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Mainz/Pristina (Kosovo)/Berlin. Seit 20 Jahren leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag zu KFOR, der multinationalen Kosovo-Truppe unter NATO-Führung, und damit zur Stabilisierung des Kosovos und der gesamten Region. Auch wenn sich der NATO-Einsatz KFOR inzwischen von einer friedensschaffenden Mission mit mehr als 50.000 Soldaten zu einer friedensbewahrenden Mission mit derzeit nur noch rund 3500 Soldaten entwickelt hat, so gibt es insbesondere im Norden des Landes nach wie vor ein Konflikt- und Eskalationspotenzial und eine insgesamt weiterhin angespannte Beziehung zur Republik Serbien. Das ZDF blickt am morgigen Mittwoch (5. Juni) mit der dreiteiligen Dokumentation „Balkan in Flammen“ zurück auf den Zerfall der früheren Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und die daraus resultierenden nationalistischen Konflikte in der Region. Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Ethnien, die Vertreibung der jeweiligen Minderheiten und massive Menschenrechtsverletzungen bewogen die Internationale Gemeinschaft in den 1990er-Jahren zur Intervention und Durchführung mehrerer militärischer Operationen mit Beteiligung der Bundeswehr auf dem westlichen Balkan.

In der ersten Folge der Doku-Reihe „Balkan in Flammen“ beginnt die historische Spurensuche des ZDF mit und in der Vorgeschichte Jugoslawiens. Unter dem Einfluss wechselnder Herrscher und Reiche formte sich über Jahrhunderte ein Ländergebilde mit fünf Nationalitäten, drei Sprachen und nicht zuletzt vier Religionen. Die ersten ethnischen Konflikte brachen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es dem Volkshelden und schillernden Diktator Josip Broz Tito, ein sozialistisches Jugoslawien aufzubauen. Als Tito am 4. Mai 1980 starb, ließ sich das von ihm geformte und mit harter Hand bewahrte Staatskonstrukt nicht mehr aufrechterhalten. Worin genau liegen nun die historischen Ursachen der nationalistischen Konflikte, die ab 1991 in grausamen Kriegen gipfelten? Mit Hilfe von Historikern und Zeitzeugen analysieren die drei Doku-Teile der ZDF-Produktion „Balkan in Flammen“ den Untergang einer politischen und gesellschaftlichen Vision.

Die Stunde der Nationalisten und der Ausbruch des Bürgerkriegs

Im Mittelpunkt des Zweiten Teils steht das Schicksalsjahr 1990, als in Jugoslawien die ersten freien Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg abgehalten wurden. Es war zugleich auch die Stunde der Nationalisten. Deutlich wurde zu diesem Zeitpunkt, dass der Zusammenbruch des Vielvölkerstaates nur noch eine Frage der Zeit sein würde.

Jugoslawien versank in einem blutigen Bürgerkrieg, als sich Slowenien und Kroatien für unabhängig erklärten. In Kroatien und Bosnien kam es zu Massenvertreibungen, Vergewaltigungen, Morden. Die Internationale Gemeinschaft sah lange untätig zu. Die Schrecken des Krieges zwangen zu jener Zeit mehr als zwei Millionen Menschen zur Flucht. Der Höhepunkt der Auseinandersetzungen aber stand zu diesem Zeitpunkt noch bevor.

Schwerstes Kriegsverbrechen in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs

Der dritte Dokumentationsteil erinnert an Srebrenica, eine Stadt im Osten von Bosnien und Herzegowina, nahe der Grenze zu Serbien. In der Gegend von Srebrenica wurden im Juli 1995 mehr als 8000 Bosniaken – fast ausschließlich Männer und Jungen zwischen 13 und 78 Jahren – getötet. Das Massaker, das durch die Gerichtsbarkeit der Vereinten Nationen später gemäß der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes als Genozid klassifiziert werden sollte, wurde unter der Führung von Ratko Mladić von der Armee der Republika Srpska (Vojska Republike Srpske, VRS), der Polizei und serbischen Paramilitärs trotz der Anwesenheit niederländischer Blauhelmsoldaten verübt.

Die Untaten der Mladić-Truppen, die als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelten, waren schließlich der Weckruf für die Internationale Gemeinschaft, nach nunmehr vier Jahren Krieg auf dem Balkan endlich einzugreifen.

Noch im selben Jahr unterzeichnen die Kriegsparteien ein Friedensabkommen. Wenig später kam es auf dem Gebiet des heutigen Kosovos jedoch ebenfalls zu kriegerischen Handlungen. Diesmal griff die NATO ein, beendet die Kämpfe. Es war ein umstrittener Einsatz ohne Mandat der Vereinten Nationen.

Wichtiger Beitrag Deutschlands zur Stabilisierung der gesamten Region

Die Kriege der 1990er-Jahre haben die Region wirtschaftlich weit zurückgeworfen. Im Kosovo trägt Deutschland erheblich zum sozialen und wirtschaftlichen Aufbau der Republik bei, seit 1999 mit mehr als 630 Millionen Euro. Für 2018 und 2019 wurden insgesamt 60,05 Millionen Euro Mittel der Entwicklungszusammenarbeit, einschließlich sieben Millionen Euro aus Rückkehrer-Programmen, von der Bundesregierung zugesagt.

Noch immer gilt der Balkan als Pulverfass, Versöhnung ist bis heute schwierig. Die fortgesetzte Beteiligung der Bundeswehr an KFOR liegt deshalb im deutschen sicherheitspolitischen Interesse. Am 23. Mai dieses Jahres beantragte die Bundesregierung nun eine Fortsetzung des deutschen Engagements an der internationalen Sicherheitspräsenz im Kosovo. Die Bundeswehr soll sich ein weiteres Jahr an KFOR beteiligen, dabei ihren Personaleinsatz aber von bis zu 800 auf nunmehr bis zu 400 Soldaten verringern, heißt es im Antrag.

