Mooser: EMV und die Verteidigungstechnik
2026
Greding/Hamburg/Egling/Ludwigsburg. Elektromagnetische Verträglichkeit, EMV: die meisten unserer Leserinnen und Leser dürften mit diesen Begriffen nichts oder nicht viel anfangen können. Dennoch ist dieser Bereich elektrotechnischer Phänomene auch für die Welt des Militärs so wichtig, dass beispielsweise in Deutschland die Anfang der 1960er-Jahre gegründete Wehrtechnische Dienststelle für Informationstechnologie und Elektronik in Greding (kurz WTD 81) die zentrale Ansprechstelle für Elektromagnetische Verträglichkeit und Effekte im Bereich der Bundeswehr ist. Die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg forscht ebenfalls auf dem Felde der EMV. Im Vordergrund steht hier die Entwicklung von Methoden für den EMV-gerechten Entwurf von elektronischen Geräten, die zumeist in der Wehrtechnik genutzt werden. Heute stellen wir ein Unternehmen vor, das sich bereits seit etlichen Jahren mit dem Thema „EMV und Systeme der Verteidigungstechnik“ befasst – die Mooser Gruppe.
Bei Mooser arbeiten weltweit 40 anerkannte Spezialisten in zwei Tochtergesellschaften in Egling nahe München und in Ludwigsburg bei Stuttgart. Sie beschäftigen sich mit Lösungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit/EMV – überwiegend für Automobile, aber auch für Industrieelektronik, Schienenfahrzeuge, die Luftfahrt und schließlich die Militärtechnik.
Die beiden Standorte – die Jakob Mooser GmbH in Egling und die Ludwigsburger Mooser EMC Technik GmbH – sind international akkreditierte EMV-Testlabore und zugleich Engineering-Dienstleister in einem; sie führen Typgenehmigungen sowie Qualifikationen durch, wobei die Mitarbeiter in vielen Normungsgremien aktiv sind.
Der Unternehmensgründer, Jakob Mooser, hat fast 40 Jahre Erfahrung im Bereich der Elektromagnetischen Verträglichkeit. Im folgenden Interview mit unserem bundeswehr-journal vergleicht der Inhaber von Mooser Consulting und Mooser EMC Technik die Anforderungen der Verteidigungstechnik mit dem Automobilbereich.
Herr Mooser – was müssen wir unter Elektromagnetischer Verträglichkeit oder EMV verstehen, mit der sich ja auch intensiv Einrichtungen der Bundeswehr befassen?
Jakob Mooser: Elektromagnetische Verträglichkeit bezeichnet die Fähigkeit eines elektronischen Geräts oder Systems, in seiner elektromagnetischen Umgebung bestimmungsgemäß zu funktionieren, ohne dabei unzulässige elektromagnetische Störungen zu verursachen. EMV ist ein entscheidender Aspekt in der Elektro- und Elektronikentwicklung, da elektromagnetische Störungen die Funktion eines Geräts beeinträchtigen und sogar zu dessen Ausfall führen können.
Wie wichtig ist EMV bei Produkten und Systemen der Verteidigungstechnik?
Mooser: EMV ist hier sehr wichtig, da elektrische und elektronische Komponenten oftmals eine Schlüsselrolle für das Gesamtsystem haben. Nur bei einer bestimmungsgemäßen Funktion ist zum Beispiel das Abrufen der definierten Leistungsdaten, die Datensicherheit und der Schutz vor feindlicher Aufklärung gewährleistet. Neben der Funktionssicherheit unter den realen Umgebungsbedingungen ist bei der EMV auch der Schutz vor Aufklärung und die Datensicherheit ein wesentlicher Punkt.
Welche Dienstleistungen bietet das Unternehmen Mooser mit seinen zwei Tochtergesellschaften für die Verteidigungstechnik?
Mooser: Unser Leistungsportfolio für Verteidigungstechnik ist vergleichbar mit dem für die Automobiltechnik. Sprich, wir bieten eine umfangreiche Beratung bei der Hardwareentwicklung oder bei Lastenheften, wir erstellen Studien, führen Messungen oder Qualifikationen durch und übernehmen selbstverständlich auch die EMV-Entwicklung inklusive Entstörung von Komponenten und Systemen.
Bisher war Mooser hauptsächlich in der Automobilbranche aktiv, gibt es schon Erfahrungen und Kunden im Bereich Verteidigungstechnik?
Mooser: Wir arbeiten schon seit Jahrzehnten an der EMV in der Verteidigungstechnik. Ich war früher zwölf Jahre in einem führenden Unternehmen der Verteidigungstechnik tätig. Aktuell generieren wir etwa fünf bis zehn Prozent unseres Umsatzes in diesem Bereich, Tendenz steigend.
Warum ist Mooser der richtige Partner für diese Branche?
Mooser: Unsere Unternehmensgruppe hat fast vier Jahrzehnte EMV-Erfahrung, auch in sicherheitsrelevanten Bereichen. Die Schwerpunkte liegen in den Marktsegmenten Automotive, Eisenbahn und Verteidigungstechnik. Dadurch haben wir uns einen immensen Erfahrungsschatz aufgebaut. Unsere modernen Anlagen sind so leistungsfähig und flexibel, dass wir mit ihnen fast alle Aufgaben über diese Bereiche hinweg erledigen können. Darüber hinaus sind wir nach allen gängigen Normen zertifiziert und auditiert, sodass wir sämtliche Anfragen aus der Verteidigungswirtschaft nach EMV-Dienstleistungen übernehmen können.
