeld ist – mit Blick auf linke und rechte Grenze – enorm weit gesteckt. Die Arbeitsfelder der fünf einzelnen BAIUDBw-Abteilungen lassen erahnen, was mit „Mammutaufgabe“ gemeint ist:

  • Finanzen und Controlling: Controlling, Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen und zentrales Rechnungswesen für die gesamte Bundeswehr;
  • Infrastruktur: Infrastrukturhaushalt, Infrastrukturplanung und Infrastrukturbereitstellung im Inland wie im Einsatz, Steuerung Liegenschaftsbetrieb;
  • Gesetzliche Schutzaufgaben: Arbeitsschutz, Umweltschutz, Gefahrgutwesen, öffentlich-rechtliche Aufsicht und Brandschutz;
  • Dienstleistungen und Recht: Verpflegung/bewirtschaftete Betreuung, Vergabestelle für dezentrale Beschaffungen, Rechtsangelegenheiten sowie Travel Management.

Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr soll bis Ende 2012 arbeitsfähig sein. Die Zielstruktur will man bis zum 30. September 2013 eingenommen haben. Noch im ersten Quartal des kommenden Jahres wird die überwiegende Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits auf der Bonner Hardthöhe sein. In Büroräumen derjenigen Ministeriumsangehörigen, die nach Berlin abgewandert sind. Die Ermekeilkaserne wird dann bald schon als Liegenschaft des Bundes aufgegeben.


Die Ermekeilkaserne liegt inmitten der Bonner Südstadt – umgeben von Wohnhäusern, Geschäften, Cafés und Gaststätten im Stil der Gründerzeit. Das Areal mit seinen wilhelminischen Bauten umfasst eine Gesamtfläche von rund 24.000 Quadratmetern. Die ältesten Gebäude der für die preußische Armee errichteten Kaserne entstanden im Jahr 1880. In der neugegründeten Bundesrepublik war die Ermekeilkaserne im Zeichen des Kalten Krieges ab 1951 Sitz des „Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“ (kurz nach dem Dienststellenleiter „Amt Blank“ genannt). Am 7. Juni 1955 wurde Theodor Blank der erste Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, aus dem „Amt Blank“ das Bundesministerium der Verteidigung. Die Ermekeilkaserne ist die Geburtsstätte unserer Streitkräfte. Hier überreichte Blank am 12. November 1955 den ersten 101 Bundeswehrsoldaten ihre Ernennungsurkunden. Von 1960 bis 1969 zog der Großteil des Ministeriums in die Neubauten auf der Bonner Hardthöhe. Der Umzug war erst 1974 abgeschlossen. Freigewordene Kasernengebäude in der Ermekeilkaserne nutzten danach Behörden der Bundeswehr.

- Hintergrund
 


Zu unseren Bildern:
  1. Ein Schild sagt mehr als 1000 Worte – BAIUDBw-Präsident Matthias Leckel und Ministerialdirektorin Alice Greyer-Wieninger, Abteilungsleiterin „Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen“ im Verteidigungsministerium, am Haupttor der Bonner Ermekeilkaserne. (Foto: Rott/Bundeswehr)
  2. 5. Mai 1955 – Deutschlands erster Verteidigungsminister Theodor Blank (rechts) und Mitarbeiter seines Amtes sehen in der Ermekeilkaserne einer Flaggenhissung zu. Es ist der Tag, an dem die Pariser Verträge in Kraft treten und die Bundesrepublik NATO-Mitglied wird. (Fotos: Bundesarchiv Koblenz)


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