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München/Berchtesgaden/Bad Reichenhall. Gesperrte Straßen, isolierte Ortschaften, Lawinengefahr: Massive Schneefälle sorgen seit einigen Tagen in Teilen Bayerns, Baden-Württembergs und Sachsens für dramatische Situationen. Das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr hatte deshalb auch am Mittwoch (9. Januar) für mehrere Dienststellen und Verbände den militärischen Katastrophenalarm ausgelöst. Bis zum heutigen Samstagabend waren vor allem im Alpenraum rund 1132 Bundeswehrangehörige im Schneechaos im Einsatz, unter ihnen rund 520 Reservisten. Die Soldaten befreiten Hausdächer von der weißen Last, versorgten eingeschlossene Bewohner und übernahmen Transportaufgaben sowie medizinische Notversorgung. Ein Ende des Hilfseinsatzes ist nicht in Sicht. Dem Wetterbericht zufolge soll es nach einer kurzen Pause dann von Sonntag bis Dienstag am Alpennordrand durchgehend schneien.

Mit Auslösung des militärischen Katastrophenalarms werden ausgewählte Truppenteile der Bundeswehr in erhöhte Bereitschaft versetzt. Grundlage für den Einsatz ist der Artikel 35 Grundgesetz, Absatz 1, der technisch-logistische Unterstützung im Zuge der Amtshilfe vorsieht – beispielsweise bei schweren Unglücksfällen oder Naturkatastrophen (erinnert sei an das Oder-Hochwasser im Jahr 1997 oder an das der Elbe im Jahr 2002).

Ein Ministeriumssprecher wies gegenüber Medienvertretern ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei der Hilfeleistung der Bundeswehr in den betroffenen Schneegebieten „nicht um einen Einsatz“ (im Inneren) handele und auch „keine hoheitlichen Aufgaben“ übernommen würden. Angefordert werden muss die Amtshilfe von den zuständigen Behörden oder von Polizei und Feuerwehr, denn Katastrophenhilfe ist Ländersache.

Schüler in Berchtesgaden mit dem Kettenfahrzeug in Sicherheit gebracht

Inzwischen ist in fünf bayerischen Landkreisen der Katastrophenfall ausgerufen worden. Betroffen sind die Kreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Berchtesgadener Land, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Traunstein. Die Bundeswehr unterstützt hier die zivilen Rettungskräfte unter anderem mit geländegängigen Fahrzeugen beim Abtransport der Schneeberge aus den Ortschaften. Für Rettung und Versorgung von Personen werden Überschneefahrzeuge des Typs Bv206S Hägglund eingesetzt.

Bereits am Dienstag (8. Januar) hatten Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen auf der Buchenhöhe in Berchtesgaden eingeschneiten Schülern geholfen. Der Bürgermeister von Berchtesgaden hatte ein Eilhilfe-Ersuchen gestellt. Die Gebirgsjäger waren bei der Aktion mit drei Hägglund im Einsatz.

Hubschrauber befreit zahlreiche Bäume von schwerer Schneelast

Besonders heikle Aufgaben warteten heute auf eine Helikopterbesatzung vom Hubschraubergeschwader 64 aus Laupheim. Die Piloten nahmen in der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall einen Heeresbergführer und einen Sprengmeister der Pioniertruppe an Bord ihrer H145M und starteten zum Flug in die Alpen. Eine ihrer Missionen war es, im Gemeindebereich Ruhpolding einen kontrollierten Lawinenabgang auszulösen.

Danach befreiten die Piloten mit dem sogenannten „Downwash“, dem Abtrieb der Rotoren des Mehrzweckhubschraubers, zahlreiche Bäume von der drückenden Schneelast. Der Einsatz führte die Hubschrauberbesatzung in den Raum Siegsdorf und Reit im Winkl.