Bleiben wir beim Thema „Militär und Elektromagnetische Verträglichkeit“ …
Mooser: Bevor ich mich selbständig gemacht habe, sammelte ich nach dem Studium der Nachrichtentechnik zwölf Jahre Erfahrung in einem Unternehmen der Wehrtechnik. Dort lernte ich die enorme Wichtigkeit der EMV in vielen Branchen kennen. Etwa bei der Verteidigung, in der Luftfahrt oder bei Sonderfahrzeugen. Zudem hatte ich zu dieser Zeit erstmals Kontakt mit der Automobilelektronik.
… und den besonderen Anforderungen der Branche und Streitkräfte …
Mooser: In der Verteidigungstechnik beschäftigt man sich bereits seit den 1950er-Jahren intensiv und systematisch mit der EMV. Von großem Wert für mein späteres Berufsleben war dabei die systematische Vorgehensweise an die EMV und das Herabbrechen der EMV vom Gesamtsystem bis herunter zu den Anforderungen für jede einzelne Komponente. Beginnend mit dem Ableiten der Daten aus der Umwelt (und bezogen auf das System mit seinen Einsatzgebieten Luft, See und Land) wurden zuerst die Systemdaten ermittelt. Daraus abgeleitet, je nach Einbauort, die Anforderungen für jede einzelne Komponente.
Was sind zwischen Autobranche und Verteidigungstechnik die größten Unterschiede?
Mooser: Bei Verteidigungssystemen treten teilweise höhere Frequenzen auf und mit dem NEMP (Nuklear Elektromagnetischer Puls) ein Phänomen, das bei zivilen Anwendungen praktisch nicht relevant ist. Aber im Wesentlichen ist die EMV-Technik über diese Segmente hinweg vergleichbar – von den Normen, über die Grenzwerte, Messbedingungen und Spezifikationen bis hin zu den EMV-Maßnahmen. Dadurch können wir im Alltagsgeschäft vielfältige Synergien zwischen den verschiedenen Branchen und Anwendungen nutzen. Die Schnittmengen sind allerdings sehr groß.
Welche sind die wichtigsten Normen im Bereich der Verteidigungstechnik?
Mooser: Da wären zunächst die Verteidigungsgeräte-Normen des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz. Ein Schwerpunkt dieser Normung liegt auf der für uns so bedeutsamen elektromagnetischen Verträglichkeit. Daneben spielen die inhaltlich vergleichbaren US-Normen MIL-STD in zahlreichen internationalen Lieferketten eine zunehmend relevante Rolle. Ebenso wie deren britisches Pendant, die DEF-STD-Normen. All diese Regelwerke beschreiben im Wesentlichen technische Anforderungen. Sie legen zum Beispiel fest, wie EMV-Tests durchzuführen sind oder welche Datenbus-Protokolle verwendet werden. Es handelt sich nicht um Produktvorgaben, sondern um systematische Rahmenbedingungen für Design, Prüfung und Dokumentation.
Gibt es Details, die nur bei EMV-Messungen für die Verteidigungstechnik eine Rolle spielen?
Mooser: In der Verteidigungstechnik treten natürlich spezielle Bauteile, wie etwa NEMP-gehärtete Komponenten, in Erscheinung. Auch die Bedeutung von garantierten Lieferzeiten scheint mir in dieser Branche besonders wichtig zu sein. Und wir müssen unsere Mitarbeiter für EMV-Messungen an Verteidigungskomponenten natürlich auch speziell schulen.
Wie sichern Sie die Geheimhaltung sensibler Daten sowie die strengen Dokumentationspflichten?
Mooser: Bewährte Regelwerke hierfür sind TISAX und ISH. TISAX ist ein Prüf- und Austauschmechanismus für die Informationssicherheit von Unternehmen und ermöglicht eine gemeinsame Anerkennung von Prüfergebnissen zwischen den Teilnehmern. ISH ist das interne Informationssicherheitshandbuch. Eine Festlegung wie wir mit den Daten und Informationen unserer Kunden umgehen. Das wird in der ISO 17025 und bei TISAX gefordert und immer bei den Audits überprüft. Hinzu kommt manchmal noch ein amtlich verfügter Geheimschutz für besonders sensible Informationen.
Kontakt:
Jakob Mooser GmbH
Amtmannstraße 5a
82544 Egling/Thanning
Telefon +49 (0)8176/92250
www.mooser-consulting.de/
kontakt@mooser-consulting.de
Mooser EMC Technik GmbH
Osterholzallee 140.3
71636 Ludwigsburg
Telefon +49 (0)7141/64826-0
www.mcd-elektronik.de
kontakt@mooser-emctechnik.de
Unser Bildmaterial zeigt:
1. Arbeit in der eCHAMBER® von Mooser. Das Prüfstandkonzept für Hochvolt-Elektroantriebe setzt Maßstäbe durch sein innovatives Antriebskonzept, die revolutionären Messmethoden sowie höchste Messpräzision.
(Foto: Mooser)
2. Jakob Mooser ist der Gründer und Geschäftsführende Gesellschafter der Jakob Mooser GmbH und der Mooser EMC Technik GmbH. Er hat fast 40 Jahre Erfahrung auf dem Felde der Elektromagnetischen Verträglichkeit, EMV.
(Foto: Mooser)
Kleines Beitragsbild: Neue Antriebe erfordern neuartige Prüfstände und Messkammern – Detailansicht von der eCHAMBER®.
(Foto: Mooser)
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