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Berlin. Durch die Neuausrichtung der Streitkräfte ergeben sich „absehbar keine Konsequenzen für die Sportförderung“ der Bundeswehr. Die 15 Sportfördergruppen bleiben bestehen, lediglich die Sportfördergruppe Altenstadt in Bayern wird nach Oldenburg in Niedersachsen verlegt. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung vom 3. Januar auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Der parlamentarische Auftrag zur Förderung des Spitzensports auch durch das Militär wurde 1968 verabschiedet. Seitdem ist die Bundeswehr einer der wichtigsten Arbeitgeber für Spitzensportler.

Besonders deutlich war dies erst wieder am 8. Oktober vergangenen Jahres geworden. An diesem Montag hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin rund 120 Sportsoldaten für ihre herausragende Leistung mit einer Medaille geehrt. Anwesend waren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Olympischen Spiele in London, der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki und der Biathlon-Weltmeisterschaft in Ruhpolding. Insgesamt hatten die Sportsoldaten dort mehr als 30 internationale Medaillen geholt. Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung der Sportförderung der Bundeswehr für den deutschen Spitzensport. Auch Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hatte dies so in Berlin gewertet. „Der DOSB ist auf die Förderung der Bundeswehr im Bereich des Leistungssports angewiesen“, erklärte Vesper bei der Sportlerehrung.

Sporterfolge dienen der gesamtstaatlichen Repräsentation

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Spitzensportförderung von öffentlichem und nationalem Interesse. Dazu das Bundesinnenministerium: Diese Förderung „ist unter anderem dadurch legitimiert, dass Erfolge deutscher Athletinnen und Athleten bei internationalen Wettbewerben im In- und Ausland das Bild Deutschlands in der Welt mitprägen und damit der gesamtstaatlichen Repräsentation dienen.“

Die staatliche Spitzensportförderung erfolgt durch Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll. Dies ermöglicht den Spitzensportlern – ungeachtet der verschiedenen Ausbildungsgänge – die Vereinbarkeit von Leistungssport und beruflicher Karriereplanung. Die jeweiligen Konzeptionen der Ressorts bieten ihnen eine umfassende Auswahlmöglichkeit entsprechend ihrer Vorbildung, ihres Lebensalters und den jeweiligen Berufs- und Ausbildungswünschen. Die Bundesregierung weist auch auf einen wichtigen Nebeneffekt des deutschen Fördermodells hin: „Erfolge von Athletinnen und Athleten aus den Sportfördereinrichtungen bei internationalen Wettkämpfen sind auch geeignet, der eigentlichen Aufgabenerfüllung von Bundespolizei, Bundeswehr und Zoll zu dienen. Sie steigern das öffentliche Ansehen und die Akzeptanz der Aufgabenerfüllung dieser Einrichtungen, indem diese auch durch Erfolge im Sport in der Öffentlichkeit präsent sind.“

Förderplätze meist zu 100 Prozent vergeben

Die Bundeswehr stellt dem Deutschen Olympischen Sportbund zur Förderung der Spitzenverbände derzeit 744 Förderplätze (inklusive sechs Plätze für paralympische Sportarten) zur Verfügung. 2007 hatte sich das Verteidigungsministerium für eine Übergangsphase bereit erklärt, die zunächst nur für das Jahr 2008 vereinbarte flexible Ausschöpfung der Obergrenze von seinerzeit bis zu 824 Förderplätzen bis einschließlich der Olympischen Winterspiele 2010 im kanadischen Vancouver zu ermöglichen. Die Anzahl der Bundeswehr-Förderplätze wurde nach den Olympischen Sommerspielen 2012 in London wieder auf die festgelegte Zielgröße von bis zu 744 zurückgeführt.

Die Umfänge an Spitzensport-Förderplätzen in der Bundeswehr werden regelmäßig zu 100 Prozent ausgeplant. Durch unterschiedliche sportartspezifische Diensteintritts- und Entlassungstermine kommt es jedoch zu Unterschreitungen der Obergrenze und somit auch zu geringeren Jahresdurchschnittswerten. Die Besetzung der Förderplätze erfolgt ausschließlich mit Bundeskaderathleten und Trainern mit Bundesaufgaben. Im Jahresdurchschnitt stellte die Bundeswehr in den Jahren 2008 bis 2012 zwischen 707 und 761 Förderplätze zur Verfügung (siehe dazu unsere Infografik 1).

