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Berlin/Koblenz/Düsseldorf. Das Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) vergab am 11. Juli an den Konzern Rheinmetall Rüstungsaufträge rund um den Schützenpanzer Puma in einem Gesamtwert von etwa einer halben Milliarde Euro brutto. Dies gab die Rheinmetall Group am heutigen Montag (22. Juli) in einer Pressemitteilung bekannt. Die Aufträge haben mit Deutschlands NATO-Verpflichtung „Very High Readiness Joint Task Force“ im Jahr 2023 (VJTF 2023) zu tun. Konkret geht es um das Projekt „System Panzergrenadier VJTF 2023“. Rheinmetall übernimmt bei der modernen Ausstattung des VJTF-Anteils der Bundeswehr im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft eine führende Rolle. Die Arbeiten haben bereits begonnen und sollen bis zum Ende der VJTF-Bereitschaftsphase im Jahr 2024 fortgeführt werden.

Die VJTF gehört mit ihren rund 5000 Soldaten in höchster Bereitschaft zur NATO Response Force (NRF), einer Eingreiftruppe für weltweite Einsätze, bestehend aus Land-, Luft -, See- und Spezialkräften. Die Bündnismitglieder stellen auf Rotationsbasis die Kräfte für die Speerspitze zur Verfügung. 2023 wird die Bundeswehr wieder eine führende Rolle in der VJTF übernehmen.

Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) „Puma“ ist ein Zusammenschluss zwischen der Rheinmetall Electronics GmbH und dem Schützenpanzer-Hersteller PSM Projekt System Management GmbH. Die PSM GmbH, die ihren Sitz in Kassel hat, wurde 2002 gegründet und ist ein Joint-Venture der Rheinmetall Landsysteme GmbH und der Krauss-Maffei Wegmann GmbH und Co. KG. Beide Unternehmen halten 50 Prozent der PSM-Anteile. Die Unterbeauftragungen innerhalb der ARGE „Puma“ sollen Rheinmetall zufolge in Kürze erfolgen.

Kampfwertsteigerung von 41 Schützenpanzern Puma

Das „System Panzergrenadier“ bindet den Schützenpanzer Puma, das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere, und die modulare Kampfausstattung „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES) in die Vernetzte Operationsführung ein.

Zu den Leistungen im Rahmen des „Systems Panzergrenadier VJTF 2023“ gehören laut Rheinmetall umfangreiche Kampfwertsteigerungen von 41 Schützenpanzern Puma sowie weitere Maßnahmen zur besseren Vernetzung von Schützenpanzern und abgesessenen Panzergrenadieren. Der Gesamtwert dieser Beauftragung für Rheinmetall beläuft sich nach Angaben des Konzerns auf 258,3 Millionen Euro brutto. Die Systeme sollen Ende 2020/Anfang 2021 ausgeliefert werden.

Erheblicher Fähigkeitszuwachs durch Lenkflugkörper MELLS

Wie der Pressemitteilung weiter zu entnehmen ist, umfasst das Auftragspaket unter anderem die komplette logistische Versorgung der „VJTF-Pumas“ – Ersatzteile, Sonderwerkzeuge sowie die Ersatzteillogistik – über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Enthalten ist auch eine neue Generation digitaler Funkgeräte für die Schützenpanzer sowie die Einrüstung des Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystems (MELLS), das dem Puma einen erheblichen Fähigkeitszuwachs geben soll.

Zum beauftragten Leistungspaket gehört auch die Einrüstung neuer Tagsicht- und Wärmebildkameras sowie Farbdisplays. Dazu Rheinmetall: „Durch die optimierte Tag- und Nachtsicht wird die Aufklärungsreichweite gesteigert und der Besatzung ein erweiterter Sichtbereich gegeben. Ebenso werden neue Ausbildungsmittel bereitgestellt, um eine realitätsnahe Ausbildung des Verbandes zu ermöglichen.“

Führungsfähigkeit vom Einzelschützen bis zum Kompaniechef

Eng verknüpft mit den Hardware-Einrüstungen der neuen Optronik-Systeme und Monitore für die Schützenpanzer ist der Vertrag für die bereits angelaufene Entwicklung der „Sichtmittelverbesserung Fahrgestell“. Nach Angaben von Rheinmetall hat dieser Auftrag einen Wert von 67,2 Millionen Euro brutto.