Die Bundesregierung argumentiert: „Deutsche Soldaten leisten durch ihren Einsatz im Rahmen von KFOR weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der gesamten Region.“ Die Bedeutung der Mission zeige sich unter anderem darin, dass es gelungen sei, ein sicheres Umfeld für die Menschen im Kosovo zu bewahren und lokale Sicherheitsstrukturen aufzubauen. „Dies ist eine Grundlage für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Republik Kosovo“, so die Bundesregierung.

Zu den Aufgaben der Bundeswehr gehören laut Antrag neben der Unterstützung der „Entwicklung eines stabilen, demokratischen, multiethnischen und friedlichen Kosovo“ vor allem die „Unterstützung des Aufbaus der Kosovo Security Force beziehungsweise perspektivisch der Kosovo Armed Forces und anderer Akteure im Rahmen der Sicherheitssektorreform unter Vorbereitung der weiteren Einbindung in euro-atlantische Strukturen“.


Randnotiz                                  

„Balkan in Flammen“, dreiteiliger Dokumentarfilm von ZDFinfo. Die Sendetermine:
Mittwoch, 5. Juni 2019, im ZDF
Teil 1 „Pulverfass Jugoslawien“ ab 20:15 Uhr;
Teil 2 „Ein Land zerfällt“ ab 21 Uhr;
Teil 3 „Jugoslawien in Trümmern“ ab 21:45 Uhr.
Wiederholung aller drei Folgen von „Balkan in Flammen“ in ZDFinfo am
Dienstag, 16. Juni 2019 (ab 1:15 Uhr);
Donnerstag, 4. Juli 2019 (ab 18:45 Uhr).
Die Dokumentation ist auch in der Mediathek des ZDF abrufbar. Alle Angaben ohne Gewähr.


Zu unserem Bildmaterial:
1. In der ersten Doku-Folge, die den Untertitel „Pulverfass Jugoslawien“ trägt, wird auch von der kroatischen Gefängnisinsel Goli Otok berichtet, auf der Häftlinge unter der Herrschaft Titos gequält wurden. Das zwei mal zwei Kilometer große Eiland war von 1949 bis 1988 das „Privatkonzentrationslager der Kommunistischen Partei“. Die Gräber der vermuteten 5000 Todesopfer, die Folter, Hunger und Durst erlagen, sind bis heute unauffindbar. Die Gesamtzahl der vom Tito-Regime Deportierten lässts sich allenfalls schätzen: die Angaben reichen von 14.000 bis 50.000 Gefangenen. Die Grafik aus der ZDF-Dokumentation zeigt das brutale „Begrüßungsritual“ auf Goli Otok – Neuankömmlinge wurden durch ein Spalier von Häftlingen geschickt, die auf sie einschlugen.
(Bild: Henning Tietz/Cinecentrum, ZDF)

2. Szene aus der zweiten Folge der Balkan-Dokumentation „Ein Land zerfällt“. Zerstörter Bahnhof im kroatischen Vukovar – die Spuren der Kriege sind noch immer sichtbar, bis heute sind viele Gebäude nicht wieder aufgebaut worden.
(Foto: Tomislav Krnic/Cinecentrum, ZDF)

3. „Balkan in Flammen – ein Land zerfällt“: Die Region um Vukovar an der Grenze zu Serbien war während des Kroatienkrieges in den Jahren 1991 bis 1995 das am stärksten umkämpfte Gebiet. In Vukovar schlugen täglich bis zu 8000 Granaten ein, der Krieg löschte hier ganze Stadtteile aus.
Die Aufnahme zeigt den Gedenkfriedhof für die Gefallenen des Heimatkrieges in Vukovar.
(Foto: Tomislav Rupic/Cinecentrum, ZDF)

4. In der Nacht zum 24. März 1999 startete die NATO-Operation „Allied Force“ gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien. Das Bündnis griff mit Luftangriffen in den Kosovokonflikt ein. Der Einsatz sollte bis zum 10. Juni 1999 dauern. Mit „Allied Force“ wollten die untereinander über Ausmaß und Ziele der Militäroperation zerstrittenen NATO-Mitgliedsländer die gewaltsame Vertreibung und gezielte Tötung von Kosovaren durch jugoslawische und serbische Kräfte beenden. Während der ausschließlich aus der Luft geführten Operation auf Ziele im gesamten Gebiet des damaligen noch existierenden Jugoslawiens setzte die NATO rund 28.000 Sprengkörper, Bomben und Marschflugkörper ein. Unsere Bildmontage zeigt im Hintergrund die Bombardierung der serbischen Stadt Novi Sad durch die NATO am 1. Januar 1999. Am Krieg auf dem Balkan beteiligte sich schließlich auch die deutsche Luftwaffe. Unter den Piloten, die Ende März 1999 ihren Einsatzbefehl erhielten, war auch Siegfried Beck (Porträtfoto), der in der ZDF-Dokumentation „Balkan in Flammen“ als Zeitzeuge zu Wort kommt.
(Hintergrundfoto: Darko Dozet/Wikipedia/Wikimedia Commons/unter Lizenz CC BY-SA 3.0 –
vollständiger Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/;
Porträtbild: Micha Bojanowski/Cinecentrum, ZDF)


Kommentare

  1. Mario | 13. September 2019 um 19:44

    Eine schlechte Propagandadoku mit vielen bösen Suggestionen. Vom ZDF sollte man mehr Objektivität erwarten.

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