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Eindhoven (Niederlande). Auch wenn die deutsche Luftwaffe auf ihren ersten „eigenen“ Airbus A400M noch bis Ende dieses Jahres warten muss, so kann sie doch jetzt schon die Transportleistung dieses neuen Luftfahrzeugs nutzen. Am 9. August führte das Europäische Lufttransportkommando, das seinen Sitz im niederländischen Eindhoven hat, einen strategischen Transporteinsatz mit der A400M durch. Dabei wurde erstmals deutsche Fracht mit der Maschine über den Atlantik in die USA gebracht.

Eigentlich war die ursprüngliche Mission der französischen A400M lediglich gewesen, Material aus Orléans abzutransportieren. Als dann aber zu diesem Zeitpunkt deutsche und belgische Anforderungen nach Lufttransport in der Eindhoven Air Base, dem Sitz des European Air Transport Command (EATC), eingingen, musste umgeplant werden. Getreu seinem Motto „So effektiv wie nötig, so effizient wie möglich“ bildete das Kommando nun aus drei aufwändigen Einzelmissionen einen zusammenhängenden großen Transporteinsatz. Wieder einmal konnte auch bei dieser Mission der optimale Kompromiss aus Auftragserfüllung und Ressourcenschonung gefunden werden.

Nach Zwischenlandung in Irland Nonstop weiter Richtung Washington

Der französische Airbus A400M Atlas flog an diesem Samstag zu Beginn des Transporteinsatzes zunächst nach Köln-Wahn, um dort die deutsche Fracht aufzunehmen. Anschließend ging es mit westlichem Kurs nach Irland. Nach der Landung auf dem Flughafen Shannon nahm die Maschine zusätzlichen Treibstoff auf. Eine zweite Crew kam an Bord. Danach startete der Atlas wieder und begann mit der Überquerung des Atlantiks.

Am späten Abend erreichte die A400M den Washington Dulles International Airport, größter Flughafen der Metropolregion Washington und einer der größten Verkehrsflughäfen in den USA. Dort wurden auch die fünf Tonnen deutsche Tonnage, Folgeversorgung für das deutsche Kontingent auf der Holloman Air Force Base in New Mexico, gelöscht.

Quer über den nordamerikanischen Kontinent bis Calgary

Am 10. August (Sonntag) flog die Maschine dann quer über den nordamerikanischen Kontinent nach Calgary in der westkanadischen Provinz Alberta. Hier musste die Besatzung Fracht für die EATC-Partnernationen Belgien und Frankreich aufnehmen. Auf dem Rückweg machte die A400M dann noch einen „Fuelstop“ in Quebec City, Ostkanada. Danach hob sie ab zum Rückflug über den „großen Teich“ Richtung Brüssel.

Nach einer Gesamtflugstrecke von fast 20.000 Kilometern landete der Transporter am Morgen des 12. August (Dienstag) um 10.15 Uhr Ortszeit in Melsbroek, dem militärischen Anteil des Brüsseler Flughafens. Hier wurde die belgische Fracht ausgeladen. Anschließend ging es weiter in die Heimat der A400M, nach Frankreich.

Nationaler Prozess der A400M-Einführung soll beschleunigt werden

Damit der Atlas sein Potenzial auch wirklich ausschöpfen kann, bedarf es neben einer bestmöglichen Flugplanung auch wesentlicher Impulse der „Functional Division“ des EATC. Diese Kommandoabteilung entwirft und gestaltet bereits heute die Zukunft dieses modernen Militärtransporters. Dazu wurden und werden in Eindhoven verschiedene Konzepte rund um die A400M entwickelt und den A400M-Partnernationen zur Verfügung gestellt. Der nationale Einführungsprozess soll so beschleunigt werden.

Diese Konzepte werden maßgeblich auch von Angehörigen der Bundeswehr, die im EATC den größten personellen Anteil stellen, miterarbeitet. Generalmajor Christian Badia, der am 3. Juli dieses Jahres das Kommando über das Europäische Lufttransportkommando übernommen hat, meint stolz: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Viele Ideen, so sagt er, seien in Eindhoven in diverse Pläne mit eingeflossen, beispielsweise in den Bereich der Interoperabilität oder des Trainings. Dadurch könnten die A400-Partnernationen im Rahmen der nationalen Einführung der Maschinen schon heute vom Erfahrungsschatz des EATC profitieren. Dies alles seien wesentliche Vorarbeiten, um die Maschinen möglichst reibungslos in den späteren Truppendienst zu überführen.

Europäisches Lufttransportkommando „steht in den Startblöcken“

Weiter erklärte Badia: „Wenn der erste deutsche Airbus A400M in wenigen Monaten in Wunstorf landen wird, kann sich die deutsche Luftwaffe darauf verlassen, dass wir alle operativen und funktionalen Aspekte zur Einführung dieses modernen Luftfahrzeugs durchdacht haben. Der Ablauf des nun ersten internationalen A400M-Einsatzes über Deutschland und Irland in die USA und danach quer über den Kontinent nach Kanada – geplant und operationell geführt durch das EATC – kann und soll als Indikator dafür stehen, dass das EATC alles daransetzt, die Möglichkeiten der neuen Maschinen wirkungsvoll und wirtschaftlich zu nutzen. Zudem übernehmen wir sowohl für funktionale als auch für operationelle Aspekte bestmögliche Verantwortung und verlieren dabei nicht den Bedarf des eigentlichen Nutzers aus den Augen.“

Dies müsse allein schon deswegen vom Eindhovener Kommando bewältigt werden, so gab der General am Schluss zu bedenken, weil das EATC in weniger als zehn Jahren knapp hundert dieser modernen Maschinen zu führen habe. Man stehe im Europäischen Lufttransportkommando „praktisch immer in den Startblöcken“.