Alles in allem waren am heutigen Samstag etwa 1700 Soldaten aus allen Einheiten der Gebirgsjägerbrigade 23 im Einsatz oder in Bereitschaft. Verstärkung bekamen sie von Soldaten des Ausbildungsstützpunkts „Gebirgs- und Winterkampf“, vom Informationstechnikbataillon 293 aus Murnau am Staffelsee, von der Luftwaffe, dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und von Reservisten der Streitkräftebasis in den regionalen Krisenstäben.

Neuschnee, teilweise Regen und hohe Lawinengefahr

Nach einer kurzen Verschnaufpause soll es laut Wetterdienst am Nordrand der Alpen bis zum kommenden Dienstagvormittag praktisch durchgehend schneien. Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) beispielsweise erwartet zwischen 20 bis 60 Zentimeter Neuschnee in den Tälern, auf den Bergen bis Dienstag zwischen 100 bis 150 Zentimeter. Durch den kräftigen Wind wird der Neuschnee – so die Vorhersage der ZAMG – stark verweht, auch die Lawinengefahr steigt.

Zwischenzeitlich soll es auch etwas wärmer werden. In tiefen Lagen kann der Niederschlag daher vorübergehend auch als Regen fallen. Das verbessert die Lage keinesfalls, denn die enormen Schneelasten auf den Dächern und Bäumen sind schon jetzt problematisch.

Die ZAMG weist darauf hin, dass mit zunehmender Feuchtigkeit des Schnees auch dessen Last immer größer wird. Pulverschnee, der bei niedrigen Temperaturen fällt, wiegt zwischen 30 und 50 Kilogramm pro Kubikmeter, feuchter Altschnee etwa das Zehnfache.


Zu unserem Bildangebot:
1. Soldaten am 12. Januar 2019 auf einem Haus im Berchtesgadener Ortsteil Buchenhöhe – die Schneemassen müssen entfernt werden, um die Dachkonstruktion zu schützen.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr)

2. Unsere Infografik zeigt die Einsatzorte der Bundeswehr in Bayern; die Darstellung ist eine Momentaufnahme mit Stand 12. Januar 2019, 18 Uhr. Hintergrundbild: Soldaten beim Einsatz in Berchtesgaden/Buchenhöhe am 12. Januar 2019.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr; Infografik © Christian Dewitz/mediakompakt 01.19)

3. Der Bv206S Hägglund am 11. Januar 2019 in Bad Reichenhall.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr)

4. Hilfe der Bundeswehr am 11. Januar 2019 in Berchtesgaden/Buchenhöhe.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr)

5. Bundeswehrsoldaten räumen am 11. Januar 2019 in Bad Reichenhall das Dach des Familienbades „Watzmann Therme“ von der Schneelast.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr)

6. 12. Januar 2019 – Start des Mehrzweckhubschraubers H145M in der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr)

Kleines Beitragsbild: Bundeswehrsoldaten räumen am 12. Januar 2019 in Berchtesgaden meterhohen Schnee von einem Hausdach.
(Foto: Jonas Weber/Bundeswehr)


Kommentare

  1. Dr.-Ing. U. Hensgen | 14. Januar 2019 um 16:57

    Schön, dass es mal Berichte und Nachrichten gibt, die die Bundeswehr im positiven Licht erscheinen lassen. In solchen Katastrophenfällen zeigt es sich für jeden Bürger, dass die Streitkräfte Nützliches für unsere Gesellschaft leisten. Selbst Gegner werden es in diesen Fällen nicht bestreiten können.
    Es bleibt zu hoffen, dass der Journalismus auch weiterhin die positiven Seiten der Bundeswehr stärker darstellt. Selbstverständlich haben die Medien die Aufgabe über Missstände und Probleme in der Truppe zu berichten, aber es gäbe immer wieder auch viel Positives zu berichten, was meines Erachtens aber oft nur in einer Randnotiz oder gar nicht geschieht.
    Die Medien müssen mehr bestrebt sein, ausgewogen zu berichten, egal ob ihnen eine Seite mehr zusagt oder nicht. Vielleicht sollte aber die Bundeswehr auch mehr klappern, denn „Klappern gehört zum Handwerk“.

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