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Taufkirchen. Das Unternehmen Hensoldt, das zu den Marktführern auf dem Gebiet ziviler und militärischer Sensorlösungen zählt, hat jetzt den 300. Sensorrüstsatz des Selbstschutzsystems MUSS (Multifunctional Self-protection System) für den Schützenpanzer Puma des Heeres ausgeliefert. Bisher wurden insgesamt 1500 Geräte produziert – 1200 Sensorköpfe und 300 Zentraleinheiten. Die Hensoldt-Division „Optronics“ steuerte zudem Waffenoptronikanlagen, Periskope und Fahrersichtgeräte zum Puma-Programm bei. Laut Vertrag sollen bis zum Jahr 2020 alles in allem 342 MUSS-Sensorrüstsätze an die Hauptauftragnehmer Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall geliefert werden.

„Elektronische Schutzsysteme wie MUSS bieten noch nie dagewesene Möglichkeiten, Panzerfahrzeuge wie zuvor bereits Flugzeuge oder Hubschrauber gegen Angriffe zu schützen“, versichert Hensoldt-Chef Thomas Müller. „Im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen können wir die Schutzwirkung damit deutlich steigern – und das ohne zusätzliches Gewicht oder das Risiko von Kollateralschäden um das Fahrzeug herum.“

MUSS senke die Wahrscheinlichkeit „drastisch“, von einem Panzerabwehr-Lenkflugkörper oder einer lasergelenkten Waffe getroffen zu werden, und sei derzeit weltweit das einzige aktive Softkill-Schutzsystem im operativen Einsatz in Bodenfahrzeugen. Es garantiere ein Schutzniveau, das mit passiver Panzerung bei gleichem Gesamtgewicht nicht zu erreichen sei und verhindere gleichzeitig Kollateralschäden, so Müller weiter.

Das Selbstschutzsystem bleibt für den Gegner „unsichtbar“

Abstandsaktive Schutzsysteme wie MUSS neutralisieren eine Bedrohung, ehe diese ein Fahrzeug zerstören kann. Hierzu detektieren sie das gegnerische Waffensystem und reagieren in nicht zerstörerischer Form („soft“), indem sie sie täuschen oder einen Steuerungsmechanismus stören.

Jedes MUSS-Selbstschutzsystem umfasst vier Warnsensoren, eine Zentraleinheit, einen Infrarotstörer, eine Störelektronik und einen Nebelwerfer. Der Warnsensor detektiert anfliegende Flugkörper und auf das Fahrzeug gerichtete Laserstrahlen. Daraufhin werden von der Zentraleinheit Infrarot-Maßnahmen zur Störung der Flugkörpersteuerung und/oder pyrotechnische Gegenmaßnahmen ausgelöst.

MUSS arbeitet sehr diskret, hat also keine nennenswerte Auswirkung auf die Strahlung eines Fahrzeugs wie den Puma, da es nur passive Sensoren und einen Infrarotstörer mit kurzer Aktivierungszeit verwendet. Das Selbstschutzsystem kann weder visuell noch thermografisch aufgespürt werden.

Das Unternehmen Hensoldt hat eigenen Angaben zufolge zuletzt mit etwa 4500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro erwirtschaftet.


Zu unserem Bildmaterial: Unsere Montage zeigt (links) den Infrarot-Störsender des Systems MUSS auf einem Puma, daneben (rechts) zwei der MUSS-Sensoren am Puma.
(Fotos: Boevaya mashina/Wikipedia/Wikimedia Commons/unter Lizenz CC BY-SA 4.0 –
vollständiger Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/;
Bildmontage: mediakompakt)

Kleines Beitragsbild: Schützenpanzer Puma am 8. August 2014 im Rahmen der taktischen Einsatzprüfung auf dem Truppenübungsplatz in Bergen. Die Komponenten des MUSS-Systems sind deutlich zu erkennen.
(Foto: Jane Hannemann/Bundeswehr)


Kommentare

  1. Klaus | 14. September 2019 um 10:30

    Danke an die Redaktion für den Bericht. Gibt es schon Informationen, wann die ersten auf Version Leopard 2 A7V modernisierten Kampfpanzer von der Industrie an die Truppe geliefert werden? Werden diese Panzer später noch einen Selbstschutz bekommen (beispielsweise ähnlich dem des Puma), oder schickt man die Besatzungen ohne diese enorm überlebenswichtige Ausstattung in einen jederzeit möglichen Konflikt?
    Bis der Nachfolger des Leopard in der Bundeswehr eingeführt ist, dauert es noch viel zu lange. Aktiver Selbstschutz – ähnlich dem des Puma – sollte meiner Meinung nach möglichst schnell an unseren Leopard 2 A7V realisiert werden. Wenn nicht, dann eben kurzfristig mit dem an anderer Stelle bereits angesprochenen System von Deisenroth.

    • Redaktion | 17. September 2019 um 20:36

      Lieber Leser,
      wir haben das Presse- und Informationszentrum des Heeres gebeten, uns bei der Beantwortung Ihrer Fragen zu helfen. „Glücklicherweise“, so schrieben die Strausberger Kameraden, „war der zuständige Referent im Hause und konnte eine schnelle Zuarbeit leisten“. Für die rasche und erschöpfende Antwort möchten wir uns bei alle Beteiligten herzlich bedanken!
      __________

      1. Auslieferung der ersten auf Version Leopard 2 A7V modernisierten Kampfpanzer von der Industrie an die Truppe:
      – Die Auslieferung des ersten A7V wird am 29. Oktober 2019 im Rahmen einer großen Veranstaltung der Firma Krauss-Maffei Wegmann (KMW) in München erfolgen.
      – Dieser Kampfpanzer ist ein Erprobungsmodell für das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und steht der Truppe nicht zur Verfügung.
      – Die nächsten zehn A7V werden zum Ende 2020 für die taktische Einsatzprüfung ausgeliefert.
      – Bei positivem Ergebnis der taktischen Einsatzprüfung werden die ersten Kampfpanzer Leopard 2 A7V für die Truppe 2021 ausgeliefert und für die Ausbildung verfügbar sein.

      2. Zu einem möglichen Selbstschutz:
      – Derzeit ist die Entwicklung und Serienfertigung des Advanced Protection System (APS) Trophy der israelischen Firma Rafael Advanced Defense Systems Ltd. für die ersten Fahrzeuge der Kampfpanzer-Flotte in der Realisierung.
      – Absicht ist es, die gesamte Kampfpanzer-Flotte mit diesem System auszurollen.

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