Mit dem System ATARES Transportkapazitäten anderer Nationen buchen

Deutschland wird einmal mit 40 Atlas-Maschinen am Standort Wunstorf im internationalen Vergleich die meisten A400M unter operationeller Kontrolle des EATC betreiben. Auch die EATC-Nationen Belgien, Luxemburg und Spanien werden den Atlas fliegen und dem Kommando anvertrauen. Frankreich machte letztes Jahr den Anfang und hat bereits seine ersten drei A400M in die Obhut des EATC übertragen. Auch die nächsten drei französischen Maschinen sind bereits in diesem Jahr für den EATC-Einsatz vorgesehen, womit auch Deutschland häufiger (und damit früher) auf dieses Luftfahrzeug zugreifen kann.

Grundsätzlich kann jede Beitragsnation des EATC über das Flugstunden-Wechselsystem ATARES (Air Transport, Air-to-Air Refueling and other Exchanges of Services) die Luftfahrzeuge der anderen Nationen nutzen.

Vom Lufttransport über die Luftbetankung bis hin zur Luftrettung

Zum Pool der europäischen Flotte steuert die deutsche Luftwaffe derzeit den Airbus A310 PAX (für Passagiere oder den Truppentransport) sowie alle Airbus A310 MRTT bei (MRTT: umrüstbares Mehrzweckflugzeug mit der Bezeichnung „Multi-Role-Transport“; seit der Fähigkeitserweiterung zur Luftbetankung gilt die Bezeichnung „Multi-Role-Transport-Tanker“, MRTT). Hinzu kommen die Transall C-160 D und die Transall C-160 ESS (Konfiguration mit Täuschkörperwerfern und Radarwarnern für den erweiterten Selbstschutz).

Im Gegenzug kann Deutschland prinzipiell die Luftfahrzeugmuster der anderen Nationen (insgesamt rund 20 verschiedene Luftfahrzeugtypen, wenn man den Beitrittskandidaten Italien mitrechnet) nutzen. Damit kann die deutsche Luftwaffe auf eine große Palette an Fähigkeiten – angefangen von taktischem und strategischem Lufttransport über Luftbetankung bis hin zur Luftrettung – bauen und im Rahmen operationeller Schwerpunktbildungen auch weitreichende Verlegungen planen und durchführen.

Dem Kommando in Eindhoven ist bereits heute Europas größte Lufttransportflotte anvertraut: Spätestens mit dem Beitritt Italiens führt der deutsche Kommandeur des EATC mehr als 200 Flugzeuge aus sieben Nationen, verteilt auf knapp ein Dutzend Basen von der Ostsee bis an den Rand Afrikas.


Das Bildangebot zu diesem Beitrag:
1. A400M wird von Bodenpersonal gewartet.
(Foto: Alexandre Doumenjou/Airbus Military)

2. Der Atlas im Landeanflug.
(Foto: Jürgen Dannenberg/Airbus Military)

3. Generalmajor Christian Badia, seit dem 3. Juli 2014 Kommandeur des Eindhovener EATC.
(Foto: EATC)

4. Die A400M am 12. August 2014 nach ihrer Rückkehr aus den Vereinigten Staaten.
(Foto: Pieter Dewin/EATC)

Unser Großbild auf der START-Seite zeigt den Airbus Militärtransporter am 19. November 2013 bei der Airshow in Dubai.
(Foto: Alexandre Doumenjou/Airbus Military)


Kommentare

  1. dik | 1. September 2014 um 04:11

    Quebeck?

    • Redaktion | 3. September 2014 um 16:12

      Lieber Leser,
      vielen Dank für Ihren Hinweis. In der Tat müssen wir in unserem Beitrag die Schreibweise der kanadischen Provinzmetropole Québec City korrigieren. Bei der Gelegenheit haben wir auch mal Wikipedia einen Besuch abgestattet, um mehr über die mittlerweile 406 Jahre alte Stadt zu erfahren. Ein Québec-Kenner hat dort unter anderem folgende Infos zusammengetragen:
      Québec/offiziell Ville de Québec (französisch) oder auch Quebec/offiziell Quebec City (englisch) ist die Hauptstadt der gleichnamigen kanadischen Provinz. Québec ist die einzige Stadt in Nordamerika mit einem Altstadtkern und intakten Festungsanlagen und wurde 1985 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Stadt zählt rund 500.000 Einwohner, genannt Québécois – genauer Québécois de Québec, um sie von den anderen Bewohnern der Provinz begrifflich abzusetzen. Die Flussenge zwischen den Städten Québec und Lévis am gegenüberliegenden Ufer gab der Stadt ihren Namen: Kebek, ein Wort aus der indianischen Algonkin-Sprache, bedeutet „Engstelle“. Der Schriftsteller Charles Dickens (1812 bis 1870) hatte die Stadt einmal als das Gibraltar Nordamerikas bezeichnet.
      Ihre Redaktion bundeswehr-journal

  2. Treasure Ueli | 4. September 2014 um 17:45

    Den Airbus A 400 als Passagierflugzeug einrichten !!!!!!!!!!

  3. tk | 23. September 2014 um 23:59

    Schöner Bericht, nur wenn ich mir ansehe, daß die Bundeswehr noch keine einzigen A400m hat und der noch lange die Zulassung bei uns nicht hat (Luftfahrtgesetz muß geändert werden! Wie kann das denn sein?????) kommen mir echt die Tränen…..

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