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Schrobenhausen. Premiere in Oberbayern – auf dem Testgelände Freinhausen des Unternehmens MBDA Deutschland wurde Anfang September erstmals in Deutschland das Multifunktions- und Feuerleitradar (Multifunction Fire Control Radar, MFCR) von MEADS in Betrieb genommen. Das MFCR ist ein X-Band-, Solid-State-, Phased-Array-Radar, das mit hochleistungsfähigen Sende- und Empfangsmodulen arbeitet. Es ermöglicht eine präzise Ortung und Klassifizierung von Flugzielen. Aufgrund seiner Plug-and-Fight-Fähigkeit operiert das Radar als Teil des MEADS-Netzwerks (Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsystem MEADS: Medium Extended Air Defense System).

Die zweitägige Demonstration verfolgten aufmerksam Vertreter der deutschen Luftwaffe, des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), der NATO Medium Air Defence System Management Agency (NAMEADSMA) und des United States Lower Tier Project Office (US LTPO; unter anderem zuständig für das Patriot-Programm und die US-Anteile beim MEADS-Programm). Auch das Unternehmen MEADS International, an dem Lockheed Martin aus den USA sowie MBDA Italien und Deutschland beteiligt sind, hatte Beobachter im Testzentrum.

Das MEADS-Team führte in Freinhausen die neuen Funktionalitäten des Radars vor. Diese waren seit dem erfolgreichen Abfangtest am 6. November 2013 auf der White Sands Missile Range in New Mexico/USA neu implementiert worden (bei diesem Test hatte das Raketenabwehrsystem MEADS zwei gleichzeitig herankommende Ziele, die aus unterschiedlichen Richtungen angriffen, abgefangen und zerstört).

Hoher technologischer Reifegrad des Gesamtsystems MEADS

Die neuen Funktionen des 360-Grad-Multifunktionsfeuerkontrollradars von MEADS beinhalten unter anderem die Erkennung, Verfolgung und Unterdrückung eines elektronischen Störers sowie die Fähigkeit, Ziele in unübersichtlichen Regionen und starken Störeinflüssen („Clutter“) verfolgen zu können. Vorgeführt wurden bei dem Industrietermin in Freinhausen auch die erweiterten Radar-Suchfunktionen.

Über die MFCR-Demonstration in ihrem Testzentrum für Luftverteidigungssysteme urteilt das Unternehmen MBDA Deutschland: Diese Vorführung „reiht sich in die Serie der bisherigen Testerfolge im Rahmen des trinationalen MEADS-Entwicklungsprogramms ein und zeigt den hohen technologischen Reifegrad des Systems. Alle Technologien von MEADS stehen Deutschland als Basis für das zukünftige Taktische Luftverteidigungssystem – TLVS – zur Verfügung.“

Ein 360-Grad-Rundumschutz ohne toten Winkel

Das Multifunktions- und Feuerleitradar besitzt ein neues Mode-5-Subsystem zur Freund-Feind-Erkennung. Damit wird die Identifizierung und Typisierung von Bedrohungen wesentlich verbessert. Durch seinen 360-Grad-Rundumschutz ohne tote Winkel ist das MFCR zudem in der Lage, auch „modernste“ Bedrohungen zu erkennen und zu verfolgen. Ein Sprecher von MBDA weist auch noch auf zwei weitere entscheidende Systemvorteile hin: „Im Gegensatz zu anderen Radaren bietet das MEADS-MFCR hohe Mobilität und kann mit Lockheed C-130 Hercules und Airbus A400M Atlas verlegt werden. Zudem kann das MFCR – im Falle eines extrem schnellen Einsatzes – sowohl Überwachungs- als auch Feuerleitfunktionen übernehmen, bis ein Überwachungsradar eingebunden wird.“

Wie eingangs bereits erwähnt, arbeitet das MFCR dank seiner Plug-and-Fight-Fähigkeit als Teil des MEADS-Netzwerkes. Mit dem MEADS-Gefechtsstand können je nach Lage dynamisch Sensoren und Lenkflugkörper entfernt oder hinzugefügt werden, ohne das Gesamtsystem herunterzufahren.

MEADS gilt als äußerst leistungsfähiges Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsystem zur Abwehr von taktisch ballistischen Raketen, Marschflugkörpern, Massenvernichtungswaffen, Kampfflugzeugen und unbemannten Luftfahrzeugen (siehe auch hier).


Randnotiz                                  

Das MBDA-Testzentrum für Luftverteidigungssysteme in Freinhausen gilt in Europa als einzigartig. Auf dem Gelände können Luftverteidigungselemente wie Sensoren, Startgeräte und Führungssysteme vernetzt und unter realistischen Rahmenbedingungen erprobt werden. Darüber hinaus ist ein aktiver 360-Grad-Sendebetrieb von Radaren möglich.
Die datentechnische Anbindung des Standortes Freinhausen an den MBDA-Firmensitz Schrobenhausen bietet die Möglichkeit für dislozierte Integrations- und Testaktivitäten. Dies ist besonders bedeutsam für eine Anbindung des zukünftigen MEADS System Integration Laboratory (SIL) in Schrobenhausen mit den Testfähigkeiten in Freinhausen.
Auf dem heutigen Firmenareal befand sich in den Jahren 1990 bis 2001 die sogenannte Friedensausbildungsstellung (FAS) der 3. Staffel Flugabwehrraketengruppe 34. Gebaut worden war die FlaRak-Stellung auf dem Gebiet der oberbayerischen Gemeinden Freinhausen (Hohenwart) und Starkertshofen (Reichertshofen) in den Jahren 1968 bis 1969. Damals existierte die am 31. Dezember 2002 aufgelöste Flugabwehrraketengruppe 34 noch als Flugabwehrraketenbataillon 34.
Nach Aufgabe der Stellung Freinhausen durch die Bundeswehr im Jahr 2001 erwarb das Unternehmen LFK-Lenkflugkörpersysteme GmbH, die heutige MBDA Deutschland GmbH, das Gelände. Genutzt wurde und wird es hauptsächlich als Test- und Referenzanlage (TuRA) für das Flugabwehrraketensystem Patriot.


Unsere beiden Aufnahmen zeigen das Multifunktions- und Feuerleitradar (MFCR) des Systems MEADS im Testzentrum von MBDA in Freinhausen.
(Fotos: MBDA Deutschland GmbH)


Kommentare

  1. N. R. | 12. September 2014 um 12:35

    Das Photo ist nicht in Freinhausen gemacht worden, sondern zeigt die beiden MEI vor der Integrationshalle am MBDA Standort Schrobenhausen.

    • Redaktion | 13. September 2014 um 21:08

      Lieber Leser.
      wo Sie recht haben, haben Sie recht! Eine Nachfrage bei MBDA Deutschland hat ergeben, dass die Großgeräte in der Tat zum Zeitpunkt der Aufnahme vor der Integrationshalle in Schrobenhausen standen. Von den späteren Tests mit diesen Major End Items (MEI) hat MBDA, so wurde uns mitgeteilt, „leider keine freigegebenen Fotos zur Verfügung“ …

  2. N.R. | 14. September 2014 um 22:32

    Liebe Redaktion,
    gerne geschehen. Was hätte das MFCR mit seinem „360-Grad-Rundumschutz“ auf dem Bild oben denn sehen sollen? Fuchs und Hase im Wald dahinter?

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