Vereinbarkeit von Spitzensport und Beruf

Zahlreiche Spitzensportler der Bundeswehr erreichten in ihrem jeweiligen Förderzeitraum zusätzliche berufliche Qualifikationen. Im Zeitraum 2008 bis 2012 waren dies insgesamt 2379 Frauen und Männer. Dabei wurden 2353 berufliche Qualifikationen innerhalb und 26 berufliche Qualifikationen außerhalb der Bundeswehr erworben (Infografik 2). Für geförderte Sportsoldaten besteht eine enge Zusammenarbeit, Beratung und Begleitung durch den Berufsförderungsdienst. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten wie Berufsförderung, Studium, Weiterbildung, Erwerb von Qualifikationen und Abschlüssen bilden die Grundlage für die Lebensplanung nach der Sportkarriere. Geht es um eine dienstzeitbegleitende leistungssportgerechte Ausbildung oder Studium mit individuell angepassten Präsenzphasen im Rahmen verfügbarer zeitlicher Kapazitäten während der Förderung, dann sind hier auch die Laufbahnberater der Olympiastützpunkte gefragte Ansprechpartner.

Nach Ansicht der Bundesregierung ist das Ziel zur Vereinbarkeit von Spitzensport und Beruf („Duale Karriereplanung“) innerhalb der Bundeswehr durch eine aufeinander abgestimmte Durchführung der Ausübung des Spitzensports, militärischer Laufbahnausbildung und zivilverwertbarer Berufsförderung bereits verwirklicht.

Eine Vielzahl an Medaillen und Titeln

Die sportlichen Erfolge, die die Spitzensportler der Bundeswehr im vergangenen Jahrzehnt erzielten, sind beachtlich. So waren beispielsweise bei den letzten sieben Olympischen Spielen seit 2000 (Sydney, Salt Lake City, Athen, Turin, Peking, Vancouver und London) Bundeswehrangehörige an 143 Medaillen (44 Gold, 51 Silber, 48 Bronze) beteiligt. Das sind mehr als 50 Prozent der insgesamt 283 Medaillen (87 Gold, 103 Silber, 93 Bronze) der deutschen Olympiamannschaften in diesem Zeitraum (Infografik 3). Darüber hinaus wurden seit 2000 bis November 2012 insgesamt 315 Weltmeistertitel, 311 Europameistertitel und eine Vielzahl deutscher Meistertitel von Sportsoldatinnen und Sportsoldaten der Bundeswehr erkämpft.

Militär-Sportfördersysteme im Vergleich

Im Februar 2005 veröffentlichte Professor Dr. Helmut Digel von der Universität Tübingen seinen Abschlussbericht zu einem Forschungsprojekt mit dem Titel „Organisation des Hochleistungssports – ein Systemvergleich zwischen den erfolgsreichsten Sportnationen bei den Olympischen Sommerspielen“. In dem auch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages diskutierten Bericht waren unter anderem Fördersysteme des Militärs und militärnaher Organisationen von Australien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland und USA miteinander verglichen worden. Besondere Fördersysteme und -einrichtungen wurden und werden in völlig unterschiedlichen Formen in China, Deutschland, Frankreich, Italien und Russland betrieben. In Australien, Großbritannien und den USA gibt es vergleichbare Förderung nur in eingeschränkter Form.

Im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2012 hat das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) die Leistungssportentwicklung in Großbritannien, Frankreich, USA und Russland analysiert.

Die britische Armee spielt innerhalb der Leistungssportförderung eine geringe Rolle. Unter den erfolgreichen Olympiateilnehmerinnen und -teilnehmern in London 2012 befand sich mit der Goldmedaillengewinnerin im Rudern Heather Stanning nur eine Armeeangehörige Großbritanniens.

