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Wittenberg/Hannover. Die Bundeswehr hat einen neuen Bischof für die evangelische Seelsorge unter Soldaten. In einem festlichen Gottesdienst wurde am gestrigen Donnerstag (22. Oktober) in der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg Bernhard Felmberg durch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in sein Amt eingeführt. Felmberg trägt nun die Verantwortung für die Arbeit der 120 evangelischen Militärgeistlichen, die die Bundeswehrangehörigen im In- und Ausland betreuen.

An dem Gottesdienst nahmen unter Corona-Bedingungen neben Vertretern der Streitkräfte, der Politik und der Kirche auch internationale Gäste sowie Weggefährten Felmbergs und Gäste aus seinem bisherigen Wirkungsbereich teil. Der Theologe war zuletzt Abteilungsleiter im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Zur Amtseinführung in Wittenberg waren auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, sowie der Katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck gekommen.

Schwerpunkte in den Bereichen „Ausbildung“ und „Entwicklungszusammenarbeit“

Vor seiner Zeit im BMZ war Bernhard Felmberg viele Jahre Oberkonsistorialrat in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und Prälat der Evangelischen Kirche in Berlin und Brüssel gewesen. (Anm.: In manchen evangelischen Landeskirchen Deutschlands bezeichnet „Konsistorium“ die kirchliche Verwaltungsbehörde. Konsistorien bestehen aus Theologen und Juristen. Das Konsistorium bereitet beispielsweise Beschlüsse der Kirchenleitung vor, führt die laufenden Geschäfte der Landeskirche, ist für die Rechtsaufsicht über Gemeinden und Kirchenkreise zuständig und unterstützt alle kirchlichen Bereiche bei der Aufgabenerfüllung. Die Beschlüsse des Konsistoriums werden von einem Kollegium gefällt. Die Kollegiumsmitglieder tragen den Titel „Konsistorialrat“ beziehungsweise „Oberkonsistorialrat“.)

Felmberg hatte in der EKBO die Abteilung „Aus-, Fort- und Weiterbildung“ geleitet. Im BMZ war Felmberg Leiter der Unterabteilung „Zivilgesellschaft, Kirchen und Wirtschaft in der Entwicklungszusammenarbeit“, seine Ernennung zum Ministerialdirigenten erfolgte am 1. Mai 2015.

Der achte Evangelische Militärbischof für die Bundeswehr seit 1956

Rat und Kirchenkonferenz der EKD hatten Felmberg im März dieses Jahres im Einvernehmen mit der Bundesregierung zum Nachfolger von Militärbischof Sigurd Rink ernannt. Die Berufung von Felmberg gilt zunächst für sechs Jahre.

Vorgänger Rink war am 14. Juli turnusgemäß aus dem Leitungsamt der evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr ausgeschieden, am 22. Juli war er in der St. Louis-Kirche der Julius-Leber-Kaserne in Berlin offiziell aus seinem Amt verabschiedet worden (wir berichteten). Rink hat im September eine Stelle als Büroleiter des Präsidenten der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, angetreten.

Die bisherigen Evangelischen Militärbischöfe für die Bundeswehr waren: Hermann Kunst (1956 bis 1972), Sigo Lehming (1972 bis 1985), Heinz-Georg Binder (1985 bis 1994), Hartmut Löwe (1994 bis 2003), Peter Krug (2003 bis 2008), Martin Dutzmann (2008 bis 2014) und Sigurd Rink (2014 bis 2020).

„In der Militärseelsorge zu sein heißt, dorthin zu gehen, wo das Wasser tief ist“

In seiner Predigt in der Wittenberger Stadtkirche, der Mutterkirche der Reformation, ging Bischof Felmberg auf den Fischzug des Petrus ein, einen biblischen Bericht, in dem Jesus einen frustrierten und demotivierten Menschen aus seiner „Komfortzone“ herausruft, ihm erst eine große Aufgabe anvertraut und dann einen noch größeren Erfolg erleben lässt.

Der Theologe schlug den Bogen vom antiken Galiläa zur heutigen Seelsorge in der Bundeswehr und gab zu bedenken: „In der Militärseelsorge zu sein heißt, dorthin zu gehen, wo das Wasser tief ist. Tief, weil durch die Begleitung in die Auslandseinsätze, beim Leben in Mali oder in Afghanistan im Lager zum Beispiel, die pastorale Komfortzone über alle Maßen verlassen wird und die Verkündigung des Evangeliums in einer Unmittelbarkeit auf das Leben derer trifft, die dort Dienst tun. An solchen Orten würde alles Floskelhafte und Oberflächliche entlarvt. Im Flachen fischen, alles flaches Antworten auf tiefe ethische, auf intime und existenzielle, auf völkerrechtliche und humanitäre Fragen verbietet sich dort sowieso von selbst.“

Immer ein Mittler zwischen Kirche und Gesellschaft gewesen

Zuvor hatte auch EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm die besonderen Herausforderungen des Amtes skizziert: „Menschen zu helfen, dass sie auch in schwierigen Herausforderungen keinen Schaden an der Seele nehmen, sich richtig ausrichten, Zeit haben, Erfahrungen zu verarbeiten, darin liegen Kernaufgaben der evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr.“

Zur Berufung Felmbergs sagte Bedford-Strohm beim Festakt in Wittenberg: „Wir freuen uns, einen erfahrenen Seelsorger gefunden zu haben, der in allen Stationen seines bisherigen Weges als Mittler zwischen Kirche und Gesellschaft gewirkt hat. Denn diese beiden Blickrichtungen braucht dieses Amt.“

Wir haben die Predigt von Militärbischof Bernhard Felmberg, die er am 22. Oktober 2020 anlässlich seiner Amtseinführung in Wittenberg gehalten hat, in unserem Servicebereich „bundeswehr-journal (Bibliothek)“ beim Dienstleister Yumpu-Publishing eingestellt. Sie können sich hier den Inhalt gezielt ansehen, ein Download der Datei oder ein Ausdruck ist aber nicht möglich. Über die ESC-Taste in Yumpu kommen Sie hierhin zurück.

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Zu unserem Bildmaterial:
1. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), führte Bernhard Felmberg am 22. Oktober in der Stadtkirche von Wittenberg in sein neues Amt ein.
(Foto: Walter Linkmann/Evangelische Militärseelsorge)

2. Überbrachten in der Stadtkirche Grüße aus Bundeswehr, Politik und Ökumene: Generalinspekteur Eberhard Zorn und …
(Foto: Walter Linkmann/Evangelische Militärseelsorge)

3. … der Katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. Overbeck war am 24. Februar 2011 von Papst Benedikt XVI. zum Militärbischof der Bundeswehr ernannt worden.
(Foto: Walter Linkmann/Evangelische Militärseelsorge)

4. Segen von Bischof Felmberg am Ende der feierlichen Amtseinführung.
(Foto: Walter Linkmann/Evangelische Militärseelsorge)


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