Rheinmetall wird zudem die Panzergrenadierkompanien der VJTF 2023 mit dem einheitlichen Führungs- und Informationssystem (Battle Management System, BMS) „TacNet“ ausstatten.

Ebenso werden zunächst zehn Zugsysteme IdZ-ES auf den Standard „IdZ-ES K-Stand VJTF 2023“ gebracht. Puma-Besatzung und abgesessener Schützentrupp erhalten durch die bessere Vernetzung ein gleiches aktuelles und umfassendes Lagebild. „Ermöglicht wird so die Führungsfähigkeit der Panzergrenadiere vom Einzelschützen bis zum Kompaniechef“, erklärt Rheinmetall dazu. Mit diesen Modernisierungen sind, so das Düsseldorfer Unternehmen, Auftragseingänge von 146,5 Millionen Euro brutto verbunden.

Das „System Panzergrenadier VJTF 2023“ erhöht nach Ansicht von Rheinmetall die Kampfkraft der VJTF 2023 „erheblich“. Die Modernisierung der Führungsfähigkeit der gesamten Panzergrenadierkompanie und des IdZ-ES auf den „K-Stand VJTF 2023“ umfasst einige Anpassungen der Hard- und Software. Wesentliche Neuerungen sind demnach der Verzicht auf den „Elektronischen Rücken“ sowie neue moderne Funkgeräte für abgesessene Soldaten und Schützenpanzer, die die Führungsfähigkeit verbessern und den geschützten Austausch großer Datenmengen ermöglichen sollen (siehe auch hier).

Vernetzung der Sensoren und Effektoren ganzer Einheiten und Verbände

Zur Entwicklung der neuen Sichtmittel und deren Integration in den Puma erklärt der Hersteller: „Zunächst sollen fünf Sätze ,Erstmuster-Baugruppen‘ gefertigt und in fünf Serienfahrzeuge integriert werden. Diese Arbeiten sollen bis 2022 abgeschlossen sein. Anschließend erfolgt bis 2023 die Nachweisführung bei den Wehrtechnischen Dienststellen.“

Die Digitalisierung der Sichtmittel geht nach Auskunft von Rheinmetall außerdem im Puma einher mit der Implementierung der NATO Generic Vehicle Architecture, kurz NGVA. (Anm.: Aktuelle und künftige Digitalisierungsvorhaben unter anderem im Bereich der Führungssysteme von NATO-Gefechtsfahrzeugen setzen auf offene Architektur, die sich am neuen Standardisierungsabkommen NATO Generic Vehicle Architecture – NGVA STANAG 4754 – orientiert. Die NGVA spezifiziert die Verteilung, Verarbeitung und Speicherung von Sensordaten im Fahrzeug und dient somit der Vereinheitlichung der IT-Schnittstellen militärischer Landfahrzeuge.)

Der Konzern-Pressetext endet mit dem Hinweis: „Die nun begonnene Vernetzung der Sensoren und Effektoren eines Einzelfahrzeugs ermöglicht schon in Kürze die Vernetzung der Sensoren und Effektoren ganzer Einheiten und Verbände. Damit gehört der Puma zu den ersten digitalisierten Gefechtsfahrzeugen weltweit.“


Die Aufnahme zeigt sechs abgesessene Panzergrenadiere der Bundeswehr vor ihrem Schützenpanzer Puma.
(Foto: Ralph Zwilling/tank-masters.de, Rheinmetall Group)


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