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Hammelburg. Durchhaltewille, Widerstandskraft, Entscheidungsfähigkeit in schwierigen Situationen und nach körperlicher Belastung sowie absoluter Führungswille – das sind die markanten Leistungsanforderungen der wohl härtesten Ausbildung der Bundeswehr, dem Einzelkämpfer-Lehrgang. Nun soll der Lehrgang in diesem Jahr zugunsten anderer Ausbildungsgänge gekürzt werden. Darüber berichtete am 15. März erstmalig die Zeitung Stuttgarter Nachrichten. Am 20 März war die Reduzierung der Einzelkämpfer-Lehrgänge für dieses Jahr auch Thema eines Nachrichtenbeitrags des Bayerischen Rundfunks.

Der Lehrgang „Einzelkämpfer“ umfasst die Ausbildung von Bundeswehrangehörigen für die Bereiche „Überleben und Durchschlagen“ sowie „Jagdkampf“. Der Lehrgang besteht derzeit aus zwei Ausbildungsabschnitten: dem vierwöchigen Grundlehrgang „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“ sowie dem darauf aufbauenden Leistungslehrgang „Führer eines Jagdkommandos/einer unterstellten Teileinheit“.

Beide Einzelkämpfer-Ausbildungsteile werden am Ausbildungszentrum Infanterie des deutschen Heeres im fränkischen Hammelburg durchgeführt.

Ausbilder aus Hammelburg momentan zu anderen Lehrgängen abkommandiert

Laut Stuttgarter Nachrichten sollen 2019 in Hammelburg statt der üblichen 20 Lehrgänge Typ 1 (Grundlehrgang) für etwa 600 bis 700 Teilnehmer nur acht Kurse angeboten werden, an denen etwa 200 Soldaten teilnehmen können. Statt der geplanten vier Kurse des sechswöchigen Teils 2 (aufbauender Leistungslehrgang) soll es nur einen Kurs geben.

Der Bayerische Rundfunk bestätigte diese Details am 20. März in seiner Nachrichtensendung BR24 und berichtete, dass ein Pressesprecher des Ausbildungszentrums dafür auch eine Erklärung geliefert habe. So solle derzeit nur „die unbedingt nötige Ausbildung“ stattfinden, während man „temporär entbehrliche Ausbildung“ aufschieben und zu einem späteren Zeitpunkt nachholen wolle. Der Grund dafür sei, dass Ausbilder aus Hammelburg momentan an anderer Stelle eingesetzt werden müssten. Geschuldet sei diese Maßnahme der 2016 bei der Truppe ausgerufenen und eingeleiteten „Trendwende Personal“, durch die nun eine größere Anzahl neuer Feldwebelanwärter ausgebildet werden müsse. Dies würden jetzt – so gibt der BR den Hammelburger Sprecher wieder – übergangsweise die Einzelkämpfer-Ausbilder des Ausbildungszentrums übernehmen. Sie müssten die neuen Feldwebelanwärter vor allem im Kurs „Militärfachlicher Teil A“ betreuen.

Wehrbeauftragter warnte bereits in seinem Jahresbericht 2017

Das Ausbildungszentrum Infanterie schätzt seine Personallage derzeit als „positiv“ ein. Vier von fünf Stellen im Bereich der Unteroffiziere seien besetzt. So berichtet es der BR. Die Stuttgarter Nachrichten hatten am 15. März das Verteidigungsministerium zitiert, das die Lage in Hammelburg als „noch ausreichend“ einstuft.

Hans-Peter Bartels, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, hatte die Ausbildungseinrichtung in Hammelburg am 6. Juni 2017 besucht und sich ein persönliches Bild vom Personalstand machen können. In seinem Jahresbericht 2017 heißt es, dass in Hammelburg „zuweilen aufgrund eines Mangels an Ausbildungspersonal Lehrgänge nicht oder nicht zeitgerecht durchgeführt werden können“. Schon vor gut zwei Jahren seien im Ausbildungszentrum 118 Offizier- und Feldwebelstellen nicht besetzt gewesen. Das noch vorhandene Personal sei nicht in der Lage, jeden Lehrgang durchzuführen. Dies betreffe besondere Zusatzmodule wie beispielsweise den Schießlehrerlehrgang „Handwaffen“ oder einzelne Durchgänge des Einzelkämpfer-Lehrgangs.

Der Wehrbeauftragte warnte damals bereits: „Verschärft wird die Personallage in absehbarer Zeit noch dadurch, dass Personal für die Ausbildung an die Feldwebel-/Unteroffizieranwärter-Bataillone abgestellt werden muss. Zudem werden auch in Hammelburg ab Mitte 2018 steigende Lehrgangsteilnehmerzahlen erwartet.“ Das Verteidigungsministerium habe diese Lücken zwar bestätigt, so Bartels im Jahresbericht 2017. Der Besetzungsgrad in Hammelburg mit insgesamt 73 Prozent sei von der Führung aber als „noch ausreichend“ bewertet worden (an dieser Einschätzung hat sich bis heute – siehe Stuttgarter Nachrichten – nichts geändert). Das Ministerium habe mitgeteilt, dass bei Bedarf Truppenteile des Heeres das Ausbildungszentrum unterstützen würden. „Solche Verschiebemanöver können keine dauerhafte Lösung der Personalprobleme darstellen“, kritisierte der Wehrbeauftragte die angedachte Alternative.


Unser Bild zeigt eine historische Ausbildungsunterlage der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt, im Hintergrund Bundeswehrsoldaten bei ihrer Einzelkämpfer-Abschlussübung im Spessart im Sommer 2015. Der erste Lehrgang zum Einzelkämpfer wurde 1957 von der Schule in Altenstadt (Oberbayern) durchgeführt. Seit 2014 finden die Einzelkämpfer-Lehrgänge 1 und 2 (Grundlehrgang und Leistungslehrgang) in Hammelburg statt.
(Foto: Matthias Schätte/Main-Echo; Bildmontage mediakompakt)

Kleines Beitragsbild: Einzelkämpfer-Abzeichen Stufe 1 (Grundlehrgang).
(Bild: nr; Gestaltung: mediakompakt)


Kommentare

  1. Dr. - Ing. U. Hensgen | 29. März 2019 um 10:53

    Dieses Dilemma war absehbar! Meines Wissens nach gibt es beim Bundesheer in Österreich und bei der Französischen Armee Lehrgänge, die eine ähnliche Zielsetzung verfolgen. Vielleicht kann man ja dort einige unserer Soldaten ausbilden lassen. Bei der Heeresbergführerausbildung funktioniert dies ja sehr gut.
    Es wäre für die Soldaten der Bundeswehr vielleicht eine positive Erfahrung, von Leuten ausgebildet zu werden, die den Rückhalt der eigenen Vorgesetzten und der politischen Führung genießen.

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