In Frankreich gibt es zur Kombination von beruflicher und sportlicher Karriere die Möglichkeit, beim Verteidigungsministerium eine Ausbildung zu machen. Dafür wurde bereits 2003 ein Abkommen zur „Förderung des Hochleistungssports innerhalb der Armee“ zwischen dem Sportministerium und dem Verteidigungsministerium geschlossen. Es gibt 80 Militärstellen, die ausschließlich für die Sportarten Ski, Triathlon, Reiten, Fallschirmspringen, Segeln und Schießen vorgesehen sind. Weiterhin gibt es in Frankreich befristet zehn Zivilstellen, die nur von Sportlerinnen und Sportlern olympischer Disziplinen beansprucht werden können. Neben diesen 90 Planstellen existieren weitere 80 bis 90 Stellen außerhalb der offiziellen Strukturen. Dadurch können weitere Athletinnen und Athleten ihre Sportart innerhalb der Streitkräfte und der Nationalpolizei ausführen. Für London 2012 steuerten 34 Militärsportler vier Goldmedaillen, eine Silbermedaille und zwei Bronzemedaillen bei und holten damit rund 21 Prozent aller französischen Medaillen.

Deutsches Fördermodell ist beispielhaft

In den Vereinigten Staaten gibt es „Programme zur Sportlerunterstützung“, die in verschiedenen Sportarten auf unterschiedlichen Leistungsebenen genutzt werden können, so beispielsweise das „USA-Paralympic Community/Military Grant Program“. Dieses Programm zielt auf die Entwicklung „Community-basierter paralympischer Sportprogramme durch Förderung versehrter Bediensteter“ von Armee und Polizei. Darüber hinaus unterstützt die Armee mit einem speziell auf Sportsoldaten zugeschnittenen „Army World Class Athlete Program“ die Umsetzung von Leistungszielen, die mit den „Nationalen Spitzenverbänden der Sportarten“ (NGB) und dem „United States Olympic Committee“ abgestimmt sind.

In Russland spielen Armee und Polizei im nationalen Leistungssport eine große Rolle und sind wichtige Stützpfeiler des Systems. 72 Athletinnen und Athleten des russischen Teams (und damit etwa 16,5 Prozent) bei der Londoner Olympiade waren Armeeangehörige. Sie errangen insgesamt 28 Medaillen (etwas mehr als ein Drittel der russischen Medaillen). Die Sportler von Polizei und Sicherheitsdienst stellten mit 83 Athleten 19 Prozent des Teams. 61 kehrten mit einer Medaille aus London zurück. Insgesamt gewannen die Polizeisportlerinnen und -sportler 51 Medaillen, darunter 19 goldene (80 Prozent der russischen Goldmedaillen), 13 silberne und 19 bronzene.

In der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen heißt es am Schluss: „Die Spitzensportförderung der Bundeswehr wird im europäischen und außereuropäischen Ausland als nachahmenswert und ausgesprochen effizient anerkannt. Dies kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass Vertreter der Bundeswehr bei Veranstaltungen des CISM (Anm.: Conseil International du Sports Militaire mit 133 Mitgliedsnationen) regelmäßig über die Spitzensportförderung vortragen.“



Zu unserem Bildangebot:
1. Ehrung der Bundeswehr-Spitzensportler im Oktober 2012 in Berlin: Verteidigungsminister Thomas de Maizière und die Kanutin Tina Dietz, Gold- und Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen in London.
(Foto: Torsten Rütters/Bundeswehr)

2. Infografik 1 „Bundeswehr-Spitzensportler und ihre Förderdauer“ – das Foto zeigt Sportsoldat Leif-Martin Krüger bei den Military World Games 2007 im indischen Hyderabad.
(Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr)

3. Infografik 2 „Zur Berufsqualifikation“: Claudia Schramm von der Sportfördergruppe Oberhof und Nicole Herschmann bei einem Weltcup-Bobrennen in Altenberg.
(Foto: Marcus Rott/Bundeswehr)

4. Infografik 3 „Bundeswehr-Medaillenbilanz“: Beachvolleyballer Julius Brink gewann als Angehöriger der Sportfördergruppe Köln bei Olympia in London mit Partner Jonas Reckermann die Goldmedaille.
(Foto: Marcus Rott/Bundeswehr)

5. Das „World Class Athlete Program“ der U.S. Army ist speziell auf Sportsoldatinnen und Sportsoldaten zugeschnitten.
(Foto: WCAP)


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